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Schützenhäuser im Aargau Wohnen und Kaffee trinken statt Schiessen und Pulverdampf

Über Generationen hinweg waren es Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens – zumindest für die Männer. In Schützenhäusern landauf landab wurde nicht nur geschossen, hier wurde diskutiert, Politik gemacht und es wurden Geschäfte abgeschlossen. Heute werden viele Schützenhäuser nicht mehr gebraucht, so auch in den Städten Aarau und Baden.

Hier stehen historisch wertvolle – und kantonal geschützte – Schützenhäuser. Deren künftige Nutzung hing aber lange Zeit in der Schwebe. Nun haben sich die beiden historischen Gebäude in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Schützenhaus Baden von aussen
Legende: zvg: BEM Architekten Baden

Das Schützenhaus in Baden fällt sofort auf, wenn man daran vorbeifährt. Erbaut im Jahr 1900 erinnert es mit den schweren Steinen als Fundament, mit dem turmartigen Aufbau über dem grossen Eingang und mit den zinnenartigen Dachaufbauten an eine mittelalterliche Burg. Wegen des speziellen Baustils steht es auch unter kantonalem Denkmalschutz.

Schützenhaus Baden im Umbau mit Baugerüst
Legende: Stefan Brand/SRF

Seit der Schiessbetrieb in Baden 2004 eingestellt wurde, stand das Schützenhaus mehrheitlich leer und verfiel immer mehr. Nun ist der Umbau aber bald beendet und schon bald befinden sich hinter den alten Mauern vier neue Wohnungen. Den Umbau zu Wohnungen hat die Ortsbürgergemeinde Baden so beschlossen, sie ist Eigentümerin des Gebäudes.

Schützenhaus Baden Innenraum
Legende: zvg: BEM Architekten Baden

Das Schützenhaus Baden eigne sich gut für einen neuen Innenausbau. «Eigentlich ist es vor allem ein Leervolumen», sagt Reto Nussbaumer, der Leiter der Aargauer Denkmalpflege. Das historisch wertvolle sei in Baden die Aussenhülle und die Dachkonstruktion. Diese könne mit dem Umbau erhalten bleiben, was man bei der Denkmalpflege sehr begrüsse.

Visualisierung umgebautes Schützenhaus in Baden
Legende: zvg: BEM Architekten Baden

Mit der neuen Nutzung ändert sich das Wesen des Schützenhauses komplett. Vom einstigen öffentlichen Treffpunkt wandelt es sich zum Privatraum mit vier Wohnungen, es wird Teil einer grösseren Wohnüberbauung. Aus denkmalpflegerischer Sicht sei das kein Problem, findet Reto Nussbaumer: «Ein Gebäude muss nicht über alle Zeiten seine Funktion erhalten um schützenswert zu sein.»

Schützenhaus Aarau im Umbau
Legende: Stefan Brand/SRF

Neuer Ort, ähnliches Bild: Auch in Aarau ist der Umbau des Schützenhauses in der Endphase. Auch hier ist über die Jahrzehnte ein Quartier um das Schützenhaus herum gewachsen. Auch hier wird seit Jahren nicht mehr geschossen.

Schützenhaus Aarau
Legende: zvg: Kanton Aargau, Denkmalpflege

Auch in Aarau macht die markante Erscheinung mit Säuleneingang und dem Turm mit dem spitzen Blechdach das Gebäude schützenswert, heisst es bei der kantonalen Denkmalpflege. Das 1924 erbaute Gebäude sei aber auch wegen seiner historischen Bedeutung schützenswert. Es wurde für das eidgenössische Schützenfest 1924 erbaut: «Aarau ist ein wichtiger Schützenort», sagt Denkmalpfleger Reto Nussbaumer.

Schützenstübli Aarau
Legende: Stefan Brand/SRF

Im Gegensatz zum Badener Schützenhaus ist in Aarau aber vor allem der Innenraum schützenswert. Die vielen alten Holzelemente an Boden, Wänden und Türen machen hier einen grossen Teil der Schutzwürdigkeit aus, erklärt der Denkmalpfleger. Deshalb seien auch die Möglichkeiten für die Umnutzung ganz anders.

Neue Küche im Aarauer Schützenhaus
Legende: Stefan Brand/SRF

In Aarau entsteht nun nämlich ein Bistro im Schützenhaus. Der öffentliche Treffpunkt für das ganze Quartier sei eine nahezu optimale neue Nutzung für das historische Gebäude findet Reto Nussbaumer: «Es war früher ein gesellschaftlicher Treffpunkt, es wird künftig ein gesellschaftlicher Treffpunkt sein, ein Identifikationsort für das Quartier. Super. »

Bildvergleich

Regler nach links verschieben Regler nach rechts verschieben
Legende:Neue Toilette in historischem GebäudeNeue Toilette in historischem GebäudeStefan Brand/SRF

Der Umbau verlief dementsprechend anders. In Aarau galt es den Innenraum sorgfältig für die neue Nutzung herzurichten. Küche und sanitäre Anlagen bereitzustellen. Dafür – wie auch für die Umbauarbeiten in Baden – brauche es spezielle Techniken und deshalb auch spezialisierte Unternehmen, die sich mit der alten Bausubstanz auskennen, sagt Reto Nussbaumer, der Leiter der Aargauer Denkmalpflege.

Reto Nussbaumer vor dem Aarauer Schützenhaus
Legende: SRF

Der zusätzliche Aufwand macht den Umbau von Schützenhäusern auch teurer. Für die Eigentümer – in Aarau und Baden sind es die Ortsbürgergemeinden – keine einfache Aufgabe. Zwar soll die geschützte historische Substanz erhalten bleiben, die Nutzungen müssen aber dennoch Sinn machen und vor allem rentieren. Auch das ein Grund, weshalb in den historischen Gebäuden nun so unterschiedliche neue Nutzungen entstehen.

Die Bauzeugen und das baukulturelle Erbe sollen in die nächste Generation weitergehen.
Autor: Reto NussbaumerLeiter Aargauer Denkmalpflege

Für Denkmalpfleger Reto Nussbaumer ist entscheidend, dass man zusammen mit den Eigentümern eine Lösung findet und das Gebäude erhalten bleiben kann: «Es ist die Idee des kantonalen Schutzes, dass die Bauzeugen und das baukulturelle Erbe in die nächste Generation weitergeht. Und das lässt sich mit einer gescheiten Umnutzung erreichen.»

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