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Gemeindefusionen Aargau Willst du heiraten? Ja, nein, vielleicht

Im Aargau gab es in den letzten Jahren mehrere Gemeindefusionen. Nicht überall aber klappt die Heirat reibungslos.

In den vergangenen Jahren haben einige Gemeinden im Aargau über eine Hochzeit gesprochen. Einige haben den Schritt gewagt, andere haben kalte Füsse bekommen und sich zurückgezogen.

Nochmals andere wollten zwar heiraten, wurden dann aber zurückgepfiffen. Und schliesslich gab es auch Hochzeiten mit unterschiedlichen Resultaten. Drei Fallbeispiele zum Thema:

Fusion Aarau-Rohr: Am 1. Januar 2010 haben sich die Kantonshauptstadt und das Nachbardorf zusammengeschlossen. Die Hochzeit war erfolgreich, wie eine Untersuchung des Zentrums für Demokratie in Aarau, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigt. Aarau hat Rohr gut integriert und hat auf die kleinere Gemeinde auch Rücksicht genommen.

Allerdings gab und gibt es durchaus Reibungsflächen. So waren zum Beispiel viele Politikerinnen und Politiker in Rohr früher parteilos und auf Dorfpolitik ausgerichtet. Sie mussten sich in der städtischen Politik zuerst zurechtfinden. In der Stadt etwa haben Parteien mehr Gewicht als in einem Dorf. Der Druck auf die einzelnen Politiker der Parteimeinung zu folgen ist grösser.

Die Rohrer seien auch noch nicht zu 100 Prozent in der Stadt angekommen. «Das wird ein, zwei, drei Generationen gehen, bis wir sagen, wir wohnen in Aarau», sagt etwa Thomas Bürgisser vom Stadtteilverein Rohr. Bisher fühle man sich zwar immer noch als Rohrer, aber trotzdem sei die Fusion der richtige Weg gewesen.

Fusionen in der Region Baden: Im Sommer 2010 haben Neuenhof und Baden über eine Hochzeit abgestimmt. Neuenhof sprach sich klar dafür aus. Baden war ganz knapp dagegen. Dieses Ergebnis hat seither die Fusionsbemühungen in der Region ins Stocken gebracht.

Für Wettingen etwa ist eine Hochzeit mit Baden, aber auch mit anderen Nachbargemeinden, zurzeit kein Thema. «Man kann ja auch mit Kollegen und Freunden an einen Tisch sitzen und Probleme lösen», meint der Gemeindeammann von Wettingen Roland Kuster. Oder anders gesagt: Er will zwar eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, aber lieber keine Fusion.

Anders tönt es in Turgi. Gemeindeammann Adrian Schoop wünscht sich eine Heirat: «Ich würde mich persönlich freuen, wenn Turgi mittel- oder langfristig zu Baden gehört». Schoop ist überzeugt, dass seine Gemeinde von den professionellen Strukturen in Baden profitieren und damit auch sparen könnte.

Fusion Bözberg: Am 1. Januar 2013 haben vier Gemeinden auf dem Bözberg geheiratet. Danach gab es einen monatelangen Streit um die Adressen. Hintergrund ist, dass die alten Dorfnamen völlig verschwunden sind. Vor allem im ehemaligen Dorf Linn regte und regt man sich darüber auf.

Selbst der Fusionsbefürworter Michel Jaussi sieht den Zusammenschluss heute kritisch: «Bei uns wurde die Fusion wenige Monate nach der Urnenabstimmung umgesetzt. Das kann nicht sein». Findet Jaussi. Man hätte sich mehr Zeit nehmen müssen, und auch mehr auf die Argumente der Gegner eingehen.

Tatsächlich wäre es leicht gewesen, auf die Forderungen der Fusionskritiker einzugehen. Andere Gemeinden machen es vor. Während in Bözberg die alten Dorfnamen verschwunden sind, heisst Rohr auch heute noch Rohr. Auf der Ortstafel konnte die Gemeinde den Namen behalten. Dies hätte wohl auch den Streit auf dem Bözberg entschärfen können.

(Bildnachweis Front: Imago)

1 Kommentar

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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Eine Gemeindefusion anstreben sollen jene Gemeinden, welche keine Behördenmitglieder mehr finden; keine besonderen Qualitäten zu verteidigen haben; finanziell an die Wand gefahren wurden; ihre Orts- und Verkehrsplanung nicht mehr selbständig bestimmen wollen; keine Energie mehr für Zusammenarbeitslösungen mit den Nachbargemeinden aufbringen; von grösseren Gemeinden majorisiert werden wollen oder auf die kurzfristig wirkende Unterstützung von Gemeindefusionen durch den Kanton hereinfallen wollen
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