Nicole Geiger beweist: Dressurreiten geht auch mit Handicap

Die Aargauer Pferdenärrin hat sich trotz einer Lähmung lange mit den nicht behinderten Dressurreitern gemessen. Jetzt hat sie sich fürs Para-Dressurreiten entschieden. An den Paralympics in Rio will sie mit ihrem Pferd Phal de Lafayette eine Medaille holen.

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Bildlegende: Nicole Geiger reitet ihr Pferd Phal de Lafayette wegen einer Teillähmung des Arms mit einem speziellen Zügel. zvg / Caroline Schunk

Nicole Geiger (53) aus Zeiningen ist eine Pferdenärrin. Schon als Mädchen ist sie geritten. Mit 16 hat sie die Rennlizenz erworben, mit 18 die Trainerlizenz. Doch ein Sturz vom geliebten Pferd veränderte 1988 ihr Leben.

«Die vielen Wochen im Spital und die harten Reha-Monate brachten mich oft an meine Grenzen. Doch das Ziel, wieder in den Sattel zu kommen, stand fest und das gab mir die Kraft und den nötigen Durchhaltewillen», beschreibt Nicole Geiger die schwierige Zeit. Nach sechs Monaten sass sie wieder auf dem Pferd, mit dem sie den Unfall hatte.

Schweizer Premiere in Rio

Lange Zeit wollte Nicole Geiger ihr Handicap nicht in den Mittelpunkt stellen. Trotz Teillähmung der linken Seite und einer verminderten Sensibilität in den Füssen trat sie weiterhin bei den nicht behinderten Dressurreitern an.

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21 Schweizer Athleten

Neben Nicole Geiger (Zeiningen) nehmen noch 20 andere Schweizer an den Paralympics teil. Aus der Region sind Silvio Keller (Wallbach, Tischtennis) und Roger Bolliger (Bottenwil, Paracycling) dabei. Auch der Solothurner Heinz Frei reist nach Rio, gilt nach seinem Umzug nach Oberbipp aber neu offiziell als Berner.

Jetzt aber startet sie in Rio an den Paralympics und vertritt mit Celine van Till zusammen zum ersten Mal die Schweiz in der Disziplin «Para-Equestrian Dressage».

Spezial-Zügel für den gelähmten Arm

Parareiter können sowohl in Para- als auch in den Regelsport-Prüfungen teilnehmen. Die Aufgabenstellung und Benotung bleiben gleich.

«Das Zusammenspiel mit dem Pferd muss da sein. Und die Figuren müssen genau gleich exakt geritten werden, wenn man eine gute Note haben will», erläutert Nicole Geiger.

Parareiter haben jedoch die Möglichkeit, ihr Handicap mit einem Hilfsmittel zu kompensieren. Im Fall von Nicole Geiger ist das ein spezieller Zügel, der ihren teilgelähmten linken Arm unterstützt.

Ziel: Medaille

«Unsere Disziplin ist sehr jung und braucht noch viel Aufklärungsarbeit», betont Nicole Geiger. Mit ihrer Teilnahme in Rio will sie das Para-Dressurreiten bekannter machen.

Das ist aber nur das eine Ziel. Das andere Ziel der ehrgeizigen Sportlerin: Nicole Geiger will als Medaillengewinnerin nach Zeiningen zurückkehren.