Konkurrenz-Spitäler Hirslanden und Kantonsspital spannen zusammen

Das Kantonsspital Aarau und die private Hirslanden-Klinik in Aarau arbeiten im Bereich Gefässchirurgie seit dem 1. November zusammen. Trotz Konkurrenz-Situation soll diese Zusammenarbeit erst der Anfang sein.

Hirslanden-Klinik im Vordergrund, im Hintergrund das Kantonsspital Aarau (Montage). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Hirslanden-Klinik und das Kantonsspital Aarau unterstützen sich gegenseitig bei Notfällen und Operationen. Keystone/SRF

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Gefässchirurgie

Dieser medizinische Fachbereich befasst sich mit Eingriffen bei Blutgefässen (Arterien, Venen). Unter anderem werden häufig Bypass-Operationen (Auflösung von Engstellen) durchgeführt und sogenannte Aneurysmen (Arterienerweiterung) behandelt.

Die Ärzte von Hirslanden und Kantonsspital vertreten sich gegenseitig bei Ferienabwesenheiten, sie sichern gegenseitig Notfalldienste. Zusätzlich sollen sich die Ärzte bei komplizierten Operationen gegenseitig beraten, sogar ein Austausch von Assistenzärzten für solche Operationen ist vorgesehen.

Die beiden Spitäler wollten mit dieser Zusammenarbeit trotz Konkurrenz «ein Zeichen setzen», wie es in einer gemeinsamen Medienmitteilung vom Freitag heisst. Eine Kooperation im Bereich Gefässchirurgie mache Sinn: Durch die Zusammenarbeit werde eine «optimale und qualitativ hochwertige Betreuung der Patienten beider Spitäler» sichergestellt.

Die Zusammenarbeit in der Gefässchirurgie habe «Pilotcharakter», heisst es weiter. Die beiden Spitäler möchten die Zusammenarbeit künftig aber auch auf andere Disziplinen ausweiten. Man wolle beweisen, dass die Konkurrenten nicht «in den Schützengräben liegen» und sich bekämpfen.

Hintergrund der Kooperation ist der Kampf um Patienten. Diese können heutzutage frei wählen, in welches Spital sie gehen. Natürlich bevorzugen sie die «besten» Häuser, also jene, die die besten Spezialisten und das grösste Knowhow haben in einem medizinischen Fachgebiet. «Wir können den Kanton Aargau so besser positionieren», sagt Philipp Keller, Direktor der Hirslanden Klinik. «Wir wollen den Patienten die Möglichkeit geben, die Behandlung im Aargau zu erhalten.»

In der Gefässchirurgie muss es häufig sehr schnell gehen, sonst verbluten die Patienten. Deshalb muss ein Spital in diesem Bereich einen Notfalldienst aufrechterhalten. Gemeinsam geht dies besser, durch die Zusammenarbeit können das KSA und die Hirslanden-Klinik Synergien nutzen.

Und wenn sich die Chirurgen bei Operationen gegenseitig assistieren können, haben sie mehr Praxiserfahrung. Hans Leuenberger, CEO des Kantonsspitals Aarau: «Wir sind Konkurrenten und bleiben das auch. Wir sehen aber Felder von Zusammenarbeit, die für beide von Vorteil sind. Wir sind gezwungen, die Kräfte zu bündeln.»