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Zusammenfassung des zweiten Prozesstages durch den Gerichtsreporter
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SAR-Prozess Lenzburg Der Verteidiger fordert einen vollständigen Freispruch

  • 350 Seiten Anklageschrift, das sei viel zu komplex, sagte der Anwalt des Angeklagten. Deshalb müsse man alles vernichten.
  • Das Problem habe bei der Finanzierungsgesellschaft gelegen. Dort habe eine grosse Unordnung geherrscht.
  • Diese habe die Autos zu Unrecht abtransportiert und vielleicht sogar Beweismaterial verändert.

Um diesen Fall geht es

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Extrem tiefe Leasing-Raten für extrem teure und schnelle Autos – dieses Geschäft betrieb die Autogarage SAR Premium Cars in Dintikon. Doch 2011 war Schluss. Die Fidis-Bank (Finanzierungsfirma der Fiat-Gruppe) transportierte sämtliche Autos aus Dintikon ab. Ihr Vorwurf: Der Garagist habe sie um viele Millionen Franken betrogen. Die Autos gehörten nämlich der Bank, das Leasing lief aber über den Garagisten. Weil der damit aber nicht genug Geld erwirtschaften konnte, fälschte er Verträge, verkaufte Autos doppelt und führte fiktive Fahrzeuge in seinen Büchern. Das alles steht in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Diese ging in jahrelanger Arbeit jedem Fahrzeug nach, dokumentierte Abläufe, Verträge und Rechnungen und erstellte eine Anklageschrift von rund 350 Seiten. Eigens für diese immense Arbeit musste der Grosse Rat zusätzliche Stellen sprechen. Der Prozess am Bezirksgericht Lenzburg dauert zwei Wochen. Das Urteil wird am 23. Januar eröffnet.

Aus Sicht der Verteidigung ist nur ein vollständiger Freispruch das richtige Urteil. Die Bank und die Staatsanwaltschaft hätten sich gegenseitig abgesprochen. Ihr Ziel bestehe darin, seinen Klienten schlecht zu machen, sagte der Anwalt.

Die Bank wolle damit von ihrem eigenen Versagen ablenken. Dort habe ein grosses Durcheinander geherrscht. Sowohl der CEO wie auch der Finanzchef hätten keine Übersicht gehabt. Und weiter: Die Bank habe nicht nur Autos abtransportiert, sondern eigenmächtig auch Computer der Garage beschlagnahmt. Der Verdacht des Angeklagten: Die Bank habe der Staatsanwaltschaft veränderte Beweismittel übergeben.

Die Bank wäscht die Hände in Unschuld

Am Dienstagmorgen hatte die beteiligte Bank ihren Standpunkt dargelegt. Sie habe 12 Millionen Franken verloren. Und schuld daran sei die Firma SAR Premium Cars, so argumentierte der Anwalt.

Der Beschuldigte habe ein riesiges Netz von Lügen aufgespannt. Darin hätten sich viele verfangen, auch die Bank. Die Bank fordert vom Beschuldigten 12 Millionen Franken zurück.

Staatsanwaltschaft sieht kriminelle Energie

Aus Sicht der Bank ist der SAR-Garagist ein raffinierter Betrüger. Die Staatsanwaltschaft liegt auch auf dieser Linie. Hunderte von Ordnern hat sie durchgeackert. Für jedes der gegen 100 Leasing-Fahrzeuge hat sie ein eigenes Dossier erstellt.

Dass alle anderen schuld seien, nur er selber nicht, sei eine Schutzbehauptung des Garagisten. Seine Art Autos zu verkaufen bzw. zu verleasen, sei ein Fass ohne Boden gewesen.

Unrealistische Zahlen und Raten

Die Anklage rechnete vor, wie das System des Garagisten in der Katastrophe münden musste. Der Besitzer von SAR Premium Cars habe die Fahrzeuge viel zu günstig zum Leasen angeboten, weil er den Restwert der teuren Autos viel zu hoch ansetzte. Der Garagist sei davon ausgegangen, dass er die Autos nach einem Rückkauf wieder zu einem guten Preis hätte verkaufen können.

Da dies aber nicht der Fall gewesen sei, habe er mit jedem Auto Geld verloren. Realistisch wäre sein Geschäftsmodell nur gewesen, wenn die Leasing-Raten zwei- bis dreimal höher gewesen wären. Um die Verluste zu kaschieren, habe der Garagist die Buchhaltung systematisch gefälscht. Und sich und seiner Frau habe er einen üppigen Lohn gezahlt, mehr als 400'000 Franken pro Jahr.

Die Staatsanwaltschaft verlangt 7 Jahre Freiheitsstrafe wegen Betrugs, Veruntreuung, Misswirtschaft und Urkundenfälschung. Ob die Strafe bedingt oder unbedingt ausgesprochen werde, solle das Gericht entscheiden.

Der Täter als Opfer?

Der Angeklagte, der ehemalige Besitzer der Firma SAR Premium Cars, hatte am Montagmorgen eine komplett andere Version der Ereignisse erzählt. Er habe mit der SAR Premium Cars einen exklusiven Club gründen wollen. Von vielen Banken und Versicherungen habe er Kaderleute als Kunden gehabt. In Buchhaltung sei er selber nicht gut ausgebildet gewesen.

Er habe aber nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet. Die Partnerbank habe alles gewusst und ihm gesagt, er soll einfach weitermachen. Plötzlich sei ihm dann aber der Geldhahn zugedreht worden und alles sei bachab gegangen.

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Verschuldet in Millionenhöhe – mit attraktiven Leasing-Verträgen
Aus Schweiz aktuell vom 07.01.2019.
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6 Kommentare

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  • Kommentar von murti muheim  (mumu)
    Vor lauter Gier ist die Bank auf diesen Betrüger reingefallen. Selber schuld.
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  • Kommentar von Markus Weilenmann  (markusweile)
    ich kapiere den Trick nicht. Wenn der Garagist die Autos zu billig verleast hat, dann machte er ja rückwärts. Den Verlust hat er gegenüber der Bank kaschiert, um an mehrere Kredite heranzukommen, welche ihm den Fortbestand des Verlustgeschäftes ermöglichten. Irgendwann hat dann die Bank den Stecker gezogen, weil sie ja keine Sozialeinrichtung ist. Hätte die Bank den Stecker früher gezogen, wäre alles früher abgestellt worden. Wo ist da die Bereicherung? Vielleicht der hohe Lohn?
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Man sollte sich fragen was armseliger ist: Einen Fehler zu machen oder von den Fehlern anderer zu leben.... (wie das die Richter, Staatsanwälte, Anwälte etc. tun). Hinzu kommt die ans Mittelalter erinnernde Geiferei jener, die zwar selbst nicht besser sind, aber aus Neid johlend rund um den Galgen tanzen.
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