Kanton Solothurn testet Deutsch-Kurse für die ganz Kleinen

In einem zweijährigen Pilotprojekt will die Solothurner Regierung herausfinden, wie man Kindern noch vor dem Kindergarten Deutsch beibringen kann. Die brisanten Fragen, die sich stellen: Kann man die Eltern dazu zwingen, dass ihre Kinder Deutsch lernen müssen? Und wer soll die Ausbildung bezahlen?

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Bildlegende: Kinder sollen Deutsch sprechen können, bevor sie in den Kindergarten kommen. Das will die Solothurner Regierung. Keystone

Es gibt Kinder, die in den Kindergarten kommen, und fast kein Deutsch beherrschen. Lernen sie es auch bis zur Primarschule nicht richtig, haben sie ein Problem: Sie verstehen den Lernstoff nicht richtig, werden abgehängt.

Besser ist es deshalb, wenn die Kinder schon Deutsch lernen, bevor sie in den Kindergarten kommen. Die Zeit im Vorschulalter liegt aber in der Zuständigkeit der Eltern. Der Staat hat wenig Einfluss auf kleine Kinder.

So machen es die Basler...

Im Kanton Basel-Stadt ist dies anders. Dort gilt seit 2013 ein Obligatorium zur frühen Deutschförderung. Verfügt ein Kind 18 Monate vor dem Kindergarteneintritt über unzureichende Deutschkenntnisse, verpflichtet der Kanton die Eltern, ihr Kind an zwei halben Tagen pro Woche in eine Spielgruppe, eine Kindertagesstätte oder eine Tagesfamilie zu schicken.

Eine Studie der Universität Basel zeigt, dass das Obligatorium wirksam ist. Kinder mit keinen oder wenig Deutschkenntnissen, die eine Spielgruppe mit Deutschförderung besucht haben, treten mit einem deutlich kleineren sprachlichen Rückstand in den Kindergarten ein.

Oensingen und Grenchen als Vorbild

Wäre das Modell der obligatorischen frühen Deutschförderung auch etwas für den Kanton Solothurn? Das will die Regierung nun herausfinden. Das Amt für soziale Sicherheit und das Volksschulamt starten 2017 ein zweijähriges Pilotprojekt.

Viel lässt sich zu diesem Projekt noch nicht sagen. Klar scheint erst, dass es nicht im ganzen Kanton stattfinden wird, sondern in ausgewählten Gemeinden. Bildungsdirektor Remo Ankli sagt zu Radio SRF: «Es sollten Gemeinden sein, die jetzt schon in diesem Bereich der Frühförderung Deutsch tätig sind, dann kann man nämlich auf bestehendem Wissen aufbauen».

Tatsächlich gibt es bereits einige Solothurner Gemeinden, die kleinen Kindern Deutsch vor der Einschulung beibringen. Oensingen beispielsweise kennt eine spezielle Spielgruppe, Grenchen und Zuchwil haben Vor-Kindergärten eingeführt.

Wer zahlt?

Dass der Kanton nun ein Pilotprojekt lanciert, geht auf einen politischen Vorstoss der FDP zurück. Dieser wurde am Dienstag im Kantonsrat diskutiert. Die Debatte zeigte: Die Geister scheiden sich weniger an der Frage des Obligatoriums, als vielmehr an der Frage der Finanzierung.

Wenn fremdsprachige Kinder schon vor dem Kindergarten zwingend Spielgruppen oder Kindertagesstätten besuchen sollen, wer bezahlt diese zusätzlichen Angebote und das dafür nötige Personal? In dieser Frage sind sich die linke und rechte Ratshälfte gar nicht einig.

Der typische Links-Rechts-Konflikt

SVP und FDP sind dezidiert der Meinung, dass die Eltern mindestens mitbezahlen sollen, wenn ihr Kind eine Deutsch-Ausbildung vor dem Kindergarten benötigt. «Das ist im Sinn einer Integration als Bringschuld und auch aus Sicht der Kantonsfinanzen gegeben», meinte SVP-Kantonsrat Roberto Conti in der Debatte.

«Obligatorisch erklären und die ganze Verantwortung den Eltern überlassen ist zynisch», konterte Barbara Wyss Flück von den Grünen. Und für die Mittepartei CVP ist klar: Eine Kostenpflicht wird scheitern. Eltern von Kindern, die kein Deutsch können, fehle es häufig am nötigen Geld, monierte CVP-Sprecherin Tamara Mühlemann Vescovi.

Falls das Pilotprojekt zeigen sollte, dass der Kanton die zusätzlichen Angebote bezahlen soll, hätte er denn überhaupt das nötige Geld? FDP-Bildungsdirektor Remo Ankli antwortet auf die Frage von Radio SRF folgendermassen: «Die Sprache ist ein absoluter Schlüssel für die schulische Karriere eines Kindes. Vermutlich kostet eine Schulkarriere, die nicht funktioniert, auch Geld.»