Region Buechiberg: Hightech-Drohnen sollen Rehbabys retten

Anstatt Graswiesen mit viel Personal nach Rehkitzen abzusuchen, sollen Drohnen diese Aufgabe übernehmen. Bauern, Drohnenpilot und Jäger führen im Bucheggberg einen Pilotversuch durch. Sie hoffen, dass sie mit den Drohnen Zeit, Personal und Geld sparen und erst noch mehr Rehkitze retten können.

Ein totes Rehkitz in einem Feld. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein vermähtes Rehkitz ist kein schöner Anblick. rehkitzhilfe.de

Davor haben Bauern Angst: Sie sind mit dem Motormäher unterwegs, bringen das Futter für ihre Kühe ein, und sehen im hohen Gras das Rehkitz nicht. Der Mäher erfasst es – Sekunden später ist das junge Reh tot. Viel bleibe nicht übrig davon, sagt Peter Brügger, Geschäftsführer des Solothurner Bauernverbandes: «Mit den heutigen Mähmaschinen sieht man hinten gar nicht mehr, dass dort ein Rehkitz war.»

Bauern sind mit der Natur verbunden. Es tut ihnen weh, wenn sie ein Rehkitz töten. Aber es tut ihnen auch weh, wenn ihr Vieh leidet. Und das kann passieren, wenn ein Rehkitz in den Mäher kommt. Die Rückstände des Jungtiers verteilen sich in der Grasmasse. Beim Verwesungsprozess entstehen Bakterien. Diese können beim Vieh eine Botulismus-Infektion auslösen. Und diese ist für die Kühe unter Umständen tödlich.

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Reh-Kinderstube

Rehgeissen gebären ihre Jungen mit Vorliebe im hohen Gras. Die Jungtiere haben keinen Fluchtreflex. Naht Gefahr, bleiben sie einfach liegen. Die Mutter hingegen flüchtet. Deshalb sind vor allem die Rehkitze gefährdet durch die Grasmäher der Bauern.

Die Bauern haben also ein grosses Interesse daran, dass in ihren Wiesen keine Rehkitze hausen. Wenn ein Bauer vermutet, dass in einer Wiese ein Rehkitz liegt, ruft er den Jadgaufseher an. Dieser bietet Jäger auf, die das Feld «verblenden». Sie bringen rund um das Feld reflektierende Gegenstände an. Die Hoffnung: Die Rehgeiss ist irritiert, wittert Gefahrt und führt ihr Junges in Sicherheit.

Verlust durch Suche

Nach dem Verblenden machen die Jäger aber noch einen Kontrollgang. In einer Kolonne durchkämmen sie die Wiese. Im Idealfall finden sie ein Rehkitz und können es evakuieren. Der Nachteil dieser Methode: Die Suchmannschaft trampelt einen grossen Teil der Wiese nieder. Der Bauer verliert Futter.

In der Region Bucheggberg probieren Bauern und Jäger jetzt eine neue Methode der Rehkitz-Rettung aus. Sie haben einen Drohnenpiloten engagiert. Der Bauer schlägt wie bis anhin beim Jagdaufseher Alarm, wenn er ein Rehkitz vermutet. Der Jäger bietet nun aber nicht seine Kollegen auf, sondern ruft den Drohnenpiloten an.

Dieser lässt dann sein Gerät aufsteigen. «Ich überfliege das Feld in einer Höhe von 50 Metern», sagt Drohnenpilot und Besitzer der Firma Finemotion aus Busswil (BE) Marco Tschachtli. «Die Drohne hat eine Wärmebildkamera. Erkenne ich damit, wo ein Tier liegt, lasse ich die Drohne über diesem Ort schweben und die Jäger können das Kitz holen.»

Drohnenpilot Tschachtli schätzt, dass er eine Wiese doppelt so schnell absuchen kann wie Personen zu Fuss. Und ausserdem sei das Ganze viel weniger personalintensiv.

Jäger und Bauern sind gespannt auf die Resultate der Drohnenflüge. Der Härtetest kommt Mitte Juni. Erst ab dem 15. Juni dürfen die Bauern nämlich die ökologisch wertvollen Graswiesen mähen. Das werden viele von ihnen gleichzeitig tun. Und dann wird die Drohne Hochbetrieb haben und vielleicht Rehbabys und damit auch Kühe retten.