Kinder machen für Kinder den Clown auf Schloss Waldegg

Einmal im Jahr stellen Werner Panzer und Martina Mercatali auf dem Schloss Waldegg eine Zeltbühne auf und bieten Schülern die Möglichkeit, Theaterstücke vor anderen Schülern aufzuführen. Das Theaterspielen ist ein wichtiger Bestandteil der Erziehung und gehört in den Schulalltag, findet Panzer.

Vier Kinder in verschiedenen Verkleidungen auf der Bühne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Schulklasse aus Bätterkingen spielt ein wildes Stück über einen verletzten Papagei. SRF

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Die Initianten

Werner Panzer und Martina Mercatali

SRF

Werner Panzer ist 67 Jahre alt und Gründer der Schultheater-Woche. Er leitet dieses Projekt, zusammen mit Martina Mercatali als Co-Leiterin. Panzer hat an den Stadttheatern Biel-Solothurn, Luzern und St. Gallen gespielt, unterem die Titelrolle in «Richard III.» Heute ist Werner Panzer  freischaffender Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge.

«Können Sie bitte sofort kommen, mein Papagei ist erschossen worden.» Der 10jährige Gaetano ruft nervös in sein Telefon, während er auf der Zeltbühne der Solothurner Schultheater-Woche steht.

Gaetano gehört zu einer Schulklasse aus Bätterkinden, die am Montagmorgen ihre eingeübten Stücke zum Besten gibt. Im Publikum sitzen mehrere Schulklassen aus den Kantonen Solothurn und Bern. Sie sehen interessiert zu, wie Gaetano in seinem zu grossen Anzug und mit dem aufgemalten Schnurrbart um seinen Papageien bangt.

Schultheater seit 1992

Seit 20 Jahren stehen Schüler auf der Zeltbühne der Solothurner Schultheater-Woche und zeigen ihr Können. Hinter diesem Projekt steht Werner Panzer. Früher hat er in Stücken von Max Frisch, Franz Hohler oder Shakespeare gespielt.

Heute kümmert er sich um den Nachwuchs. 1992 gründete er die Schultheater-Woche und führte im folgenden Jahr erstmals eine solche Woche durch.

Das Projekt funktioniert folgendermassen: Lehrer können ihre Klasse anmelden und – wenn sie wollen – einen Theaterpädagogen anfordern. Dieser oder die Lehrperson übt dann ein Theaterstück ein, welches im Juni auf der Zeltbühne gezeigt wird. Das Publikum besteht häufig aus anderen Schulkassen und ihren Lehrern.

Es fehlt die Zeit für Theater im Unterricht

«Früher herschte grosser Andrang, sowohl für das Theaterspielen wie auch für den Besuch der Vorstellungen.» Mittlerweile sei es für die Lehrer nicht mehr so einfach, Stunden frei zu schaufeln für das Theater.

Trotzdem: Seit der Gründung haben 30‘000 Kinder mit ihren Lehrern Vorstellungen im Zelt angeschaut. Hinzu kommen rund 8000 Kinder jeder Altersstufe, welche in der Schule Theaterstücke oder kleine Sketche eingeübt und anschliessend aufgeführt haben.

Panzer und die Co-Leiterin Martina Mercatali sehen darin auch eine Form der Erziehung. «Hier kann auch das kleine stille Mädchen zeigen, was es kann. Und manchmal kommt es auch vor, dass der Klassenclown plötzlich eine Rolle spielt, die ihn kleinlaut werden lässt», erklärt Mercatali.

Die Vorstellungen dauern noch bis am Freitag. Die Aufführungen auf Schloss Waldegg sind öffentlich. Das detaillierte Programm ist im Internet zu finden (siehe Box).