Aargauer Regierungsrat Roland Brogli spürt Wehmut, Ermüdung und auch Kraft für neuen Job

16 Jahre leitete Roland Brogli das Finanzdepartement des Kantons Aargau. Nach vier Amtsperioden macht er auf Anfang 2017 seinem Parteikollegen Markus Dieth Platz. Schulden, Überschüsse, Spar- und Entlastungspakete – Roland Brogli kennt alle finanziellen Höhen und Tiefen des Aargaus.

Dienstag, 14. Dezember 2016: Die letzte Sitzung des Grossen Rates, in der Roland Brogli als Finanzdirektor anwesend sein wird. Für ihn wird es eine langweilige Veranstaltung werden. Nur ein einziger Vorstoss berührt Broglis Departement, die Finanzen. Dennoch wird ihn die letzte Sitzung berühren. «Da werde ich schon etwas wehmütig werden», so Brogli im Interview.

Zusatzinhalt überspringen

Roland Brogli

Roland Brogli

Roland Brogli interessiert sich nicht nur für Finanzen, sondern auch für Kultur. SRF

  • Studium der Rechtswissenschaften
  • Stadtschreiber Rheinfelden (1989–2001)
  • Grossrat CVP (1985–2001)
  • Regierungsrat (2001–2016)
  • Isst am liebsten Spaghetti
  • Trinkt gern ein kühles Bier
  • Fährt einen Audi A4 Avant
  • Liest und wandert gern
  • Hat als Lektüre auf dem Nachttisch verschiedene Kunstführer der Schweiz
  • Sieht am liebsten Spiele des FC Aarau

Ein bisschen müde

Die letzten drei Sitzungen waren lang und anstrengend. Es ging um das Budget des Aargaus für das Jahr 2017. Immer wieder musste Roland Brogli den Kopf einziehen. «Wenn man immer wieder das Gleiche hört, ist das vielleicht schon etwas ermüdend», aber, so Brogli, er sei schon immer mit ganzem Herzen dabei gewesen.

Insbesondere sein wichtigstes Anliegen, nämlich die Erhöhung des kantonalen Steuerfusses um einen Prozentpunkt, brachte er nicht durch. So fehlen der Regierung 17 Millionen Franken, die sie schon eingeplant hatte. Nur mit Ach und Krach brachte die Regierung ihr Budget durch.

Broglis «Sparkässeli»

Kein Wunder: Die Zeiten haben sich geändert. Von 2004 bis 2013 fuhr der Aargau zum Teil hohe Überschüsse ein. Einen Teil davon legte Roland Brogli in ein spezielles Sparkässeli, nämlich in die so genannte Bilanzausgleichsreserve, die er gegen Widerstand im Grossen Rat durchbrachte.

Dank den Reserven konnte der Haushalt in den letzten Jahren noch einigermassen im Gleichgewicht gehalten werden. Doch gleichzeitig ergriff die Regierung energische Gegenmassnahmen, sie lancierte diverse Spar- und Entlastungspakete.

Diese lösten im Grossen Rat und in der Bevölkerung hitzige Diskussionen aus. Von rechter Seite wurde kritisiert, die Regierung schraube zu wenig an den Ausgaben. Von linker Seite kam der Vorwurf, die Regierung leide an Sparwut. Sie haben die finanziellen Engpässe selber verursacht mit diversen Steuersenkungen für Privatpersonen und Firmen.

Eine Bezeichnung hörte der Aargauer Finanzdirektor immer wieder: Er gelte als «Sparapostel». Den Begriff mag er allerdings nicht wirklich.

«  Ich bin ja nicht missionarisch tätig. »

Roland Brogli
Regierungsrat und Finanzdirektor des Kantons Aargau

Früher sei es halt einfach vieles anders gewesen, deshalb brauche es ein neues Bewusstsein in der Bevölkerung. Und das Volk zum Sparen zu überzeugen, sei halt nicht so einfach. Aber man habe gut mit dem Volk zusammen arbeiten können, glaubt der abtretende Regierungsrat.

Wie geht es nun weiter im Aargau?

Gibt es denn im Aargau einen Verteilkampf; von der Bildung in die Gesundheit? Oder anders gesagt: Die Verlagerung passiert von den Jungen zu den Alten, die immer höhere Kosten verursachen? «Nein, das kann man nicht so sagen», glaubt Brogli.

Sicher ist: Die hitzigen Finanzdiskussionen im Aargau werden weitergehen. Und 2017 vielleicht sogar noch an Schärfe gewinnen. Die Parteien genehmigten das – faktisch rote – Budget 2017 nämlich nur unter dem Vorbehalt, dass die Regierung vor der nächsten Budgetrunde eine grundsätzliche Auslegeordnung der Staatsaufgaben vornimmt. Und dann kommen grundsätzliche Fragen auf den Tisch: Etwa jene, ob der Aargau eine Kantonalbank betreiben muss. Ob er er sich als Energieproduzent betätigen soll. Und ob er selber Spitäler besitzen muss.

Brogli bleibt beruflich tätig

Diese Diskussionen kann Roland Brogli dann vom Lehnstuhl aus mitverfolgen. Vielleicht nur mit halbem Auge und Ohr. Denn er werde sicher viel lesen, erklärte er im Interview. Und vielleicht verpasst Brogli die Diskussionen auch komplett. Denn für die Nach-Regierungszeit hat er sich vorgenommen, die Welt noch ein bisschen genauer anzuschauen.

«  Im Januar werde ich einige Wochen weggehen, nach Costa Rica, und dann noch kurz ins Goms. »

Roland Brogli

Ganz zurück ziehen aus der Arbeitswelt werde er sich aber nicht, erklärt Brogli dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Ab dem 1. März werde er bei einem Kollegen im Consulting-Bereich arbeiten, also unter anderem im Bereich Unternehmensberatung.