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Aargau Solothurn Jüdische Geschichte in Lengnau und Endingen hautnah erleben

Das Projekt «Doppeltür» soll eine touristische Attraktion werden im Aargauer Surbtal. Für total 16.15 Millionen Franken soll die Geschichte der Surbtaler Juden aufbereitet werden. Die Verantwortlichen erwarten jährlich 30'000 Besucher.

Visualisierung Besucherzentrum.
Legende: So könnte das Besucherzentrum «Doppeltür» dereinst aussehen. zvg/Verein Doppeltür

Geplant ist aber nicht ein Museum, sagt Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton Aargau anlässlich einer Informationsveranstaltung in Lengnau am Mittwochabend: «Wir wollen die Geschichte an den Schauplätzen erlebbar machen.» Geplant sind zum Beispiel diverse Audio- und Video-Installationen. Für Familien ist ein spezielles historisches Quiz angedacht. An Ideen mangelt es nicht. Bis hin zum koscheren Picknick sei alles möglich.

Ziel sei es, «die spannende Geschichte der Koexistenz von Juden und Christen sowie deren Bedeutung für das heutige Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft» zu thematisieren, so die Verantwortlichen.

Kernstück des Projekts «Doppeltür» soll ein neues Besucherzentrum sein. Wo dieses zu stehen kommt ist aber noch offen.

Private Geldgeber gesucht

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 16,15 Millionen Franken. Diese Mittel sollen möglichst aus privater Hand kommen. In einem nächsten Schritt wird ein Verein gegründet, der sich auf Sponsorensuche machen soll. Der Verein «Doppeltür» wird von Lukas Keller, Gemeindeammann von Endingen (bis Ende April 2016), präsidiert. Später soll aus dem Verein eine Stiftung werden.

Das Projekt sei für die Gemeinden Lengnau und Endingen eine grosse Chance, ist Lukas Keller überzeugt: «Wir erwarten pro Jahr rund 30'000 Besucherinnen und Besucher». Davon könne auch die lokale Gastronomie, die Hotellerie oder das Gewerbe profitieren.

Eröffnung frühestens in 5 Jahren

Wie schnell das Projekt verwirklicht wird hängt von der Sponsorensuche ab. Lukas Keller ist überzeugt, dass es dem Verein gelingen wird, die nötigen Mittel aufzutreiben. Zudem sei das Projekt Modulartig aufgebaut, d.h. es muss nicht alles gleichzeitig realisiert werden.

Legende:
Projekt Doppeltür: Die Kosten Insgesamt will der Verein 16.15 Millionen Franken einsetzen. So setzen sich die Kosten zusammen (in Millionen Franken). Verein Doppeltür

Mit Kosten von 12.5 Millionen Franken schlägt das neue Besucherzentrum am meisten zu Buche. Das Besucherzentrum hat für die Verantwortlichen gleichzeitig die höchste Priorität.

Wo das Besucherzentrum gebaut wird ist noch offen. «Die Endinger hätten es gerne in Endingen, die Lengnauer gerne in Lengnau», sagt dazu der Lengnauer Gemeindeammann Franz Bertschi.

Bis zur Eröffnung des Besucherzentrums dürften noch mindestens 5 Jahre vergehen.

Projekt Doppeltür: Die Rolle der Medien

Im Frühling 2013 bemängelte der Publizist Roy Oppenheim, dass die Geschichte der Surbtaler Juden für die Öffentlichkeit kaum aufbereitet sei. Oppenheim lebt in Lengnau und ist selbst jüdischer Abstammung. Seine Kritik übte er auch im Regionaljournal Aargau Solothurn (siehe «Verwandte Artikel» rechts). Daraufhin haben sich die Medien schweizweit dem Thema angenommen. Selbst Alt Bundesrätin Ruth Dreifuss - selbst jüdischstämmig und in Endingen heimatberechtigt - äusserte sich zum Thema. Dieses mediale Interesse führte dazu, dass sich jüdische Organisationen, die Gemeinden Lengnau und Endingen und der Kanton Aargau eine Arbeitsgruppe gründeten. Diese entwickelte das Konzept Doppeltür. «Es wird viel über die Medien geschimpft, beim Projekt Doppeltür haben sie aber eine wesentliche Rolle gespielt», sagt Roy Oppenheim heute.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Fadri Pitsch (FP)
    Endlich Danke. Dass, das traurige Kapitel durch diese Pläne einer breiten Bevölkerung nahe gebracht wird, finde ich sehr anständig und dringend notwendig. Dass die Jüdische Bevölkerung erst ab 1866 im Surbtal sich niederlassen durften, gehört zu unseren Geschichte, die alles andere als anständig war. Kenne ältere Menschen die berichteten, dass Sie vor allem durch Katholische Manager gezwungen wurden im Bank Sektor tätig zu sein. So umging man dies geschickt, weil Kath. kein Zins verl. durften
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