«Selbsthilfe-Gruppen sind weit mehr als Jammeri-Grüppli»

1994 wurde die Solothurner Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen gegründet, auf Wunsch von Ärzten und Beratungsstellen. Seither hilft die Stelle Betroffene zu vernetzen oder leistet auch Starthilfe für Selbsthilfegruppen. Trotz Internet brauche es das Angebot, sind die Verantwortlichen überzeugt.

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Bildlegende: Regina Schmid, Leiterin der Kontaktstelle Selbsthilfegruppen im Kanton Solothurn, zu Besuch im SRF-Studio Solothurn. SRF

Die kantonale Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen bietet rund 80 Angebote. Das Spektrum ist breit: Von Gruppen für Menschen mit Depressionen, dem Chor für Menschen mit einer Hirnverletzung bis zu Gruppen, die sich über das Thema sexuellen Missbrauch austauschen.

Finanziert wird die Kontaktstelle zur Hälfte durch den Kanton Solothurn, der grosse Rest besteht aus Spenden. Gerade die Spenden seien wichtig, in der 20-jährigen Geschichte sei die Stelle aufgrund fehlender Mittel auch schon bedroht gewesen, erklärt die aktuelle Leiterin Regina Schmid im Interview mit Radio SRF.

«Das sind keine Jammeri-Grüppli»

Selbsthilfegruppen kämpfen auch heute noch gegen Vorurteile, weiss die Leiterin der Solothurner Kontaktstelle. Die Selbsthilfegruppen seien sehr unterschiedliche, vielseitig, und sitzen nicht nur im Kreis und reden über ihre Probleme. Es gibt auch Gruppen, die fokussieren auf gemeinsame Freizeitaktivitäten.

«Tabus gibt es immer noch»

Auch nach 20 Jahren sei die Kontaktstelle noch wichtig, sagt Regina Schmid weiter. Das Internet biete zwar Plattformen für einen Austausch, das Gespräch ersetze das Internet aber nie. Die Themen hätten sich über die Jahre verändert, Tabus gäbe es aber auch noch heute.

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Bildlegende: Selbsthilfe ist nicht dasselbe wie die klassische Gruppentherapie (im Bild Massnahmenzentrum Arxhof). Keystone

Eltern, welche die Obhut über ihre Kinder verlieren, wollen nicht öffentlich auftreten, zum Beispiel.

Ziel der Solothurner Kontaktstelle ist es, noch bekannter zu werden. Zudem gilt es, die Stelle langfristig finanziell zu sichern. «Es braucht auch in 10 oder 20 Jahren noch Selbsthilfegruppen, wenn allenfalls auch in einer anderen Form», ist Schmid überzeugt.