Gewalt im Fussball: Polizei und FC Aarau spannen zusammen

Die Kantonspolizei Aargau und der FC Aarau verstärken im Hinblick auf die Rückrunde ihren Kampf gegen Gewalt im Fussball. Man wolle vermehrt Stadionverbote, Rayonverbote und Meldeauflagen anordnen, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung. Für den FC Aarau heisst das aber auch: Es wird teurer.

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Kampf gegen Hooligans

2:24 min, aus Schweiz aktuell vom 10.2.2015

Geplante Massnahmen:

  • Mehr Stadion- und Rayonverbote sowie Meldeauflagen
  • Gewalttäter konsequent verfolgen und härter anpacken
  • Fangnetzte bei Stehtribünen, damit nichts aufs Spielfeld gelangt
  • Fans sollen Straftaten filmen und fehlbare Personen melden
  • Bei möglichen Ausschreitungen wird den Gästefans unter Umständen der Zutritt zum Stadion verweigert

Der FC Aarau und der Kanton Aargau wollen künftig konsequenter gegen Hooligans vorgehen. Es werden vermehrt Stadion- und Rayonverbote sowie Meldeauflagen ausgesprochen. Bei Gewalttaten sollen die strafrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Abfall und zerstörte Infrastruktur im Brügglifeld Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Brügglifeld nach den Krawallen im Frühling: Jetzt investiert der FC Aarau in Fangnetze. SRF

Darauf haben sich die Verantwortlichen des FC Aarau, der Aargauer Kantonspolizei sowie des kantonalen Departements Volkswirtschaft und Inneres geeinigt, wie aus einer Mitteilung vom Dienstag hervorgeht. Anlass dazu, die Schraube anzuziehen, waren diverse Vorfälle bei Heimspielen des FC Aarau in den vergangenen Monaten.

Dabei war es verschiedentlich zu Gewalttaten gekommen. Der schwerwiegendste Vorfall hatte sich im Mai 2014 abgespielt. Statt den Meistertitel zu feiern, gingen Fans des FC Basel mit Rauchpetarden und Pyros auf FCA-Anhänger los und brachten dabei auch Familien mit Kindern in Gefahr.

Ausschluss von Gästefans möglich

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Hooligan-Konkordat reicht

Das neue Vorgehen gegen gewaltbereite Fussballfans braucht keine neuen gesetzlichen Grundlagen. Künftig werden die strengen Regeln des Konkordats aber konsequenter umgesetzt. «Die Kantonspolizei war bisher sehr gnädig», sagt auch FCA-Präsident Alfred Schmid. Bisher wurde im Aargau erst ein Fussball-Testspiel aus Sicherheitsgründen verboten.

Ziel der neuen Strategie ist es, Störer von den Heimspielen des FC Aarau fernzuhalten. «Um das Hooligan-Konkordat umsetzen zu können, müssen wir zuerst die gewaltbereiten Fans identifizieren. Nur so können wir auch Auflagen gegen sie verfügen», erklärt Regierungsrat Urs Hofmann gegenüber SRF.

Vor Matches mit einem hohen Risikopotenzial will der FC Aarau künftig eng mit den Verantwortlichen des Gastklubs, der Polizei am Standort des Gastklubs sowie der Swiss Football League zusammenarbeiten.

Falls dennoch mit Gewalttaten oder anderen sicherheitsrelevanten Vorkommnissen gerechnet werden muss, kann die Kantonspolizei künftig die Auflagen verschärfen. Im schlimmsten Fall werden die Gästefans gar nicht erst ins Stadion Brügglifeld gelassen.

Spiele absagen?

Auch eine Absage von Fussballspielen ist gemäss Hooligan-Konkordat möglich, wie Vereinspräsident Alfred Schmid gegenüber Radio SRF bestätigt. «Allerdings wollen wir mit diesen Massnahmen ja dafür sorgen, dass es erst gar nicht so weit kommen muss.»

Neu hat die Kantonspolizei Aargau ihre Einsatzregeln bei FCA-Heimspielen angepasst. Damit kann sie flexibler auf Gewalttaten reagieren und gewalttätige Exponenten festnehmen.

Bauliche Massnahmen im Brügglifeld

Auch der FC Aarau reagiert: Im Stadion Brügglifeld werden in allen Stehplatz-Sektoren Fangnetze montiert, wie der Club am Dienstag mitteilte. Diese Fangnetze sollen die Sicherheit von Spielern und Schiedsrichtern erhöhen. Dazu fordert der FC Aarau seine Gäste ausdrücklich auf, «Straftaten zu dokumentieren» und «fehlbare Personen» dem Club oder der Polizei zu melden.

Der Verein rechnet mit Sicherheitskosten von 700'000 Franken, wie es weiter heisst. «Diese Kosten sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, um etwa 20 Prozent pro Jahr», erklärt Präsident Alfred Schmid gegenüber SRF.

Ausdrücklich weist der Verein auch darauf hin, dass das Abfeuern von pyrotechnischem Material ebenfalls als Straftat gelte. Allein die bisher in dieser Saison abgefeuerten zehn Fackeln hätten für den Verein eine Busse von 8000 Franken zur Folge.

Präsident Schmid: «Dieses Gesetz gilt, egal was man davon hält. Und man kann in der Schweiz die Gesetze ja auch ändern. Wer also nicht damit einverstanden ist, soll Unterschriften sammeln. Solange das Gesetz gilt, müssen wir uns aber daran halten und es durchsetzen.»

Regierungsrat Urs Hofmann betont, dass der Aargau bisher nicht untätig gewesen sei. Allerdings habe trotz der bisherigen Massnahmen die Gewaltbereitschaft der Fans zugenommen, sei eine Häufung von Gewalttaten festzustellen.

«  Der FC Aarau ist einer der Clubs mit den meisten Stadionverboten. »

Urs Hofmann
Regierungsrat Kanton Aargau

Man habe schon in den letzten beiden Jahren einen sehr grossen Aufwand betrieben, um gewaltbereite Fans in Schach zu halten. Trotzdem müsse man diesen Aufwand offenbar noch einmal vergrössern.