Regierungswahlen: Solothurner FDP führt Frauentradition weiter

Fünf Kandidaten kämpften am Mittwochabend an der Nominationsversammlung der Solothurner FDP um den Regierungsratssitz von Esther Gassler, die nicht mehr antritt. Seit 1988 stellt die Solothurner FDP eine Regierungsrätin. Und diese Tradition könnte nun weitergehen.

Die Ausgangslage für die Solothurner FDP konnte spannender kaum sein. Fünf Kandidaten stellten sich zur Wahl für eine Nomination:

  • Peter Brügger, Dipl. Ing. Agronom (58 Jahre)
  • Peter Hodel, Meisterlandwirt (49)
  • Marianne Meister, Geschäftsführerin (53)
  • Frank-Urs Müller, Oberrichter (57)
  • Anita Panzer, Kommunikationsberaterin (45)

Dafür wurden eigens Wahlbroschüren für den internen Gebrauch produziert – notabene aus der Kasse der Kandidaten. Ausserdem kam es zu zwei Hearings im Vorfeld der Nomination vom Mittwochabend. Viel Aufwand für eine Nominationswahl, vor allem im Vergleich mit dem Nachbarskanton. Die Aargauerinnen und Aargauer wählen bereits Ende Oktober. Bis vor zwei Wochen hatten noch nicht einmal alle Parteien einen Kandidaten.

Dass der bisherige Regierungsrat Remo Ankli nebenbei noch einstimmig nominiert wurde, ging bei diesem Nominationszirkus fast ein bisschen vergessen.

Von angriffig bis besonnen

Jeweils fünf Minuten konnten sich die fünf Kandidaten in der Erlimatt-Halle in Däniken den anwesenden 245 Delegierten präsentieren. Einer dieser fünf soll dann dereinst im März 2017 den Sitz von Esther Gassler verteidigen, die nicht mehr antritt.

Die beiden Frauen Marianne Meister und Anita Panzer zeigten sich angriffig. So pries sich Panzer als fit an, sie sei «im Saft ihres Lebens». Damit spielte die 45-Jährige auf ältere Kandidaten wie Peter Brügger an. Dieser gab sich ruhig und selbstkritisch. «Ich bin sicher nicht das jüngste Modell. Aber das, was funktionieren soll, das geht bestens», scherzte der 58-Jährige.

Unterstützung für die Frauen

In der anschliessenden Diskussion erhielten die beiden Frauen am meisten Unterstützung aus dem Publikum. Das Argument «Wir brauchen eine Frau» war immer wieder zu hören, von Männern und Frauen. Marianne Meister wurde als gute Wirtschaftsvertreterin gelobt, die 45-jährige Anita Panzer als starke, junge Kraft.

Der Schönenwerder Peter Hodel wurde als Freisinniger mit breiter Abstützung in der Bevölkerung gelobt, der Langendorfer Peter Brügger als «dossier-sicher». Müller als ehemaliger Gemeinderat von Oberdorf wurde für seine Arbeit im dortigen Gremium gelobt.

Wahlgang 1 und 2 ohne Ergebnis

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Alle Informationen zu den Solothurner Regierungs- und Parlamentswahlen 2017 und zu den Wahlen in den Städten finden Sie gesammelt im Dossier von SRF.

Der erste Wahlgang hatte noch keine Entscheidung gebracht: Dort holte Anita Panzer mit 69 Stimmen das beste Resultat, jedoch nicht das absolute Mehr. Das zweitbeste Resultat holte mit Marianne Meister (65 Stimmen) die zweite Frau. Auf den weiteren Rängen folgten Peter Hodel (56), Peter Brügger (35) und Frank-Urs Müller (19).

Im zweiten Wahlgang konnte Panzer ihren Vorsprung ausbauen und holte 75 Stimmen. Meister holte 67, Hodel 58, Brügger 28 und Müller 18 Stimmen. Nach diesem Resultat schied Frank-Urs Müller als Letztplatzierter aus, Brügger zog sich freiwillig zurück.

Im dritten Wahlgang holte Panzer 90 Stimmen, Meister 84 und Hodel 67. Letzterer schied als Letztplatzierter aus. Zu diesem Zeitpunkt war klar: Die Solothurner FDP wird wieder mit einem Mann (Remo Ankli) und einer Frau in die Regierungsratswahlen steigen. So, wie sie dies seit mehreren Jahrzehnten tut.

Knapper Sieg für Meister

Zuletzt war es Marianne Meister, die einen sehr knappen Sieg errang. Sie holte 120 Stimmen, Anita Panzer deren 114. «Ich war im ersten Moment überrascht, aber jetzt natürlich überglücklich», erklärte Meister. Sie werde eine offene, bodenständige und liberale Regierungsrätin sein, sagte sie im Interview.

In der Diskussion vor der Nomination fiel häufig der Satz; «Wir müssen eine Frau nominieren.» Inwiefern ist Meister also nominiert worden, weil sie eine Frau ist? «Das hat damit nichts zu tun. Ich und Anita sind starke Frauen, das war der Grund.» Panzer zeigte sich nach der Nichtnomination etwas enttäuscht, aber gleichzeitig auch erfreut, dass im Frühling 2017 eine FDP-Frau mit in den Ring steigt.

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FDP-Frauen in der Regierung

  • Cornelia Füeg (1988-1997)
  • Ruth Gisi (1997-2005)
  • Esther Gassler (2005-2017)

«Wir haben eine Tradition», erklärte FDP-Parteipräsident Christian Scheuermeyer nach der Nomination. «Seit 30 Jahren vertreten jeweils eine Frau und ein Mann die FDP im Solothurner Regierungsrat.» Und die Delegierten hätten entschieden, dass dies auch künftig so sein soll.

Der Bisherige im Hintergrund

Dass die Solothurner FDP an jenem Abend auch Remo Ankli nominiert hatte, war schon fast Nebensache, als um kurz vor 23:00 Uhr Marianne Meister auf den Schild gehoben wurde.

Ankli zeigte sich derweil zufrieden über seine Nomination. Er habe es dieses Mal «etwas ruhiger angehen lassen können», erklärte der Bisherige. Vor vier Jahren trat Ankli zum ersten Mal an. Wahlkampf müsse er nun natürlich trotzdem machen. «Man darf nicht erwarten, dass ein Bisheriger im Schlafwagen wiedergewählt wird», meinte Ankli im Interview mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Dass die FDP ihre beiden Sitze auf sicher hat, das könne man nicht sagen.

Die Köpfe zu den Solothurner Regierungsratswahlen 2017

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 6:32 Uhr und 17:30 Uhr)