Kantonsspital und Hirslanden Aarau: Gemeinsames Herz-Zentrum

Die beiden Spitäler arbeiten künftig in der Herzmedizin zusammen. Sie haben einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Damit vermeiden die Kliniken einen Konkurrenzkampf, der sich bereits abgezeichnet hatte.

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Bildlegende: Er hat das Kantonsspital unter Druck gesetzt: Herzchirurg Thierry Carrel arbeitet künftig für die Hirslanden in Aarau. Keystone

Das öffentliche Kantonsspital Aarau (KSA) und die private Hirslanden Klinik Aarau gehen bei der Herzmedizin eine enge Kooperation ein. Darauf haben sich die beiden Spitalleitungen geeinigt. Das KSA setzt auf die Kardiologie und die Hirslanden Klinik auf die Herzchirurgie.

Das Projekt sei von grosser Tragweite für das Schweizer Mittelland, hiess es am Donnerstag in Aarau an einer gemeinsamen Medienkonferenz der Spitalleitungen. Für eine moderne Herzmedizin sei eine enge Zusammenarbeit von Kardiologie und Herzchirurgie notwendig. Das garantiere für die Patienten eine hohe Qualität. Die beiden Häuser wollen ab dem 1. Mai bei der Herzmedizin operativ zusammenarbeiten.

Inselspital-Herzchirurgen in Aarau tätig

Chirurgen operieren an einem Herz (Symbolbild). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Kantonsspital Aarau springt über seinen Schatten: Es will kein Zentrum für Herz-Chirurgie mehr im eigenen Haus. Keystone

Die enge Kooperation zwischen einem öffentlichen und einem privaten Spital sei kein Widerspruch, hiess es weiter. Wichtig sei, dass ein gemeinsames Verständnis über Qualität und Versorgungssicherheit bestehe. Auf den anderen Fachgebieten als der Herzmedizin bestehe weiterhin eine Konkurrenz.

Bei der Herzchirurgie hatte die Hirslanden Klinik das Kantonsspital unter Zugzwang gesetzt. Das Privatspital kündigte im November an, mit der Herzchirurgie im Unispital Bern zusammenzuarbeiten. Die Spezialisten Thierry Carrel und Lars Englberger führen ab Mai die Herzchirurgie im Privatspital in Aarau. Beide Chirurgen arbeiten weiterhin im Inselspital Bern.

Kantonsspital will auf Herzchirurgie verzichten

Das KSA hatte sich auf der kantonalen Spitalliste 2015 für den Leistungsauftrag Herzchirurgie bewerben wollen. Wenn die Kooperation mit der Hirslanden Klinik zum Tragen komme, verzichte man auf die Bewerbung, sagte KSA-Direktor Hans Leuenberger vor den Medien. «Die Zusammenarbeit ist wesentlich dadurch zu Stande gekommen, dass die Hirslanden Klinik, Herzchirurgen auf universitärem Niveau gewinnen konnte, uns ging es nicht ausschliesslich um Thierry Carrel», sagt Leuenberger gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF.

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Keine Spitzenmedizin

Spitzenmedizinische Eingriffe wie zum Beispiel Herz-Transplantationen werden auch in Zukunft nicht im Aargau durchgeführt. Solche Eingriffe gibt es aktuell nur in Bern, Zürich und Lausanne. Auf Bundesebene streiten sich die Standorte darum, wer in Zukunft solche Eingriffe noch durchführen darf.

Die Kooperation der ungleichen Partner ist mit dem Kanton abgesprochen. Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli (Grüne) wies bislang mehrfach darauf hin, dass der Aargau Gefahr laufe, im Standortwettbewerb um die Spitzenmedizin zu verlieren. Hochuli sprach sich für mehr Kooperation zwischen den Leistungsanbietern aus.

Kooperation soll auch Kosten sparen

Die Leitungen der beiden Kliniken machten klar, dass möglichst viele Patienten aus dem Kanton in Aarau versorgt werden sollten. Bei einer Behandlung im Kanton seien die Kosten für den Staat und die Versicherer tendenziell tiefer als bei ausserkantonaler Betreuung.

Das KSA arbeitet bei der Herzchirurgie seit Jahren schwergewichtig mit dem Unispital Basel und weiteren ausserkantonalen Universitätskliniken zusammen. Hirslanden-Direktor Philipp Keller sagt auf Anfrage: «Wir erhoffen uns nun einen Patientenzuwachs».

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