Immer weniger, aber grössere Bauernhöfe im Aargau

Jahr für Jahr verschwinden im Aargau Bauernhöfe. Die Höfe, die bleiben, werden dafür immer grösser. Diese Entwicklung lässt sich erklären, sie ist aber umstritten. Ebenso die möglichen Rezepte dagegen.

ag Landwirtschaftsbetriebe: Entwicklung im Aargau Die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe geht auch im Kanton Aargau zurück. Allerdings werden die Bauernhöfe tendenziell immer grösser.

Es sind deutliche Werte: In den letzten 25 Jahren sind im Aargau fast die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe verschwunden, das lässt sich dem Statistischen Jahrbuch 2015 entnehmen. Während im Jahr 1980 im Aargau noch 6366 Landwirtschaftsbetriebe registriert wurden, waren es 2014 noch 3462. Und: Jene Betriebe die weiterbestehen konnten, haben sich verändert.

Dabei fällt vor allem die Grössenentwicklung auf. Die Bauernhöfe im Aargau wurden nämlich in den letzten 35 Jahren immer grösser. 1980 hatte ein Betrieb durchschnittlich noch eine Nutzfläche von 10,07 Hektaren. 2015 liegt der Wert bei 17,61 Hektaren, hat sich also schon bald verdoppelt. Bauernhöfe mit einer Nutzfläche von über 20 Hektaren sind zudem viel häufiger geworden. 1980 gab es 654 Höfe, die so gross waren, 2014 waren es 1301. Woher diese Veränderungen?

Bauernverband erklärt Drang nach Grösse

Der Strukturwandel habe unter anderem mit dem Preiszerfall zu tun, erklärt Ralf Bucher vom Aargauer Bauernverband. «Wer für den Lilter Milch nur noch 50 Rappen erhält, der will eben mehr Milch produzieren, damit der Umsatz wenigstens stabil bleibt.» Bucher findet die Entwicklung allerdings nicht dramatisch. «Natürlich wollen wir keine Landwirtschaftsindustrie wie zum Beispiel in den USA, aber bisher ist der Strukturwandel verträglich.»

Bauer in grosser Erntemaschine im Maisfeld Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Für die Bewirtschaftung der immer grösseren Bauernbetriebe im Aargau sind auch immer mehr und grössere Maschinen nötig. Keystone

Kritischer betrachtet die Entwicklung der Bio-Bauer Hans Peter Meier aus Full-Reuenthal. Er selber bewirtschaftet einen kleinen Hof mit zwölf Kühen und zehn Hektaren Land. «Wenn viele kleine Bauern unser Land bewirtschaften würden, wäre das besser.» Auch überleben könne man damit, wenn man zum Beispiel auf alternative Absatzmärkte setze wie den Direktverkauf. «Ich wollte meinen Kindern einen Universitätsabschluss finanzieren können mit diesem kleinen Hof – und ich habe es geschafft.»

Subventionen: Bauern sind sich uneinig

Klar ist aber: Abhängig von Direktzahlungen sind sowohl kleine Bio-Bauern als auch grosse Landwirtschaftsbetriebe. 2,9 Milliarden Franken erhalten die Schweizer Bauern jährlich. Der nationale Bauernverband möchte weniger Vorschriften für diese Zahlungen. Ralf Bucher vom Aargauer Verband unterstützt diese Forderung: «Es ist übertrieben, dass man für jeden Arbeitsschritt ein Formular ausfüllen muss.»

Bio-Bauer Meier ist damit nicht einverstanden. «Auch ich verstehe nicht mehr alle Formulare. Aber dann hole ich mir halt Hilfe. Es geht um sehr viel Geld, da braucht es diese Kontrolle.» Das Wehklagen des Bauernverbandes geht dem Kleinbauern am Rhein auf den Geist.

Schweizer Bauern hätten es immer noch sehr gut. «Und wer nicht zufrieden ist damit, der soll halt Karriere machen in der Industrie», meint Meier. Ralf Bucher vom Bauernverband würde eine solche Aussage wohl kaum unterschreiben. Aber auch er sieht den Bauernberuf im Aargau nicht grundsätzlich in Gefahr. «Ich sehe nicht nur schwarz.»