Zum Inhalt springen
Inhalt

Aargau Solothurn Mümliswil wird zur Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder

Am Samstag wird im ehemaligen Kinderheim von Mümliswil die nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder eröffnet. Der Zuger Millionär Guido Fluri hat früher selbst im Heim gelebt, hat es gekauft, und will nun erreichen, dass das dunkle Kapitel der Schweizer Geschichte nicht vergessen geht.

Legende: Audio Interview mit Guido Fluri (Marco Jaggi, 27.05.13) abspielen. Laufzeit 06:12 Minuten.
06:12 min

Erst im April 2013 hat sich der Bundesrat bei den ehemaligen Verdingkindern für das begangene menschliche Unrecht entschuldigt. Justizministerin Simonetta Sommaruga bezeichnete im Namen der Schweizer Regierung den früheren Umgang mit Verdingkindern als eine Verletzung der Menschenwürde, die nicht mehr gutzumachen sei.

Die späte Entschuldigung zeigt, wie schwer sich die Schweiz mit diesem dunklen Kapitel ihrer Geschichte immer noch tut. Erst seit einigen Jahren wird das Schicksal der Heim- und Verdingkinder nicht mehr tabuisiert. Unter anderem hat es der Film «Der Verdingbub» 2011 aufgegriffen. 

«Es war die Hölle in Mümliswil»

Bis in die 1960er Jahre haben die Schweizer Behörden zehntausende Kinder ihren Eltern entrissen und verdingt. Sie wurden etwa an Bauernfamilien übergeben, wo sie wie Knechte arbeiten mussten. Sie wurden zum Teil geschlagen, misshandelt, mussten im Stall schlafen, hatten Hunger. Viele der ehemaligen Verdingkinder leiden bis heute.

Andere wurden in Kinderheime gesteckt, wo es ihnen aber nicht besser erging. Auf www.kinderheime-schweiz.ch berichtet jemand über seine Kindheit im Kinderheim Mümliswil: «Auch ich war im Heim in Mümliswil. Es war die Hölle. Schläge mit dem Holzpantoffel. Strafen wie z.B. Einsperren im Keller, auch nachts. Zwangs-Haare-Schneiden, und statt Aufgaben machen Spazieren über den Passwang. Ich war 12 Jahre».

Vom Heimkind zum Millionär

Guido Fluri
Legende: Guido Fluri macht das ehemalige Kinderheim in Mümliswil zur Gedenkstätte für Heimkinder. SRF

Das Internetforum Kinderheime-schweiz.ch ist ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Fluri selber verbrachte als Kind ebenfalls eine Zeitlang im Kinderheim Mümliswil. Er war im solothurnischen Thal als uneheliches Kind einer 17-jährigen Serviertochter geboren worden.

Heute ist Guido Fluri schwerreicher Unternehmer und leitet vom Kanton Zug aus seine Stiftung, die Gutes tut. «Es ist Teil meiner Therapie», sagt Fluri im Interview, der nicht näher auf seiner Erlebnisse im Kinderheim Mümliswil eingehen will.

Mahnmal gegen das Vergessen

Am Samstag eröffnet Guido Fluri nun in Mümliswil eine Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder. Er hat das 1973 geschlossene Kinderheim gekauft und umbauen lassen. Es präsentiert sich zum einen als Museum, als Wissensplattform, als Bibliothek, als Begegnungsort für Betroffene. Auf der anderen Seite stehen 28 Betten zur Verfügung, beispielsweise für Schulkassen, welche sich mit dem Thema Heim- und Verdingkinder auseinandersetzen.

Die Guido-Fluri-Stiftung bietet Interessierten Übernachtung und Verpflegung gratis an. Drei Personen werden in der Gedenkstätte in Mümliswil ständig zum Rechten schauen. Rund 1 Million Franken habe er in dieses Projekt investiert, gibt Guido Fluri Auskunft. Sein Ziel: das dunkle Kapitel der Schweizer Geschichte darf nicht vergessen gehen.

Zur Person:

Guido Fluri (46) ist Unternehmer im Kanton Zug. Der Multi-Millionär ist verheiratet und hat 3 Kinder. Geboren wurde er im Solothurner Thal, als unehelicher Sohn einer 17-jährigen Serviertocher. Als Heimkind verbrachte er eine Zeitlang im Kinderheim Mümliswil, das er vor einigen Jahren gekauft hat, um eine Gedenkstätte daraus zu machen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von eugen stampfli, 9642 ebnat kappel
    ich war ein kind das durch behördliche zwangsmassnahme von meiner mutter entrissen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Guido Fluri Stiftung, Cham
    Lieber Herr Nebel Bitte kontaktieren Sie direkt unsere Stiftung: info@guido-fluri-stiftung.ch. Wir freuen uns über Ihre direkte Kontaktaufnahme. Freundliche Grüsse Antonia Bissig Assistentin des Stiftungsrates Guido Fluri Stiftung
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Ernst Nebel, Bad Zurzach
    Ich brauche ihre Hilfe den ich bin in 3 verschidenen heimen aufgewachsen und habe heute noch Schwiriekeiten in meienm Leben. Von 1945 bis 1947 Kinderheim Fraurüti Langenbrugg BL 1947 bis 1949 Albisbrunn Hausen a. Albis und von 4. 1951 bis 8.1953 Schillingsrain Liestal BL Meine Kindheim ist ein Fiasko und Leide heute noch darunter. Das einzige Dokument hat mir das Stats Archif in Zürich Kopirt, da sehe ich draus das ich Armengenössig in die Heime Musste. Ich brauche hielfe. Gruss Peter E.Nebel
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Peter Krzyzanowski, Bonn
      Verdingkinder Verdingkinder: Bis 12'000 Franken Soforthilfe Hol dir das Geld - es kann zwar nichts gutmachen aber es hilft dir vieleicht etwas. Ich war auch 10 Jahre in Heimen (BRD). Wenn du den Grund für die systematische Folter wissen willst, dann suche mich auf Facebook. Peter Krzyzanowski 11.5.1962 Du bist leider Opfer satanischer Rituale geworden - genau wie ich und Millionen anderer Schutzbefohlener. Alles Gute und Schalom Peter Krzyzanowski
      Ablehnen den Kommentar ablehnen