Ivo Kummer vermisst die Filme, nicht aber das Rampenlicht

Vor knapp fünf Jahren wechselte Ivo Kummer vom Rampenlicht der Solothurner Filmtage zur Arbeit ins stille Kämmerlein des Bundesamtes für Kultur: Aus dem Solothurner Filmtage-Direktor wurde der Leiter Sektion Film. Wie sieht sein Arbeitsalltag heute aus – und was ist anders, ohne Rampenlicht?

Nein, das Rampenlicht und besonders die Ansprachen vor grossem Publikum, das habe er nie wirklich genossen, sagt Ivo Kummer heute. Der langjährige Direktor der Solothurner Filmtage stand von 1989 bis 2011 im Rampenlicht der Schweizer Filmszene. Heute ist er Leiter der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK).

Er hat die Seiten gewechselt und ist nicht unglücklich, dass er mittlerweile nicht mehr so oft Reden halten muss. Und auch darüber, dass er nicht mehr so oft in den Medien ist. Die Arbeit hat sich sehr verändert bei Ivo Kummer. Sitzungen dominieren den Arbeitsalltag, erklärt er im Interview mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn.

«  Ich sitze ein, ohne dass ich etwas verbrochen habe. »

Ivor Kummer
Leiter Sektion Film beim Bundesamt für Kultur, von 1989 bis 2011 Solothurner Filmtage-Direktor

54 Millionen Franken können Ivo Kummer und sein Team von 10 Mitarbeitern aktuell pro Jahr verteilen. 27 Millionen mehr, als Kummer noch auf der anderen Seite sass. Das sei ein Erfolg, erklärt der Solothurner mit etwas Stolz. Auf die Frage, ob er denn das Geld so verteile, wie er es als Filmtage-Direktor gerne gehabt hätte, verneint er.

Er könne heute schon besser hinter die Kulissen schauen als damals. Und manche Dinge sehen nun etwas anders aus. Ein Wendehals sei er aber nicht, hält Kummer fest. Seit 2011 ist Leiter der Sektion Film beim BAK, und ist gerne dort. Etwas vermisst er hingegen schon: Die vielen Filme, die er sich früher anschauen konnte.

«  Das ist tatsächlich eine grosse Tragödie. »

Früher habe er sämtliche Schweizer Filme gesehen, im Selektionsprozess der Solothurner Filmtage. Nun sei das nicht mehr so, was ihm sehr weh tut, erklärt der 57-Jährige im Interview. Ja, er könne heute deutlich weniger Schweizer Filme anschauen als er das noch als Direktor der Filmtage konnte.

Dafür lebe er heute etwas gesünder als zu Zeiten der Filmtage, die jeweils im Januar in Solothurn stattfanden. Zusammen mit seinem Team habe er jeweils zwei bis drei Wochen fast ausschliesslich im Kino verbracht, und Filme visioniert von 9 Uhr bis Mitternacht - und zum Mittagessen reichte es oft nur für «ein Süppli».

«  Damals schädigte ich meine Gesundheit am meisten. »

Trotzdem sei es eine unvergessliche Zeit gewesen bei den Solothurner Filmtagen, als man «entrückt war», wie in einer anderen Welt. Kummer denkt gern zurück an diese Zeit, sagt aber auch: «Zurück möchte ich nicht mehr.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr