Kinderwunsch-Klinik löst sich von Kantonsspital Baden

Das Kantonsspital Baden lagert seine Fortpflanzungsmedizin an eine eigene Firma aus. Die Kinderwunsch Baden AG eröffnet Mitte 2014 neue Praxisräume im Täfernhof in Baden-Dättwil. Damit will sich die Kinderwunsch-Klinik den neuen Bedürfnissen anpassen und konkurrenzfähig bleiben.

Gebäudekomplex Täfernhof mit Namensschildern der bisherigen Mieter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Ärztezentrum Täfernhof unweit des Kantonsspitals entstehen neue Praxisräume für die Kinderwunsch Baden AG. SRF

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Fortpflanzungsmedizin

Das Kantonsspital Baden bietet unter anderem Therapien an für Frauen mit gestörter Eileiter-Funktion oder für Männer mit Fertilitätsstörungen. Mögliche Behandlungen sind zum Beispiel die In-Vitro-Fertilisation (Befruchtung der Eizellen im Labor) oder Insemination.

Professor Michael K. Hohl ist ein Pionier im Bereich der künstlichen Befruchtung: Bereits seit 1982 hilft er am Kantonsspital Baden kinderlosen Paaren, ihren Wunsch nach eigenem Nachwuchs zu erfüllen. Das Kinderwunsch-Zentrum am Kantonsspital ist national bekannt und etabliert. Nun aber soll es sich vom Kantonsspital lösen.

Der Bereich der künstlichen Fortpflanzung wird in eine eigene Tochterfirma ausgelagert, es entsteht die Kinderwunsch Baden AG. Sie eröffnet neue Praxisräume im Täfernhof in Baden-Dättwil, in unmittelbarer Nähe zum Kantonsspital. Professor Michael Hohl wird die neue Firma aufbauen, er gibt im Februar sein Amt als Chefarzt Frauen und Kinder am Kantonsspital ab.

Mehr Hightech und mehr Diskretion

Hohl nennt gegenüber Radio SRF zwei Gründe für den Entscheid: Erstens seien für die Fortpflanzungsmedizin neue Labors notwendig. «Embrionen sind sehr heikel, es braucht deshalb höhere Qualitätsstandards, sogenannte clean-lab-Technik», erklärt der Chefarzt im Regionaljournal am Montag. Solche neuen Labors hätten im Kantonsspital schlicht keinen Platz. Dazu kommt: «Die hohen Investitionen würden sich nicht rechnen.» Denn in zehn bis zwölf Jahren dürfte das Kantonsspital sowieso einem Neubau weichen.

Als zweiter Grund nennt Michael Hohl die Patientenbedürfnisse. «Der Kinderwunsch ist eine sehr private und persönliche Angelegenheit. Die Patienten möchten Diskretion, diese ist im Rahmen eines Akutspitals kaum zu gewährleisten.» Deshalb verbinde man in den neuen Praxisräumen «Hightech und Privacy», wie Hohl es formuliert.

Chirurgische Eingriffe weiterhin im Kantonsspital

Eine Laborantin legt eine Pailette in eine Box. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine befruchtete Eizelle wird transportfähig gemacht: Die In-Vitro-Fertilisation ist ein Fachgebiet der neuen Firma. Keystone

Damit will sich das Kinderwunsch-Zentrum natürlich auch für die Zukunft wappnen. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Mit dem unerfüllten Kinderwunsch vieler Paare lässt sich gutes Geld verdienen. Dieses Geschäft will das Kantonsspital Baden als Miteigentümerin der neuen Firma Kinderwunsch AG natürlich nicht kampflos der Konkurrenz überlassen.

Die Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital bleibe wichtig, erklärt Michael Hohl weiter. «Chirurgische Eingriffe werden weiterhin in den Operationssälen des KSB gemacht, und auch die Ausbildung der Ärzte im Bereich der Fortpflanzungsmedizin koordinieren wir weiterhin mit der Frauenklinik des Kantonsspitals.»

Das Kantonsspital Baden bleibt also ein wichtiges Zentrum der Fortpflanzungsmedizin, auch wenn das Kinderwunsch-Zentrum selber nicht mehr im Spitalgebäude liegt.