Zementproduktion Schweiz Kalkstein für Zement aus Wildegg: Der Weg ist fast frei

Die Zementfabrik Wildegg darf den Steinbruch Jakobsberg-Egg erweitern. Der Grosse Rat hat die Erweiterung des Steinbruchs in Auenstein und Veltheim in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Viele Parlamentarierinnen und Parlamentarier erwarten aber klare Vorgaben.

Zementfabrik, im Hintergrund Steinbruch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Vorräte im Steinbruch Jakobsberg reichen noch fünf bis sieben Jahre für die Zementfabrik in Wildegg. Stefan Ulrich/SRF

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Grosse Rat genehmigt eine Richtplan-Anpassung
  • Der Steinbruch Jakobsberg-Egg in Auenstein und Veltheim kann damit erweitert werden
  • Der Steinbruch liefert Rohstoffe für die Zementfabrik in Wildegg
  • Anwohner und Umweltverbände wehren sich
  • Die Richtplan-Anpassung ist ein Grundsatz-Entscheid, es gibt diverse Auflagen

Der Entscheid: Die Jura Cement darf ihren Steinbruch Jakobsberg-Egg in Auenstein und Veltheim erweitern. Der Grosse Rat hat das Abbaugebiet im kantonalen Richtplan festgeschrieben. Mit 102 zu 10 Stimmen deutlich.

Insgesamt gibt es vier Erweiterungen: Der Steinbruch wird im Westen und in der Mitte (Gemeinde Auenstein) erweitert, dazu auch im Osten (Veltheim). Zusätzlich wird der bestehende Steinbruch noch tiefer abgegraben. So sollen insgesamt sechs Millionen Kubikmeter Kalkstein zusätzlich abgebaut werden können.

Karte mit eingezeichneter Erweiterung Steinbruch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Erweiterung aus der Vogelperspektive: Der Steinbruch soll an drei Enden erweitert und tiefer gelegt werden. zvg/Kanton Aargau

Die Einschränkungen: Der Richtplan-Entscheid ist nur ein Grundsatz-Entscheid. Die betroffenen Gemeinden Auenstein und Veltheim werden ihre Nutzungspläne anpassen müssen, die Jura Cement braucht auch noch eine Baubewilligung. Im Rahmen dieser «nachgeordneten Verfahren» werden dann zusätzliche Bedingungen formuliert.

Ganz grob geht es unter anderem um folgende Themen:

  • Vermeidung von Staub und Lärm
  • Landschaftliche Einpassung des Steinbruchs
  • Rekultivierung (landwirtschaftliches Kulturland wieder herstellen nach dem Abbau)
  • Lebensräume von Gemsen und Uhu und bestehende Wanderwege schützen

Diese Themen wurden im Grossen Rat vielfach erwähnt und diskutiert, obwohl sie nicht im kantonalen Richtplan selber festgeschrieben sind, sondern lediglich als Auflagen im Verfahren schriftlich festgehalten wurden.

«Die Bevölkerung zu überzeugen von diesem Kompromiss, das ist nun die Aufgabe der Gemeinden», sagte denn auch Grossrat Christian Minder (EVP).

Die Debatte: Jeanine Glarner (FDP, Wildegg) ärgerte sich über den Widerstand der Anwohnerinnen und Anwohner. Die Jura Cement habe versprochen, Lärm und Staub sogar einen Drittel unter die geltenden Grenzwerte zu reduzieren. Die Firma habe damit «zwei ganze Hände gereicht». Wer diese Lösung nicht wolle, der wolle gar keine Lösung.

«  Ein Haus möchten viele bauen, aber den Rohstoff dazu bitte nicht nebenan beziehen. »

Jeanine Glarner
Grossrätin FDP, Wildegg

Hansjörg Wittwer (Grüne, Aarau) betonte hingegen, der Abbau belaste die Anwohner und zerstöre intakte Landschaften und Fruchtfolgeflächen. Man müsse die geplanten Erweiterungen deshalb «mit äusserster Vorsicht» betrachten.

Deshalb stellten die Grünen diverse Detailanträge. Parteikollege Robert Obrist aus Schinznach-Dorf kritisierte zudem das Verhalten von Jura Cement und Kanton am Anfang des Verfahrens.

«  Da wurde viel Misstrauen geschürt in der Bevölkerung. »

Robert Obrist
Grossrat Grüne, Schinznach-Dorf

Förderband neben Feldweg, im Hintergrund Fabrik mit Kamin Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Förderband bringt das Rohmaterial vom Steinbruch in die Fabrik. Dies soll auch in Zukunft so bleiben. Stefan Ulrich/SRF

Der Hintergrund: Die Zementfabrik in Wildegg produziert fast einen Fünftel des in der Schweiz benötigten Zements. Für diesen Zement braucht es Kalkstein. Die Reserven im Steinbruch schwinden. Der Vorrat reiche noch für etwa fünf bis sieben Jahre, heisst es bei Jura Cement und Aargauer Regierung.

Ohne zusätzlichen Kalkstein seien die Firma und ihre 120 Arbeitsplätze gefährdet, sagt die Aargauer Regierung. Sie hat sich auch deshalb für die Richtplan-Anpassung stark gemacht.

Die Zementfabrik in Wildegg Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Zementfabrik Wildegg produziert 18 Prozent des Schweizer Zements. Das sei nachhaltiger als Import, sagen die Grünen. Stefan Ulrich/SRF

Die Vorgeschichte: Die Jura Cement sucht seit Jahren neue Abbaugebiete für Kalkstein. Ursprünglich gab es vier mögliche neue Steinbruch-Gebiete, dann standen noch die Gisliflue und das Gebiet Grund in Schinznach-Dorf zur Wahl. Beide Projekte stiessen aber auf erbitterten Widerstand. Kanton und Jura Cement haben diese Pläne deshalb 2014 begraben.

Seither verhandelt die Firma über die Erweiterung des bestehenden Steinbruchs Jakobsberg-Egg. Verschiedene Umweltverbände sowie Anwohnerinnen und Anwohner wehren sich oder stellen Forderungen.