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Martin Heiz Seit 30 Jahren Gemeindeamman von Reinach

1988 war Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten, Michail Gorbatschov stand an der Spitze der Sowjetunion und Martin Heiz war Gemeindeammann von Reinach. Heute sind Reagan und Gorbatschov längst im Ruhestand. Doch Martin Heiz ist noch immer Gemeindeammann von Reinach.

Portraitbild von Martin heiz
Legende: Martin Heiz Gmeindeammann von Reinach seit 1988 Alex Moser/SRF

SRF: Martin Heiz, Sie sind seit 30 Jahren Gemeindeammann von Reinach. Sind Sie ein Sesselkleber?
Martin Heiz: Ich wäre mir dessen zumindest nicht bewusst. Doch wenn ich wieder zurück in meinem Büro bin, werde ich mal sehen, ob ich eine Leimtube finde.

Sie sind seit 1988 Gemeindeammann. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie 2018 noch immer im Amt sind?
Nein, das habe ich mir damals wirklich nicht gedacht. Aber es hat sich halt so entwickelt.

Erinnern Sie sich noch an ihre erste Amtshandlung als Gemeindeamman von Reinach?
Nein, das weiss ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch genau daran, dass ich wie die Jungfrau zum Kind überhaupt auf die Idee gekommen bin, als Gemeindeammann zu kandidieren. Ich war damals Grossrat, bei einer Sitzung kam der ehemalige Aargauer Justizdirektor Viktor Rickenbach auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich schon davon gehört hätte, dass der Ammann von Reinach zurücktritt. Er fragte mich «wirst Du Ammann?». Und ich habe ihn angesehen wie von einem anderen Stern.

Was haben Sie geantwortet?
Ich habe gesagt, dass ich mir das überlegen muss. Dann habe ich mit dem ehemaligen Ammann gesprochen, eines fügte sich zum andern und schliesslich bin ich angetreten.

Gab es in den vergangenen 30 Jahren Momente, in denen Sie diesen Entscheid bereut haben?
Bereut habe ich es eigentlich nie. Aber ich musste manchmal auf die Zähne beissen. Für die geplante Fusion von Reinach, Menizken, Burg und Pfeffikon (LU) haben wir sehr hart gearbeitet. Es war bitter als diese Fusion ins Wasser fiel.

Die gescheiterte Fusion ist ein Beispiel dafür: Sie haben bei Ihrer Arbeit jeweils über die Gemeindegrenzen hinaus geschaut.
Für mich ist das regionale Denken in der Politik sehr wichtig. Es kommt in unserem Gebiet nicht drauf an ob man in Reinach oder in Menziken lebt. Wenn es der Region gut geht, geht es allen gut. Man könnte in sehr vielen Bereichen enger zusammenarbeiten, da gibt es noch viel Potential.

Sie betonen immer wieder, wie gut die Verwaltung in ihrer Gemeinde arbeitet. Wie wichtig ist die Verwaltung bei der Realisierung von regionalen Projekten?
Wir besprechen solche Dinge jeweils im Vorfeld. Ein geflügeltes Wort von mir lautet, «ihr arbeitet für mich, doch ich halte am Schluss den Kopf hin».

Wann mussten Sie konkret den Kopf hinhalten?
Als die Fusion geplatzt ist hat mich das persönlich getroffen. Aber solche Dinge muss man abhaken und wieder von vorne anfangen. Ich gehe in solchen Situationen auf einen Spaziergang auf den Stierenberg und frage mich, ob ich etwas hätte besser machen können.

Und was hätten Sie bei der geplatzten Fusion besser machen können?
Heute ist die Ausgangslage anders. Wir haben damals die finanziellen Auswirkungen unterschätze, wenn wir das anders beurteilt hätten, dann wäre es auch anders herausgekommen.

Das wirkt fast so, als hätten Sie das Projekt noch nicht ganz abgehakt.
Da irren Sie sich. Ich habe die Fusion abgehakt, aber irgendjemand wird dieses Projekt wieder in Angriff nehmen müssen. Denn die Strukturen die wir heute haben werden wir uns in naher Zukunft nicht mehr leisten können.

Die Fusion ist gescheitert, es gibt aber andere überregionale Projekte, die in ihrer Amtszeit realisiert wurden. Wie zum Beispiel die Regionalpolizei. Sind sie darauf stolz?
Ja. Wir waren damals die ersten, die einen gemeinsamen Polizeiposten mit der Kantonspolizei eingeführt hatten. Wir haben gemeinsam mit dem Kanton eine pragmatische Lösung gesucht – genau so sollte man das machen.

In ihrer Amtszeit ist Reinach um rund 1700 auf 8300 Bewohner gewachsen. Wie steht es um die Arbeitsplätze für die Bewohner von Reinach?
Die Arbeitsplätze sind unser grosses Problem. Wir haben einige Industriebetriebe die nach wie vor perfekt funktionieren, doch wir haben auch einige andere, denen es nicht so gut geht. Die Zigarrenfabriken, das ganze «Stumpenland», das gibt es schlicht und einfach nicht mehr.

Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, dass Sie es lieber hätten, wenn man in Reinach eine Fabrik statt Wohnungen bauen würde. Werden Sie in Ihrer Amtszeit die Ansiedlung einer neuen Fabrik noch erleben?
Selbstverständlich. Wir arbeiten daran. Wir haben noch freie Industrieflächen, wir haben noch Steuererleichterungen vom Bund, die wir anbieten können. Ich warte nur noch auf den richtigen Telefonanruf im richtigen Moment. Es gab einmal ein Projekt einer Pharma-Firma, doch nachdem die Baubewilligung erteilt wurde, scheiterte das Projekt an den Finanzen. Da hat die Gemeinde Reinach bewiesen, dass Sie innert wenigen Monaten bereit wäre, ein solches Projekt zu realisieren.

Trotzdem ist das Projekt gescheitert. Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass es beim nächsten Mal klappt?
Weil bei uns die Rahmenbedingungen stimmen.

Was möchten Sie in der kommenden Legislatur als Ammann noch erreichen?
Bei uns ist eigentlich eine gewaltige Renovation des ganzen Dorfes im Gang. Wir bauen gerade den letzten Kreisel an der Hauptstrasse. Die Gemeinde hat zusätzlich historische Gebäude gekauft und wir wollen im Oberdorf ein richtiges Dorfzentrum machen. Daran liegt mir viel, das will ich noch fertig machen.

Treten Sie in vier Jahren noch einmal an?
Das müssen Sie mich in dreieinhalb Jahren noch einmal fragen.

Das heisst, Sie schliessen eine weitere Kandidatur im Alter von 71 Jahren zumindest nicht aus?
Man sollte im Leben gar nichts ausschliessen. Ich schliesse auch nicht aus, dass ich vielleicht in einem Jahr sage: Das war's.

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