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Pflegheim: Ein Mann kämpft um das Recht, seine demente Frau besuchen zu dürfen.
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 05.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:19 Minuten.
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Pflegeheime und Corona Der Kampf um den Besuch der dementen Ehefrau

Er hat bei den höchsten Stellen beim Bund und im Kanton Aargau interveniert, aber es nützte alles nichts. Urs Hässig blieb aussen vor. Er konnte seine Frau (70) in einem Aargauer Pflegeheim wegen der Corona-Massnahmen nicht sehen. Und ein Besuch getrennt durch Plexiglas wollte er ihr und sich nicht zumuten. Die Frau ist schwer dement und auf die Besuche ihres Mannes angewiesen. Hässig befürchtete, seine Frau würde sterben, ohne dass er sie noch einmal lebend gesehen hätte. Nun lockert der Kanton Aargauer aber die Regeln. Ab Samstag, 6. Juni, sind Besuche in den Zimmern von Pflegeeinrichtungen wieder möglich. Und die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen die Heime auch wieder verlassen. Im Gespräch mit SRF schildert Urs Hässig die schwierige Zeit.

SRF: Sie haben heute den Bescheid erhalten, dass Sie ihre Frau wieder besuchen können im Pflegeheim. Wie nehmen Sie das auf?

Urs Hässig: Fast euphorisch. Ich war wirklich tief unten in den letzten Tagen, weil ich das Gefühl hatte, ich würde meine Frau nicht mehr sehen. Jetzt, wo ich weiss, dass ich sie morgen Samstag wieder besuchen kann, bin ich natürlich überglücklich.

Es gibt ja heute auch andere Möglichkeiten, um Kontakt zu haben, zum Beispiel Videotelefonie. Warum ging das bei Ihnen nicht bzw. warum wäre das bei Ihrer dementen Frau gar nicht sinnvoll gewesen?

Das geht bei einerm Alzheimer-Patienten nicht, weder durch eine Plexiglasscheibe noch durch einen Drahtzaun. Diese Menschen verstehen nicht, was da läuft. Darum habe ich das gar nicht probiert. Für diese Menschen zählt nur der 1:1-Kontakt.

Aber genau das war ja eben nicht möglich. Wie war das für Sie in den letzten zweieinhalb Monaten?

Ich sah sie zuletzt am 16. März. Seither nur am Telefon. Das ist schlimm, fast nicht zum Aushalten. Ich selber bin ja auch Risikopatient und war eigentlich immer zu Hause, allein.

Sie haben dann vor einem Monat der Aargauer Regierung geschrieben. Schöpften Sie da Hoffnung?

Ich bin mir ziemlich verlassen vorgekommen. Ich hatte das Gefühl, ich sei der Einzige auf dieser Welt, der mit so einer Situation konfrontiert sei. Doch dann wurde das Thema im «10vor10» und im «Club» aufgegriffen. Auch das Personal im Pflegeheim hat gesagt, es verstehe mich, es sei eine schlimme Zeit.

Aber der Kanton ist auch in einem Dilemma. Bei allem Verständnis für Sie ist der Schutz der Risikogruppe ja zentral.

Das ist richtig. Im «Club» hat jemand gesagt, in den Gefängnissen habe man die Möglichkeit, die Gefangenen einzeln zu betreuen. Aber in den Heimen hiess es einfach «Laden dicht». Dass man für die Demenz-Patienten keine separate Lösung finden konnte, verstehe ich nicht. Stimme, Berührung, das ist wahnsinnig wichtig für diese Menschen.

Morgen sehen Sie nun Ihre Frau wieder. Wird sie Sie noch erkennen?

Ja, ich glaube es. Am Telefon sagt sie immer, «schön dass du bei mir bist». Ich sage dann, ich sei schon bei ihr, aber nur am Telefon. «Kommst du noch vorbei», fragt sie dann jeweils. Ich muss dann sagen nein, ich dürfe das noch nicht. Ich werde morgen einfach bei ihr im Zimmer sein. Wie das abläuft, weiss ich nicht.

Die Fragen stellte Mario Gutknecht

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Daniel Gion  (dgion)
    Diese Geschichte zeigt einmal mehr wie die Politiker und Bürokraten herzlos und ohne Sachverstand die Zeit ihrer "Macht" ausgenützt haben. Zu unfähig zu unflexibel und schlichtweg dumm wurde und wird alles stur und unfähig auf Spezialfälle alles durchgezogen. Gerade Menschen am Ende ihrer Lebenswegs möchte meist lieber 2 Wochen in Würde leben und Abschied nehmen als 6 Monate in Einzelhaft dahinvegetieren und dann einsam sterben.
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