Gefängnisdirektor Pablo Loosli: Von Deitingen nach Eritrea

Seit 13 Jahren ist er hinter Gittern. Freiwillig. Am Freitag geht Gefängnisdirektor Pablo Loosli nun in Pension und nimmt Abschied von der Justizvollzugsanstalt Solothurn. Als erstes reist er nach Afrika und hilft Blinden. So wie er früher schon als IKRK-Delegierter gerne geholfen hat.

Pablo Loosli möchte sich lieber nicht neben Gitterstäben fotografieren lassen. Er steht lieber neben das Gemüse-Feld. Stolz zeigt er, was die Insassen in der Solothurner Justizvollzugsanstalt im Deitinger Schachen alles anbauen. Jemand schiebt eine Karrette mit roten Tomaten vorbei.

Hinter dem Gemüse-Feld ist der doppelte Zaun sichtbar, der das ganze Gefängnis-Gelände mit Zellentrakt und Arbeitsplätzen umgibt. «5,4 Hektaren gut gesicherter Lebensraum», erklärt Loosli.

Die Schlagzeilen vergessen machen

2010 ist der Berner als Gefängnisdirektor in den Kanton Solothurn gekommen. Nach einem Skandal im Solothurner Gefängnis Schöngrün mit Schlagzeilen wie «Lotterknast» und «Sexskandal» brauchte der Kanton einen neuen obersten Gefängniswärter.

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Pablo Loosli (Jahrgang 1953):

Pablo Loosli (Jahrgang 1953):
  • Verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder
  • Direktor der Justizvollzugsanstalt Solothurn (bis 30.9.16)
  • Ausgebildeter Primarlehrer, Geograf und Kriminologe
  • Gemeinderat in Fraubrunnen/BE (Partei: «Forum Fraubrunnen», Ressort: Bau)
  • Ehemaliger Delegierter des IKRK
  • Präsident der Stiftung «Aktion Lichtblick» für die Förderung der Augenheilkunde in Eritrea

Pablo Loosli mag nicht mehr über diese Zeiten sprechen. Seine Aufgabe war es, wieder Ruhe in den Solothurner Justizvollzug zu bringen. Mit Erfolg hat er die Gefängnisse Schöngrün in Solothurn und Schachen in Deitingen zusammengeführt – und zwei verschiedene Arbeits-Kulturen, wie Loosli betont.

«Ich habe das gerne gemacht»

Zudem half Loosli beim Planen der neuen Anstalt in Deitingen. Seit zwei Jahren ist diese nun in Betrieb. Noch sei ihm niemand entwischt, meint er auf die Frage des Reporters. «Deitingen ist eine geschlossene Anstalt, da wäre es eine Katastrophe, wenn uns jemand entweichen würde».

Seine Aufgabe als Gefängnisdirektor umschreibt Loosli wie folgt: Gefangene so weit bringen, dass man sie mit gutem Gewissen in die Gesellschaft zurückgeben kann. Eine schöne Aufgabe? «Ich habe das gerne gemacht», sagt Pablo Loosli im Interview.

Der Menschenfreund

13 Jahre war Pablo Loosli jetzt «hinter Gittern». Vor seiner Zeit in Solothurn war er Leiter des Regionalgefängnisses Thun. Die Berner Regierungsrätin Dora Andres wollte jemanden, der schon Gefängnisse gesehen hatte, erzählt Loosli.

Als Auslandhelfer der Caritas und IKRK-Delegierter in Afrika hatte der Menschenfreund viele Gefängnisse gesehen und wurde als der Richtige für den Job angesehen. «Ich finde es selber auch erstaunlich, dass ich im Gefängnis gelandet bin», meint Pablo Loosli rückblickend.

«  Die Schweiz hat keine Luxus-Gefängnisse. Das ist Kabis. Punkt. »

Pablo Loosli
Gefängnisdirektor

Mit der neuen Justizvollzugsanstalt in Deitingen steht Loosli dem modernsten Gefängnis der Schweiz vor. Trotzdem finden auch hier Drogen den Weg hinein, gibt der Noch-Gefängnisdirektor zu. Den Beweis liefern die Urinproben, die täglich genommen werden.

Die Drogen würden wohl über den Zaun geworfen, meint Loosli. Trotz Drogenhunden und Kameras könne es sein, dass sie unentdeckt blieben. Von 1600 Urinproben im Jahr sei allerdings nur eine Handvoll positiv, relativiert er das Ausmass.

Für die Blinden von Eritrea

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Der Nachfolger

Auf Pablo Loosli folgt der 49-jährige Charles Jakober. Der Solothurner arbeitet bereits für die Justizvollzugsanstalt Solothurn, als Leiter Massnahmenvollzug. Zudem doziert er am Schweizer Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal und ist Mitglied der konkordatlichen Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern.

Am Freitag hat Pablo Loosli seinen letzten Arbeitstag. Und dann? Er freut sich darauf, mehr Bücher lesen zu können. Vor allem aber will er sich vermehrt für Eritrea einsetzen. Vor über 30 Jahren hatte er dort als IKRK-Delegierter gearbeitet. Seine Frau ist Eritreerin.

Schon nächste Woche reise er in die Hauptstadt Asmara, erzählt Loosli. In der einzigen Blindenschule von Asmara werde er versuchen, den einzigen Blindenschrift-Drucker zu ersetzen. Dieser ist kaputt gegangen.

Elefanten neben Amiet

Von seiner Verbindung nach Afrika zeugen auch die Bilder im Büro, das er bis Ende Woche räumen muss. Nebem einem Bild des Schweizer Males Cuno Amiet hängt Batik-Kunst aus Uganda.

Die auf Stoff gedruckten Elefanten wird Pablo Loosli mit nach Hause nehmen. Das Amiet-Bild muss er zurücklassen. «Leider», meint Loosli. Das Bild gehört dem Kanton.