Seltenes «Pfingstsprützlig» im Kanton Aargau

Was früher im ganzen Fricktal verbreitet war, findet heute nur noch in zwei aargauischen Gemeinden statt. Das Pfingstsprützlig ist 100-jähriger Brauch. Einem älterer Schüler wird ein Laubkleid angezogen. Er wühlt mit einem Stock im Dorfbrunnen und hofft auf viel Wasser, das spritzt.

Am Pfingstsonntag findet in Sulz und in Gansingen ein weiteres Mal das Pfingstsprützlig statt. Jeweils am Morgen des Pfingstsonntags treffen sich die älteren, starken Schüler und laufen gemeinsam in den Wald auf der Suche nach Buchenlaub. Mit diesem Buchenlaub ziehen sie einem der Schüler ein Laubkleid über. Bis zu 20 Kilogramm wiegt so ein Gewand am Ende.

Zusammen mit zwei Helfern begibt sich diese träge «Gestalt» dann ins Dorf. Dort wühlt sie mit einem Stock durch seitliches Hin- und Herschwingen das Wasser in den Brunnentrögen auf. Um die Brunnen herum stehen hunderte von Dorfbewohnen und Schüler, welche den sogenannten «Pfingstsprützlig» mit Glocken und Toben bejubeln. Je mehr Wasser rausspritzt, desto grösser ist der Applaus.

Fruchbarkeits- und Wachstumsritual

In Sulz findet dieser Brauch seit bald 30 Jahren wieder regelmässig statt. Man vermutet, dass der heidnische Brauch früher «Pfingsthutte» hiess und im ganzen Fricktal verbreitet war. Das herausgespritzte Wasser, welches die Frauen trifft, soll für grosse Fruchtbarkeit und eine erfolgreiche Ernte sorgen. Inzwischen ist der Brauch im Fricktal eher selten und nur noch in Sulz und Gansingen präsent.