Keine grosse Änderung in der Einsiedelei in der Verenaschlucht

Nicht einmal zwei Jahre lang hat es die letzte Einsiedlerin in der Verenaschlucht ausgehalten. Der Rummel um den Kraftort und die Hauswarts-Arbeiten waren ihr zu viel. Die Bürgergemeinde Solothurn, welcher die Klause gehört, hat nun das Konzept überprüft. Dabei gab es aber nur geringe Anpassungen.

Blick auf ein kleines Häuschen mit eingezäuntem Garten vor Felswand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die letzte Einsiedlerin hat die Verenaschlucht nach kürzerer Zeit wieder verlassen. Sie störte sich am Job-Profil. SRF

Die Verenaschlucht bei Solothurn ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und ein spiritueller Ort. Auch in Zukunft soll dort nur eine Person angestellt sein - die Einsiedlerin oder der Einsiedler. Dies hat der Bürgerrat am Montagabend entschieden. Geprüft worden waren auch andere Varianten - dies, weil die zwei letzten Einsiedlerinnen bereits nach kurzer Zeit wieder kündigten.

Schwester Benedikta, die letzte Einsiedlerin in der Schlucht, sah ihre Aufgabe ganz klar im Spirituellen. In der Schlucht fallen jedoch auch viele Hauswartsarbeiten an. Taufen, Trauungen, Touristen betreuen, Kapelle pflegen – ein nicht ganz ruhiger Arbeitsalltag also.

Ein Teil dieser Arbeiten wurden Benedikta zwar mit der Zeit abgenommen, dennoch entschloss sich diese Anfang des Jahres zum Auszug. Es herrschte ihr zu viel Trubel in der Schlucht. Seither ist die Klause nicht besetzt.

Die Bürgergemeinde Solothurn verzichtete auf eine Ausschreibung der Stelle. Man wollte die Situation in der Einsiedelei St. Verena grundsätzlich überdenken und ein neues Konzept ausarbeiten, hiess es im März. Nun konnte der Bürgerrat am Montag über die Reorganisation entscheiden und ein neues Konzept genehmigen. Zur Auswahl standen drei Varianten:

Drei Varianten für die Verenaschlucht


Auslagerung aller Aufgaben. Kein Eremit mehr in der Schlucht
Eremit mit christlichem Hintergrund und Fokus auf Hauswartsarbeit
Entflechtung kirchlicher und weltlicher Aufgaben. Zwei Personen.
Vorteile- Technischer Ablauf gewährleistet
- Öffnung Kapelle gewährleistet
- Genügend Bewerber

- Klause ganzjährig besetzt und kontrolliert
- Ansprechperson vor Ort
- Effektiver Kommunikationsweg Eremit / Verwaltung
- Bürgergemeinde und Einsiedelei behalten gutes Image
- Religiöser Charakter der Einsiedelei wird hervorgehoben
- Klause ganzjährig besetzt und kontrolliert
- Ansprechperson vor Ort
Nachteile- Einsiedelei nicht durchgängig besetzt
- Keine Ansprechperson vor Ort
- Klause bleibt leer, muss aber dennoch in Schuss gehalten werden
- Kreis möglicher Anwärter begrenzt
- Auswahlverfahren risikoreich
- Betreuung von Anlässen muss separat geregelt werden
- Zwei Personen in Einsiedelei tätig, die harmonieren müssen
- Zwei Kommunikations-Spuren
- Höherere Personalkosten
Kosten- 31'200 Franken plus Spesen und Mehraufwand z.B. von Forstbetrieb
- 35'400 Franken
- 35'400 Franken Lohn Eremit
- 19'700 Franken Lohn Hauswart

Der Bürgerrat entschied sich am Montagabend für die Variante mit dem Eremiten mit Hauswarts-Funktion. Die Einsiedelei sei kein Ort der Ruhe und Stille im herkömmlichen Sinne. Es gehe vielmehr «um die Pflege des kulturhistorischen Kleinods mit christlicher Tradition.» In ihrem Antrag hält die zuständige «Arbeitsgruppe Einsiedelei» weiter fest, dass die Hauptaufgabe «in der Kontinuität der Tradition einer bewohnten Klause liege.»

Pflichtenheft angepasst

Angepasst wurde das Pflichtenheft: Der neue Eremit soll Seelsorge und Beratung nicht als seine Kernaufgabe auffassen und sich als Angestellter der Bürgergemeinde Solothurn verstehen.

Bis Mitte Juni soll ein neuer Einsiedler gefunden sein, welcher seine Stelle im Juli antritt.