Kandidaten-Karussell: Gelebte Demokratie oder zu viel des Guten?

Das Aargauer Stimmvolk hat im Herbst die Qual der Wahl - wortwörtlich. Gleich 14 Regierungsratskandidaten stehen zur Auswahl. Das sind deutlich mehr als bei den letzten Wahlen vor vier Jahren. Die Kandidaten-Flut und die Qualifikationen der Kandidaten wird unter Aargauer Politiker heiss diskutiert.

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Bildlegende: Das Kandidatenkarussell für die Aargauer Regierungsratswahlen ist (zu) gut besetzt. Keystone

Acht Frauen und sechs Männer bewerben sich für fünf Aargauer Regierungsratssitze. Drei Kandidaten sitzen bereits in der Aargauer Regierung, und diese dürften wieder gewählt werden. Bisherige Regierungsräte werden meistens ohne Problem wiedergewählt.

Es kämpfen also elf Kandidaten um die zwei frei werdenden Sitze von Susanne Hochuli und Roland Brogli, die beide nicht wieder antreten.

Regierungsratskandidaten als Vehikel für Parlamentswahlen

Bei den letzten Wahlen vor vier Jahren waren es deutlich weniger Kandidatinnen und Kandidaten. Nun zählt die Liste nicht nur mehr Anwärter, sondern auch aus mehr Parteien, die Kandidaten für die zwei frei werdenen Sitze stellen, darunter auch kleine Parteien wie die BDP und die GLP - trotz minimalen Chancen.

Ihre Entscheide hätten strategische Hintergründe, sagt Daniel Bochsler vom Zentrum für Demokratie Aarau: «Sie wissen, dass sie damit mehr in der Öffentlichkeit stehen und ihnen dies zu mehr Stimmen bei den Parlamentswahlen verhelfen könnte.» Ausserdem würden Parteien immer weniger zusammenarbeiten, um gemeinsam Kandidaten aufzustellen, erklärt sich Bochsler die Kandidaten-Flut.

Kandidaten-Flut gibt zu reden

In der Aargauer Politik zu reden geben einerseits die Exoten unter den Kandidaten, wie zum Beispiel die drei jungen Frauen der Jungsozialen, und andererseits die Qualifikationen der Kandidaten allgemein. Hört man sich um, werden etwa Fragen diskutiert wie: Wie viel Politik- oder Führungserfahrung sollen die Kandidaten mitbringen?

Schwierig zu definieren. Und so oder so dürfen sich immer noch alle Bürgerinnen und Bürger für einen Regierungssitz bewerben. Aus demokratischer Sicht sei es auf jeden Fall eine gute Entwicklung. «Früher hatte man manchmal extakt so viele Kandidaten, wie Sitze zur Auswahl standen. Dass das Volk nun eine grössere Auswahl hat, dürfte die Stimmbeteiligung erhöhen und macht die Wahl spannend», so Daniel Bochsler.