Ausbildung für Flüchtlinge Pilotprojekt Integrationsvorlehre in der Region Baden

Flüchtlinge und ihre Ausbildner. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und Syrien freuen sich mit Berufsbildnern über den Abschluss der Integrationsvorlehre. SRF/Stefan Ulrich

Viele anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz und vorläufig aufgenommene Personen leben von der Sozialhilfe. Das verursacht hohe Kosten für die Allgemeinheit. Könnten diese Menschen arbeiten und Geld verdienen, müssten sie keine Sozialhilfe beziehen und würden auf eigenen Füssen stehen.

Doch die Hürden, um den Einstieg ins Berufsleben zu finden, sind hoch. Deutschkenntnisse fehlen, der schulische Rucksack ist häufig sehr klein und kulturelle Differenzen gibt es auch. Deshalb sollen nun so genannte Integrationsvorlehren als Vorstufe dienen, um später eine richtige Lehre zu machen. Der Bund spricht von diesem Instrument. Und der Kanton Solothurn will es auch einführen.

In der Region Baden gibt es diese Integrationsvorlehre schon. Am Montag schlossen neun Flüchtlinge, Männer aus Syrien, Eritrea und Somalia diese Vorlehre ab, bzw. sie unterzeichneten einen Vertrag für eine Berufslehre. Partner in diesem Projekt sind die sozialen Dienste der Gemeinden, das Lernwerk Turgi, der Kanton und Firmen aus der Baubranche.

Wie läuft die Integrationsvorlehre ab?

  • Die Sozialdienste der Gemeinde melden Personen, die sie geeignet halten, eine Integrationsvorlehre zu machen, dem Lernwerk Turgi. Zielgruppe sind erwachsene Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren. Kinderflüchtlinge, UMAs, gehören nicht dazu.
  • Das Lernwerk führt mit den Interessenten Vorstellungsgespräch und lässt sie tageweise in Betrieben schnuppern.
  • Wenn die Interessenten als geeignet angesehen werden, absolvieren sie beim Lernwerk Turgi einen dreimonatigen Arbeitseinsatz. Es geht darum, Sprachkenntnisse zu verbessern und den Kandidaten die Bedeutung der Berufslehre in der Schweiz zu erklären.
  • Ist der Arbeitseinsatz erfolgreich, können die Flüchtlinge ein mehrmonatiges Praktikum machen bei einer Firma (Baufirma, Spenglerei, Schreinerei, Gärtnerei).
  • Wenn der Betrieb mit der Leistung der Flüchtlinge zufrieden ist, bietet er ihnen eine Lehre an.

Es reicht für eine Anlehre

Am Montag schlossen in Baden mehrere Flüchtlinge die Integrationsvorlehre ab. Neun von ihnen unterzeichneten gleichzeitig einen Vertrag für eine Lehrstelle. Praktisch alle Männer machen eine Lehre als Praktiker, z. B. Abdichtungspraktiker, also eine so genannte Attest-Lehre.

«  Wenn man als Betrieb alles selber machen müsste, würde es schwierig. »

Björn Hintermann
Berufsbildner Spenglerei Schoop AG

Dieses eidgenössische Berufsattest (EBA) dauert zwei Jahre. Früher sprach man von Anlehre. Heute ist die Attest-Lehre gedacht für Lernende, die Mühe haben, dem Unterricht in der Berufsfachschule zu folgen. Eine «richtige» Lehre schliesst man mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. Sie dauert in der Regel drei oder sogar vier Jahre.

Aber für eine Lehre mit EFZ-Abschluss reiche es den von ihm betreuten Flüchtlingen noch nicht, sagt Björn Hintermann. Er ist Ausbildner bei der Spenglerei Schoop AG in Baden-Dättwil. Er hat ein Jahr lang zwei Flüchtlinge aus Eritrea betreut und sie befähigt, nun ein EBA als Abdichtungspraktiker zu machen.

Gute Erfahrungen mit den Flüchtlingen

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Bildlegende: Björn Hintermann, Berufsbildner bei der Spenglerei Schoop in Baden, fördert Flüchtlinge und hofft auf Berufsnachwuchs. SRF/Stefan Ulrich

«Unser Ziel ist aber nicht das EBA, nach den zwei Jahren, sondern, dass sie weitermachen und am Schluss das EFZ haben», sagt Hintermann. Er hat sehr gute Erfahrungen gemacht mit seinen Flüchtlingen. «Beide waren sehr zuvorkommend, freundlich, sehr anständig. Da haben mir mit den normalen Lernenden mehr Mühe. Diese müssen wir noch an die Welt der Erwachsenen heranführen.»

Björn Hintermann sagt aber auch, dass es ohne die Unterstützung der Projekt-Partner praktisch unmöglich wäre, als Betrieb Flüchtlinge in die Arbeitswelt zu integrieren. «Wenn man alles selber machen müsste, wäre es schwieriger und man würde es sich mehr überlegen.»