Regionale Kleinklassen: Solothurner Parlament schraubt am Konzept

Regionale Kleinklassen sind ein wichtiger Pfeiler der integrativen Schule im Kanton Solothurn. Doch die Kleinklassen stehen in der Kritik: Zu teuer und zu kompliziert seien sie, monierte der Kantonsrat am Mittwoch. Deshalb wird das Konzept jetzt angepasst.

Zwei Schüler Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die regionalen Kleinklassen sollen besser organisiert und günstiger werden. Dies unterstützt die Solothurner Regierung. Keystone (Symbolbild)

Eigentlich ist es die Idee der integrativen Schule, dass alle Schüler in die normale Klasse gehen und dort nach ihren Bedürfnissen gefördert und unterstützt werden. In der Praxis klappt das aber doch nicht immer. Einige Schüler sind so schwierig, dass sie den Unterricht zu sehr stören.

Für diese Kinder sind im Kanton Solothurn die regionalen Kleinklassen gedacht: Fünf Klassen, verteilt über den ganzen Kanton (siehe Textbox). Dort verbringen sie eine gewisse Zeit, bis sie wieder zurück in ihre normale Klasse gehen können.

Das Konzept ist neu und hat Anlaufschwierigkeiten. Vor allem zwei Punkte werden kritisiert:

  • Das Zuweisungsverfahren dauert zu lange. Es ist so aufwändig und kompliziert, dass viele Schulen auf die Einweisung verzichten und die Schüler eben doch in den Regelklassen behalten.
  • Die Kleinklassen sind zu teuer. Weil das Zuweisungsverfahren kompliziert ist werden nur ganz wenige Schüler in die Regionalen Kleinklassen eingewiesen. Die vier bereits existierenden Kleinklassen kosten pro Jahr aber 2 Millionen Franken. Auf die Schülerzahl umgerechnet ergibt das pro Schüler 200'000 Franken.
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Regionale Kleinklassen

Zur Zeit gibt es im Kanton Solothurn 4 solche Klassen. Ab Sommer 2016 sollen es 5 sein:

  • Olten
  • Dornach
  • Grenchen
  • Herbetswil
  • Solothurn (im Aufbau)

Im Herbst 2015 besuchten insgesamt 10 Schüler diese Klassen. Mittlerweile seien es 27, sagte Bildungsdirektor Remo Ankli am Mittwoch.

In einem Vorstoss forderte die Fraktion CVP/GLP/EVP/BDP am Mittwoch im Kantonsrat: Das Zuweisungsverfahren sei auf einen Monat zu begrenzen. Und die Kosten pro Schüler müssten gesenkt werden.

Regierung hat schon reagiert

Bei Bildungsdirektor Remo Ankli rannte der Vorstoss zum Teil offene Türen ein. Was das Zuweisungsverfahren angehe, habe man bereits reagiert. Ab dem 1. Juni sei dieses viel einfacher, versprach Ankli.

Erledigt ist das Thema damit aber nicht. Das Parlament überwies den CVP-Auftrag in einer abgeschwächten Form mit 87 zu 0 Stimmen. Die Regierung muss nicht nur per Schuljahr 2016/17 das Zuweisungsverfahren vereinfachen, sondern auch bis zum Schuljahr 2017/18 das Konzept der regionalen Kleinklassen anpassen.

Vielleicht wird die Regierung dann auch darüber nachdenken, ob sie den Namen «regionale Kleinklasse» ändern will. Der Name sei unglücklich, meinte Bildungsdirektor Remo Ankli am Mittwoch im Parlament. Er erinnere an die früheren Kleinklassen. Die regionalen Kleinklassen seien aber eben keine Sonderschule mehr, sondern ein Teil der integrativen Volksschule.