Stimmt das Solothurner Volk über «Integrative Schule» ab?

«Integrative Schule» – Fluch oder Segen? Die Meinungen zum neuen Schulmodell gehen im Kanton Solothurn auseinander. Die Regierung will die «Integrative Schule» 2014 im ganzen Kanton einführen. Kritiker verlangen eine Wahlmöglichkeit für Gemeinden. Gegner wollen gar zum früheren Modell zurück.

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Bildlegende: Spezielle Förderung der Schüler dank Heilpädagogen – die Solothurner Regierung hält an diesem Schulmodell fest. Keystone

Das Schulmodell der «Integrativen Schule» soll im ganzen Kanton Solothurn eingeführt werden. Die Regierung bleibt dabei. Von einem Stopp will die Regierung genauso wenig wissen, wie von einer Wahlmöglichkeit für die Gemeinden.

Was ist besser? Wenn schwache oder auffällige Schüler getrennt von den «normalen» Kindern unterrichtet werden, in Einführungs- oder Kleinklassen? Oder wenn möglichst alle Kinder zusammen in die gleiche Klasse gehen? Das neue Schulmodell der «Integrativen Schule» setzt klar auf das Zweite: Grundsätzlich besuchen alle Kinder die gleiche Klasse.

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Bildlegende: Das integrative Schulmodell gibt es bereits in verschiedenen Kantonen. Die Solothurner Regierung will es auch einführen. Keystone

Jene Kinder, die Mühe haben mit der Sprache, die nicht still sitzen können oder ein Aufmerksamkeits-Problem haben, werden dabei «speziell gefördert». Zusätzlich zu den Lehrerinnen und Lehrern werden solche Schüler von Heilpädagoginnen und Logopäden betreut.

Kein Stopp der «Integrativen Schule»

Im Kanton Solothurn unterrichten bereits 90 Prozent der Schulen nach dieser neuen Methode. Sie wurde im Rahmen eines Versuchs eingeführt. Geht es nach den Plänen des Regierungsrats soll die «Integrative Schule» nun ab dem Schuljahr 2014/15 im ganzen Kanton gelten.

Gegen dieses Vorhaben wächst im Parlament nun allerdings grosser Widerstand. Ein Vorstoss der SVP verlangt den kompletten Stopp der «Integrativen Schule» und eine Rückkehr zum früheren Modell mit den Kleinklassen. Die Regierung lehnt dieses Anliegen ab, wie sie in ihrer Antwort am Dienstag klar macht. Man könne die spezielle Förderung nicht einfach stoppen, dazu müsste man das Gesetz wieder ändern. Zudem würde ein Stopp Eltern und Behörden verunsichern. Weiter überlegen Kritiker der «Integrativen Schule», eine Volks-Initiative zu lancieren. Das letzte Wort könnte also beim Solothurner Stimmvolk liegen.

Regierung hält höhere Kosten für «vertretbar»

Sowieso sei die Wirkung der speziellen Förderung auf die Schüler an den Versuchsschulen «grossmehrheitlich positiv», hält die Regierung der Kritik entgegen, die spezielle Förderung würde zu sinkender Bildungsqualität führen. Die Akzeptanz des Modells bei Eltern und Lehrern sei nachgewiesen worden, sagt die Regierung.

Die Regierung gibt zwar zu, dass die Kosten der speziellen Förderung heute gesamthaft höher sind als diejenigen für die ehemaligen Kleinklassen. Das eine sei mit dem anderen aber nicht vergleichbar, da die spezielle Förderung für die Kinder besser sei. «In der Gesamtbetrachtung ist die Kostenzunahme in der speziellen Förderung deshalb vertretbar und erklärbar», so die Regierung.

Gemeinden sollen keine Wahl haben

Auch von einer Wahlfreiheit für die Gemeinden will die Solothurner Regierung nichts wissen. Ein entsprechender Vorstoss der grünliberalen Kantonsrätin Nicole Hirt wurde von 47 Kantonsräten unterschrieben, also fast dem halben Parlament. Zu kompliziert und zu teuer wäre es, zwei Modelle parallel zu betreiben, findet die Regierung. Sie befürchtet einen «Flickenteppich».

Nicole Hirt zeigt sich auf Anfrage sehr enttäuscht über die Antwort der Regierung. Sollte das Anliegen im Kantonsrat kein Gehör finden, will die Grünliberale gar eine Volks-Initiative lancieren. Mit anderen Kantonsräten aus Grenchen plane sie für diesen Fall eine Unterschriften-Sammlung, sagt Hirt dem Regionaljournal Aargau Solothurn.

Die beiden Vorstösse waren vom Parlament im November für dringlich erklärt worden. Deshalb werden sie bereits im Dezember im Kantonsrat behandelt. Es ist eine angeregte Diskussion zu erwarten.