Josef Marbacher: «Wir müssen das Trauma Finanzkrise überwinden»

Firmen wollen Stellen abbauen, die Arbeitslosenquote in den Kantonen Aargau und Solothurn steigt an: Als Grund für diese negativen Schlagzeilen wird immer wieder die Krise in Europa angeführt. Doch Professor Josef Marbacher glaubt nicht, dass 2013 ein Krisenjahr wird. Er sieht das Ende der Krise.

Zwei Arbeiter prüfen grosse Bauteile in einer Fabrikhalle der ABB. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Krisenmeldung» der ABB Turbo Systems: Die Aufträge fehlen. ABB macht dafür die Finanzkrise verantwortlich. Keystone

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Zur Person

Portrait von Josef Marbacher im Radiostudio

Professor Josef Marbacher im Radiostudio. SRF

Josef Marbacher ist Dozent für Banking und Finance an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Er leitete diesen Bereich jahrelang. Vorher war er unter anderem für die Schweizerische Nationalbank tätig und Chefökonom bei Swiss Re und der Bank Julius Bär. Er berät als Mitglied diverser Verwaltungsräte Firmen im Banken- und Pensionskassenbereich.

Die Meldung der ABB Turbo Systems in Baden schreckte diese Woche auf: Reedereien bestellten keine Turbolader mehr für die Motoren ihrer Luxusschiffe, deshalb müsse das Unternehmen vielleicht Stellen abbauen. Diese Meldung sei typisch für die aktuelle Wirtschaftslage, sagt Josef Marbacher. Er ist Dozent für Banking und Finance an der Fachhochschule Nordwestschweiz und berät Banken und Pensionskassen bei ihren Anlagen.

«Im Moment ist die Auftragslage bei vielen Firmen der Maschinen- und Elektroindustrie noch rückläufig. Wir müssen noch mit weiterem Stellenabbau rechnen», prognostiziert Marbacher im Gespräch mit Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Für die Zukunft allerdings gibt sich der Finanzexperte optimistisch.

Die Weltwirtschaft wächst

«Weltweit weisen die meisten Indikatoren auf Wachstum hin», sagt Marbacher. Weshalb sprechen viele Firmenchefs und Prognostiker dann weiterhin von der Krise? «Die Krise in Europa war real, es hat eine starke Rezession gedroht», erklärt der Bankenprofessor. «Ich verstehe deshalb, dass viele Firmenchefs noch nicht an das Ende der Eurokrise glauben».

Dies müsse nun aber ändern, fordert Marbacher: «Wir müssen das Trauma überwinden». Die Firmen müssten wieder investieren, damit die Krise nicht plötzlich verlängert werde. Die Investoren der Finanzmärkte hätten diesen Wandel bereits vollzogen.

« Die Investoren glauben bereits an den Aufschwung. »

«Die Aktienkurse der Firmen haben sich in den letzten sechs Monaten erholt. Die Investoren glauben bereits an den Aufschwung», bilanziert Marbacher. Er geht deshalb davon aus, dass «spätestens im nächsten Jahr die Krise kein Thema mehr sein wird».

Besonders gute Vorzeichen für die Region

Die Region Aargau Solothurn profitiere sogar doppelt: «Gerade das Fricktal, das Freiamt oder die Region Baden sind typische Wohnregionen. Hier gibt es Zuwanderung», sagt Marbacher. Dieses Wachstum bringe der Bauwirtschaft und dem Gewerbe ausreichend Arbeit, ist der Dozent überzeugt. Aber auch die gebeutelte Industrie dürfte sich rasch erholen.

«Wenn der internationale Handel wächst, dann wächst das Exportgeschäft stärker als die übrige Produktion», erklärt Marbacher. Weil die exportorientierte Maschinen- und Elektroindustrie in unserer Region besonders stark ist, werde es hier auch bald wieder mehr Arbeitsplätze geben.

Kurzfristig noch mehr Arbeitslosigkeit

Dazu brauche es nun aber noch etwas Geduld. «Um die Arbeitslosenquote reduzieren zu können, braucht es in Industrieländern üblicherweise ein Wachstum von mehr als zwei Prozent. Das erreichen wir gemäss Prognosen erst 2014.» Bis dahin nehme die Arbeitslosigkeit vielleicht sogar noch etwas zu, meint Marbacher. Trotzdem: Er ist überzeugt, dass die Krise bald zu Ende ist.