Krebsensuppe zu Ehren der Gefallenen von Dornach

Am Sonntag feiert die Bruderschaft Sanctae Margarithae in Solothurn ihre Chilbi. Die Feier ist keine Chilbi mit Karussell und Zuckerwatte, sondern ein Fest zu Ehren der Gefallenen von Dornach.

Aufstellung für den Chilbi-Umzug. Männer in historischen Umzügen mit Kindern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bruderschaft (inkl. Nachwuchs) stellt sich auf für den Chilbi-Umzug (Aufnahme 2006). Familie Wirz

Die Solothurner Altstadt war einst der Ort der «Mehrbesseren». Verächtlich bezeichnete die gehobene Gesellschaft aus der «mehreren» Stadt die Vorstadt auf der anderen Seite der Aare als «mindere» Stadt. Alles, was in der Altstadt nicht willkommen war, wurde in die Vorstadt abgeschoben. So das Gefängnis, das Schlachthaus, das Siechenhaus und der ganze Verkehr.

Franz Gamper Portrait Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Franz Gamper, Obmann Bruderschaft Sanctae Margarithae. SRF

Vor rund 500 Jahren haben die Vorstädter einen Quartierverein, die Bruderschaft Sanctae Margarithae, gegründet und sich zur Wehr gesetzt. Seither stellen die Vorstädter ihr Selbstbewusstsein jedes Jahr an der Vorstädter-Chilbi zur Schau. An der Chilbi wird jedoch nicht nur gefeiert, sondern auch der Gefallenen der Schlacht bei Dornach von 1499 gedacht.

Tanzen bis zur Mitte der Brücke

Die Feierlichkeiten beginnen am Sonntagmorgen um 6 Uhr mit 11 Kanonenschüssen. Es folgen ein Ständchen der Stadtmusik Concordia und ein Gottesdienst. Um 12 Uhr findet das traditionelle Bruderschaftsmahl statt. Bevor gegessen werden dürfe, erfolge die Pfannenprobe durch den Vorstand, so Franz Gamper, Obmann der Bruderschaft Sanctae Margaritae:«Wir prüfen, ob die der Festwirt genug Krebse in die Suppe getan hat.» Bisher habe der Festwirt die Probe noch immer überstanden.

Anschliessend ans Bruderschaftsmahl wird der Vortanz an den Meistbietenden versteigert. Gemeinsam ziehen die Vorstädter tanzend und feiernd durch die Strassen. Auch auf den Brücken werde getanzt, aber nur bis in die Hälfte, so Gamper: «Wir sagen ganz klar, das gehört uns und die mehrere Stadt hat an diesem Tag bei uns nichts zu suchen.»

Saure Lebern und Kutteln

Am Montag gehen die Feierlichkeiten der Vorstädter weiter mit der «sure Lebere», der jährlichen Generalversammlung. Der Name komme nicht von ungefähr, erklärt Gamper: «Vor der Generalversammlung gibt es Lebern und Kutteln.» Wem das nicht schmecke, der müsse sich anderweitig verpflegen, eine Alternative werde nicht serviert. Im Gegensatz zur feierlichen Chilbi, sei die «suri Lebere» eher ein lockerer, lustiger Anlass. Schlips und Kragen werden zu Hause gelassen.

Der Tanz der Vorstädter am Sonntag ist ein feierlicher Umzug durch die Vorstadt. Die Vorstadtchilbi ist keine klassische Chilbi mit Ständen und Karussell. Die Generalversammlung am Sonntag findet im geschlossenen Kreise statt.