Seilbahn Weissenstein hat grünes Licht

Am Samstag fahren zum ersten Mal die neuen Gondeln auf den Weissenstein, den Solothurner Hausberg. Ein jahrelanges Seilziehen geht damit zu Ende. Eine Auseinandersetzung, die die höchsten Gerichte der Schweiz beschäftigt hat.

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Eröffnung der neuen Weissensteinbahn

4:07 min, aus Schweiz aktuell vom 19.12.2014

Für viele Solothurner ist es ein Weihnachtsgeschenk: Die neue Gondelbahn auf den Solothurner Hausberg Weissenstein nimmt am Samstag den Betrieb auf. Die 25 Millionen Franken teure Anlage hat eine lange Leidensgeschichte.

Vier Jahre lang fuhr keine Bahn mehr auf den Weissenstein.«1280 – üse Bärg», mit diesem fast kryptischen Slogan wirbt die Bahnbetreiberin, die Seilbahn Weissenstein AG, für das Ausflugsziel.

Die Betreiberin verdeutlicht auf diese Weise die emotionale Bindung der Solothurnerinnen und Solothurner mit ihrem 1280 Meter hohen Hausberg Weissenstein.

Betriebsbewilligung Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein entscheidendes Dokument: Die Betriebsbewilligung des BAV für die neue Gondelbahn. zvg

Es ist eine Liebesbeziehung der besonderen Art. Mit dem Hausberg verbinden viele Leute Erinnerungen an ihre kleine Flucht aus dem Alltagstrott, an gesellige Stunden und an Momente des wärmenden Sonnenscheins hoch über dem Nebelmeer des Mittellandes. Der Weissenstein lässt niemanden kalt.

Doch vier Jahre lang waren die Solothurner auf Entzug gesetzt. Es fuhr keine Seilbahn mehr auf den Weissenstein. Das Postauto bot zwar Ersatzfahrten an drei Wochentagen zwischen Mai und November an. Innerhalb von fünf Jahren nutzten fast 60'000 Personen das Angebot.

Langer Rechtsstreit, kurze Bauzeit

Das neue Zeitalter, das eigentlich die alte Epoche ist, beginnt am Samstag. Eine moderne Seilbahn mit 49 Sechser-Gondeln transportiert bis zu 900 Personen pro Stunde auf den Weissenstein.

Die rund 10 Minuten dauernde Fahrt ist über 2,2 Kilometer lang. Die Höhendifferenz von der Talstation Oberdorf bis zur Bergstation beträgt 617 Meter.Die moderne, 25 Millionen Franken teure Gondelbahn stammt vom Schweizer Hersteller Garaventa. Die Bauarbeiten starteten im vergangenen März. Letztlich lief alles wie am Schnürchen.

Umso steiniger war der Weg zur neuen Bahn. Im November 2009 hatte die alte «Sesselibahn» ihren Betrieb für immer eingestellt. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) erneuerte die Konzession nicht. Die Sicherheit für die Passagiere war gemäss BAV nicht mehr gewährleistet. Wolldecken wärmten Passagiere der alten «Sesselibahn».

Die «Sesselibahn» war im Dezember 1950 in Betrieb genommen worden. Ein Markenzeichen der Sesselbahn des Typs von Roll 101 waren die offenen Sessel mit je zwei Plätzen. In kühlen Tagen erhielten die Passagiere jeweils eine Decke, um sich aufwärmen zu können.

Die historische Bahn galt als Zeitzeuge für die Schweizer Pionierleistungen in der Seilbahntechnik. Der Schweizer Heimatschutz (SHS) versuchte daher, die Bahn auf dem juristischen Weg zu retten. Der SHS reichte beim BAV Einsprachen ein. Die alte Bahn sei «ein Denkmal von nationaler Bedeutung» und sei mit den Raddampfern auf den Schweizer Seen vergleichbar, hiess es.

Heimatschutz gegen Bahnbetreiberin

Der Rechtsstreit nahm seinen Lauf – und verzögerte das Neubauprojekt. Anfang 2012 reichte der SHS beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die vom Bund erteilte Konzession für die neue Gondelbahn ein. Auch der Verein «Pro Sesseli» kämpfte engagiert für den Erhalt der historischen Anlage.

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Bewilligung und Fest

Die Seilbahn Weissenstein hat am Freitag vom Bundesamt für Verkehr die definitive Betriebsbewilligung erhalten. Das Eröffnungsfest ist am Wochenende. Die Bahn fährt am Samstag von 12 bis 18 Uhr und am Sonntag von 8.30 bis 16.30 Uhr. Tickets für Erwachsene kosten 10 Franken, Kinder bezahlen 5 Franken.

In Solothurn lagen die Nerven blankViele Solothurnerinnen und Solothurner verstanden die Welt nicht mehr. Das Komitee «Neue Seilbahn auf den Weissenstein – JETZT!» lancierte seine Petition an den SHS. In nur zwei Monaten kamen 36'000 Unterschriften zusammen.

Das ging so weit, dass der Bahnbetreiber die «Sesselibahn» dem SHS schenken wollte, wenn dieser dafür die Beschwerde gegen den Neubau zurückziehen würde.

Auch das ist eine Episode aus dem Streit: Die Stadt verbot den Schulkindern 2010, den «Schoggitaler» des Schweizer Heimatschutzes zu verkaufen. Der SHS wollte nämlich einen Teil des Erlöses für den Erhalt der alten Sesselbahn verwenden.

Gericht spricht Machtwort

Das Seilziehen um die neue Seilbahn auf den Weissenstein endete im Mai 2013. Das Bundesverwaltungsgericht gab grünes Licht für den Abbruch der historischen Sesselbahn. Die Richter wiesen die Beschwerde des SHS ab.

Eine sicherheitstechnische Sanierung der historischen Anlage mache keinen Sinn, weil ausgerechnet jener Teil verschwinden müsste, welche der SHS aus denkmalschützerischen Gründen als erhaltenswert erachte. Der SHS verzichtete darauf, den Fall ans Bundesgericht weiterzuziehen.

Die alte Bahn wurde zügig abgebrochen. Sammler kauften die begehrten 100 «Sesseli» – und die neue Gondelbahn wurde gebaut.Jetzt sollte nichts mehr schiefgehen. Der Ernstfall wurde bereits geprobt. Ende November gab es eine Rettungsübung. Wenn der Strom ausfällt und die Gondeln in luftiger Höhe stecken bleiben, so können die Passagiere fachmännisch aus ihrer misslichen Lage befreit werden.

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Rita und das Seilbahnsesseli

5:17 min, aus Happy Day vom 7.9.2013