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Gewerbe an der Grenze profitierte von geschlossenen Grenzen
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 12.06.2020.
abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
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Positive Seite der Coronakrise Viele Läden haben von geschlossenen Grenzen profitiert

Wenn heute Montag die Grenzen zu den Nachbarländern wieder öffnen, ist ein weiteres grosses Stück Normalität zurück im Alltag. Ab sofort kann man wieder ohne speziellen Grund über die Grenze, zum Beispiel für einen günstigen Einkauf nach Deutschland. Mit diesem grossen Lockerungsschritt der Corona-Massnahmen geht aber auch eine Zeit zu Ende, die dem Gewerbe eigentlich ganz gut gepasst hat.

Widersprüchliche Situation: In den letzten Wochen wurde viel geredet und geschrieben über die grossen Löcher, welche die Coronakrise bei vielen Unternehmen in die Kassen reisst. Obwohl viele Folgen der Krise langfristig tatsächlich noch nicht absehbar sind: In Schweizer Grenzregionen scheint sich die Situation gerade wegen der geschlossenen Grenzen stark verbessert zu haben.

Im Moment habe ich subjektiv schon den Eindruck, dass man nach den grossen Ängsten im Lockdown wieder viel positiver gestimmt ist.
Autor: René UttigerPräsident Wirtschaftsforum Zurzibiet

Verluste schon fast wettgemacht: Wegen der geschlossenen Grenzen sind viele Kundinnen und Kunden in den letzten Wochen gezwungen gewesen, ihre Einkäufe in der Schweiz zu erledigen. Das hätten viele Läden im Zurzibiet, der Aargauer Grenzregion zu Deutschland, gut gespürt, sagt René Uttiger, der Präsident des Dachverbandes der lokalen Gewerbevereine. Sein Verband spricht für rund 700 Mitglieder und vertritt ca. 15'000 Arbeitsplätze.

Ob im Dorfladen, im Sportgeschäft, dem Baumarkt oder beim Coiffeur, viele Gewerbebetriebe hätten ihre Verluste aus dem Lockdown dank der zusätzlichen Kundschaft vermutlich bald komplett aufgeholt, sagt Uttiger gegenüber Radio SRF. Natürlich seien die langfristigen Folgen der Krise noch nicht richtig absehbar und sicher gehe es nicht allen Firmen gut, sagt Uttiger weiter. Dennoch spüre er aktuell eine viel positivere Stimmung im Gewerbe als noch vor ein paar Wochen.

Grosse Summen bleiben in der Schweiz: Dass die Grenzschliessung der Wirtschaft zum Teil auch gutgetan hat, vermutet ebenso der Wirtschaftsprofessor Thomas Rudolph. In der «NZZ am Sonntag» rechnet der Professor der Uni St. Gallen (HSG) vor, dass über alle Branchen gesehen in den letzten drei Monaten wohl gegen zwei Milliarden Franken in der Schweiz geblieben seien, die sonst im Ausland ausgegeben worden wären. Von diesem grossen Betrag entfällt sicher auch ein schönes Stück auf die Aargauer Grenzgebiete Zurzibiet, Laufenburg, Rheinfelden und auf das Solothurner Schwarzbubenland.

Die kleinen Läden konnten eher profitieren: Einen positiven Effekt der geschlossenen Grenzen vermuten auch die grossen Detailhändler, welche die Folgen des Einkaufstourismus sonst besonders stark spüren. Auf Anfrage bei Migros und Coop heisst es, man habe gerade in den kleineren Filialen im Grenzgebiet in den letzten Wochen deutlich mehr Kundschaft und Umsatz gehabt als in anderen Jahren. Das habe wohl auch mit der Grenzschliessung zu tun. Umgekehrt sei der Umsatz in den grösseren Läden in den Zentren oder an den Bahnhöfen deutlich tiefer gewesen. Welcher Effekt überwiegen wird, können die grossen Detailhändler aber noch nicht beziffern.

Wie wirkt sich die Öffnung der Grenzen aus? Dass am Montag 15. Juni die Grenzen wieder normal öffnen und damit auch Einkaufstourismus wieder zunehmen wird, das bereitet den Läden im Zurzibiet keine grossen Sorgen, sagt René Uttiger, der Präsident des Gewerbe-Dachverbandes. Man kenne die Situation mit der günstigen deutschen Konkurrenz schon lange und habe sich arrangiert. Dennoch hoffen sicher einige Läden, dass der eine oder die andere vielleicht auch künftig weiter im nahen Dorfladen einkaufe und weniger ins günstige Ausland ausweicht.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 06:32 Uhr;

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Es ist schon längst ein Gesetz fällig, das ausländischen Lieferanten verbietet die Schweiz mit überhöhten Preisen zu diskriminieren. Gäbe es ein solches, würde der Einkaufstourismus stark zurück gehen. Das Argument, dass unsere hohen Löhne die Waren sehr stark verteuern, stimmt nur zum Teil. Die Schweizer Firmen "vergessen" gerne zu erwähnen, dass z. B. die Lohnnebenkosten und Steuerlast für Firmen in Deutschland dafür viel höher sind und die durchschn. Arbeitszeit der Angestellten kleiner.
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