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Legende: Audio Eine Aargauer Käserei kann per sofort keinen Emmentaler-Käse mehr produzieren abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 03.07.2019.
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Regeln verletzt Aargauer Käserei darf keinen Emmentaler mehr produzieren

  • Die ausserordentliche Delegiertenversammlung des nationalen Sortenverbandes Emmentaler Switzerland hat entschieden: Die Milchgold Käse AG darf ab sofort keinen Emmentaler mehr produzieren.
  • Die Freiämter Käserei hat von 2016 bis 2017 Milch nicht täglich, sondern nur alle zwei Tage gesammelt. «Dies entspricht einer groben Verletzung des Pflichtenhefts für Emmentaler AOP», sagt der Verband.
  • Offenbar liefen die Verletzungen der Regeln aber schon ab 2012, schreibt Emmentaler Switzerland in einer Mitteilung.
  • Es ist der erste Ausschluss einer Käserei in der rund 20-jährigen Geschichte des Sortenverbandes.
Emmentaler
Legende: Keystone

Was Emmentaler ist und was nicht, das ist in der Schweiz streng geregelt. Durchmesser, alter, Reife – alles ist klar definiert. «Emmentaler wird aus frischer, unbehandelter Rohmilch und frei von jeglichen Zusatzstoffen produziert, von erfahrenen Käsemeistern», definiert der Verband die Regeln. Man wolle nur reinen, qualitativ hochstehenden Emmentaler auf dem Markt, auch wegen des Images, sagt Emmentaler Switzerland. 119 Käsereien sind aktuell Mitglied im Verband.

Schwere Verletzung der Regeln

Die betroffene Freiämter Käserei aus Auw AG hat – so der Vorwurf – zwischen 2016 und 2017 zu alte Milch für den Emmentaler verwendet. Vorgeschrieben ist, dass nur ein Tag alte Milch für die Produktion verwendet wird. Die betroffene Käserei habe ihre Milch aber nur jeden zweiten Tag bei den umliegenden Bauern abgeholt. Es gibt Hinweise, dass die Verstösse schon ab 2012 begangen wurden.

Als Strafe musste die Käserei laut Medienberichten rund 30 Tonnen Emmentaler zu Schmelzkäse deklassieren. Zudem hat der Verband Emmentaler Switzerland die Käserei mit einer Konventionalstrafe und einer Rückgabe des finanziellen Vorteils durch die Trickserei sanktioniert. Dabei geht es um einen Geldbetrag im siebenstelligen Bereich. Zwei Verfahren dazu sind aktuell noch hängig.

Definition Emmentaler

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Definition Emmentaler
  • Der Schweizer Emmentaler AOP hat einen Durchmesser von 80 bis 100 cm.
  • Er ist 75 bis 120 Kilogramm schwer.
  • Er reift mindestens vier Monate lang in ausgesuchten Käsekellern.
  • Seine einzigartige Emmentaler-Note erhält der Käse während des Reifungsprozesses. Je nach Reifungsdauer von nussig-mild bis aromatisch-kräftig.
  • Er wird aus frischer, unbehandelter Rohmilch und frei von jeglichen Zusatzstoffen produziert, von erfahrenen Käsermeistern, die den Emmentaler immer noch traditionell-handwerklich herstellen.
  • Dank der Käsereimarke lässt sich jeder Emmentaler AOP-Laib bis zu seinem Ursprung und Produktionsort zurückverfolgen.

(Quelle: Sortenverband Emmentaler Switzerland)

Nach dem Ausschluss haben Verantwortliche von Emmentaler Switzerland nun am Mittwochmorgen die Käsereimarke der Käserei in Auw eingezogen. Das ist jene Marke, die oben den Namen Emmentaler auf den Käselaib «druckt». Ab sofort kann die Käserei keinen Emmentaler mehr produzieren.

Es ist eine unschöne Sache und schade.
Autor: Stefan GasserDirektor Verband Emmentaler Switzerland
Emmentaler
Legende: Keystone

Es sei das erste Mal in der Geschichte des Verbands, dass ein Mitglied ausgeschlossen wird, sagt Stefan Gasser, Direktor des Sortenverbands Emmentaler Switzerland, gegenüber SRF. Es sei eine unschöne Sache, beschreibt er den Vorfall. Es handle sich aber um einen schlimmen Verstoss gegen das Pflichtenheft.

Keine Stellungnahme

Die betroffene Käserei war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Geschäftsführer sei nicht vor Ort, heisst es auf Anfrage. Nur so viel: Die Maschinen würden nicht still stehen, man stelle noch andere Käsesorten her. Emmentaler mache nur einen kleinen Teil der Produktion aus, heisst es auf Anfrage. Die Milchgold Käse AG hat laut ihrer Homepage 15 Mitarbeiter und produziert in Auw 4000 Tonnen Käse jährlich.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Richtig so. Um die Qualität beizubehalten, sind solche Entscheide richtig und notwendig. Da haben halt ein paar Leute, sagen wir mal "in Bauernnähe", wieder einmal den Hals nicht voll bekommen und angefangen zu "es bitzli bschiisse".
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  • Kommentar von Adi Berger  (Adi B.)
    Offenbar gibt es Verbände in der Schweiz, die noch eifrigere Regulierer und Strafenkassierer sind als die EU. Die Lust auf Emmentaler ist mir ob solcgen Nachrichten vorläufig vergangen. Nicht aus Angst, Käse aus um 24h "alter" Milch zu bekommen sondern weil ich nicht will, dass ich mit dem Kauf diesen Verband möglicherweise mitunterstützen muss.
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Ja keine Gelegenheit auslassen, um über die EU zu motzen, nicht wahr? Fakt ist, dass die (EU-)Regulierungen zum Schutz originaler, herkunftstreuer Lebensmittel ein Segen sind. Oder wollen Sie sich "Bordeaux" aus Marokko oder "Parmesan" aus Brasilien andrehen lassen? Der Konsument ist hilflos gegenüber Desinformation und Schwindel auf dem Etikett - daher braucht es die Kontrolle und das Labeling durch den Staat oder durch autorisierte Konsortien.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Berger: Für Sie scheint es in Ordnung zu sein, wenn Firmen billige Chinesenwerke in Uhren einbauen und Swissmade draufschreiben. Für mich ist das nicht in Ordnung. Ich, das was drauf steht auch wirklich das ist was drauf steht.
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  • Kommentar von Andre Baumann  (AnBa)
    Was soll das? Wie wird den der Emmentaler in der Normandie oder Dänemark produziert. Gehen da auch "unsere" Funktionäre kontrillieren?
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Es geht hier um "Emmentaler AOP" (Appellation d'orgigine protégée, mit geschützte Ursprungsbezeichnung). Solcher darf nicht im Ausland produziert werden. Nur "Emmentaler" oder "Emmental". Und auch das nur, weil die Schweiz es seinerzeit verlauert hat, "Emmentaler" als Markennamen zu schützen.
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