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Aargau Solothurn Hochuli und Brogli: Viel Geld zum Wandern an der Ostsee

Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli erhält nach dem Ende ihrer Amtstätigkeit ein Ruhegehalt von rund 130'000 Franken pro Jahr. Der ebenfalls nicht mehr antretende CVP-Regierungsrat Roland Brogli bekommt noch mehr.

Nach den geltenden Bestimmungen beträgt das Ruhegehalt für ein Ex-Regierungsmitglied im Kanton Aargau 50 Prozent der beim Ausscheiden aus dem Amts bezogenen Jahresgrundbesoldung. Der Lohn beträgt rund 300'000 Franken pro Jahr.

So sieht es das seit 1975 geltende Dekret über die Ruhegehälter der Mitglieder des Regierungsrats vor. Die Grundsätze des Dekrets stammen aus dem Jahr 1944.

Damit ein Ex-Regierungsmitglied jedoch das volle Ruhegehalt kassiert, muss es mindestens 12 Jahre im Amt gewesen sein oder beim Rücktritt bereits 60 Jahre alt sein. Wer keine 12 Jahre im Amt ist, dem wird pro fehlendem Jahr das Ruhegehalt um drei Prozent gekürzt.

Brogli erhält volles Ruhegehalt

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Rücktritt freiwillig erfolgt - oder ob man abgewählt wird. Der 65-jährige Regierungsrat und Finanzdirektor Roland Brogli (CVP), der sich im Herbst nach 16 Jahren nicht mehr der Wiederwahl stellt, erhält also das volle Ruhegehalt.

Susanne Hochuli und Roland Brogli auf der Strasse.
Legende: Wie alle aktuellen Aargauer Regierungsräte erhalten Hochuli und Brogli ein komfortables lebenslanges Ruhegehalt. Keystone

Die 51-jährige Susanne Hochuli bekommt ein um zwölf Prozent gekürztes Ruhegehalt von rund 130'000 Franken pro Jahr. Hochuli weiss noch nicht, was nach ihrer Amtszeit ab Ende 2016 tun wird. «Meine persönliche Zukunft ist völlig offen», hatte Hochuli am Donnerstag gesagt.«Aber ich habe viele Ideen im Kopf. Ich werde in einem Jahr einen 1000-Kilometer-Marsch an die Ostsee machen.» Sie wolle wieder freier und selbstbestimmter durchs Leben gehen, begründete sie den Verzicht auf eine dritte Amtszeit.

Im Kanton Aargau erhielten per Ende 2015 insgesamt 15 Personen Ruhegehälter beziehungsweise Hinterbliebenenrenten. Davon sind 10 ehemalige Mitglieder des Regierungsrats (im Alter zwischen 67 und 87 Jahren ) und 5 Witwen ehemaliger Regierungsräte (im Alter zwischen 74 und 93 Jahren).

Parlament gegen «Luxuslösung»

Das eingespielte System der Ruhegehälter gehört im Aargau jedoch bald der Vergangenheit an. Gegen den Willen des Regierungsrat hatte der Grosse Rat im November 2014 eine SVP-Motion überwiesen, um die Ruhegehälter der ehemaligen Mitglieder der Kantonsregierung zu kürzen.

Die Stimmen von SVP, SP und Grünliberalen gaben damals den Ausschlag, dass die Motion überwiesen wurde. Die SP bezeichnete die Ruhegehälter als «Luxuslösung». Bereits 2006 hatte die SP eine andere Regelung für Ex-Regierungsmitglieder gefordert.

Berufliche Vorsorge für Regierungsräte

Nun werden die Ruhegehälter auf eine neue Basis gestellt. Die Regierungsräte sollen - wie alle Staatsangestellte - in einer Pensionskasse versichert sein. Wer vor dem Pensionsalter den Hut nimmt, soll eine Abgangsentschädigung oder eine Übergangsrente erhalten.

Das schlägt der Regierungsrat vor. Der Grosse Rat wird voraussichtlich im September über das entsprechende Dekret entscheiden. Es kann dann auf Beginn der neuen Amtsperiode (1. Januar 2017) in Kraft treten - und für die erstmals gewählten Regierungsmitglieder gelten.

Bei seinem Vorschlag orientiert sich der Regierungsrat weitgehend an den Spielregeln in anderen Kantonen. Ein Magistrat soll bei Amtsantritt bundesrechtskonform nach den gleichen Grundsätzen wie das Staatspersonal bei der Aargauischen Pensionskasse (APK) versichert werden. Der Arbeitgeberbeitrag beträgt pro Person und Jahr rund 45'000 Franken.

Abgangsentschädigung

Wenn ein Regierungsrat nach Vollendung des 55. Altersjahrs zurücktritt oder nicht mehr wiedergewählt wird, so erhält er gemäss Vorschlag längstens bis zum ordentlichen Pensionsalter 65 eine Übergangsrente. Diese Rente soll maximal die Hälfte des zuletzt bezogenen Bruttolohns betragen - also höchstens 150'000 Franken.

Von diesem Ruhegehalt sollen die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Scheidet ein Regierungsrat vor Vollendung des 55. Altersjahrs aus, soll eine Abfindung in der Höhe eines Jahreslohns ausbezahlt werden. Der Kanton Solothurn beschloss Ende 2015 eine vergleichbare Regelung.

10 Kommentare

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  • Kommentar von B. Häfeli (xxx)
    Ich arbeite lieber für mein Geld und verdiene es mit fairen Leistungen! - So kann ich ruhig schlafen!
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Ja, die Gier der Neidigen die ja selber genug und davon alles haben aber anderen ihr Gehalt absprechen und auf den Selbstmitleidsnerv des Proletentums drücken und drücken, sollte man wirklich abschaffen (nur kann man das nicht). Gier hat ganz verschieden Facetten. Neid, Geiz, Missgunst etc. sind nur Spielarten derselben unausrottbaren Wurzel. Schaut in den Spiegel.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Ich glaube, dass eine Kritik an der Auszahlung einer Monatsrente von 11'000.- Fr. für 8 Jahre "Arbeit", bis zum Tode, nichts mit Neid und Missgunst zu tun hat, Herr Welti! Ob ein überbezahlter CEO oder eine Regierungsrätin, es ist und bleibt für jede(n) Bürger(in) im Land, die (der über 40 Jahre lang (!) tagtäglich hart gearbeitet hat), einen "zünftigen Chlapf a Grind"!
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    2. Antwort von simone simon (simsim)
      philosophisch hochstehende antwort, ja ;-). nur mit der "allgemeinen balance", was die verhältnismässigkeit angeht, stimmt doch trotzdem etwas oder vieles einfach nicht.
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  • Kommentar von simone simon (simsim)
    ja, da stellt es einem die haare schon zu berge. bin auch bei dieser pk versichert, habe ein leben lang gearbeitet u. meine vorausgesagte kleine rente wird jedes jahr noch kleiner... wer weiss, vielleicht spenden diese reich besegneten ja etwas von diesem geldregen an bedürftige. zu wünschen wäre es.
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