Strassenprojekt im Aargau: Bestnote von rechts, Kritik von links

Der Aargauer Regierungsrat will das Verkehrsaufkommen im Ostaargau langfristig in den Griff bekommen. Er schlägt mehrere Lösungsvarianten für die Regionen Baden, Brugg und unteres Aaretal vor. In der Vernehmlassung zeigt sich, dass die Meinungen stark auseinander gehen.

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Bildlegende: Diese Varianten werden weiterverfolgt. Rote Linien zeigen die möglichen Massnahmen in der engeren Auswahl. ZVG

Die Agglomerationen Baden und Brugg sowie das untere Aaretal leiden heute schon teilweise unter sehr hohem Verkehrsaufkommen. Der Aargauer Regierungsrat geht davon aus, dass sich die Probleme in Zukunft noch verschärfen.

Deshalb hat der Regierungsrat Ende letzten Jahres das Konzept «Ostaargauer Strassenentwicklung» (Oase) präsentiert. Es ist auf einen Zeitraum von über 20 Jahren ausgelegt uind beinhaltet verschiedenen Lösungsvarianten. Je nachem kosten einzelne Massnahmen 150 bis 550 Millionen Franken.

Mögliche Massnahmen in der Ostaargauer Strassenentwicklung

Entlastete Region
Massnahme, Variante
Grobkosten (+/-50%)
Brugg/WindischNordumfahrung Windisch mit Spange Aufeld
152 Mio. CHF
Brugg/WindischSüdostumfahrung Windisch mit neuer Aarequerung
351 Mio. CHF
BadenBaden West mit Anschluss Mellingerstrasse
437 Mio. CHF
BadenBaden West ohne Anschluss Mellingerstrasse
440 Mio. CHF
Baden
Martinsbergtunnel545 Mio. CHF
Unteres Aaretal
Neue Rheinbrücke Koblenz
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Unteres Aaretal
Umfahrung Siggenthal Station
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In der Anhörung, die am Freitag endete, zeigt sich, dass die Meinungen zur Strassenstrategie der Regierung stark auseinander gehen:

  • SVP und FDP stehen voll und ganz hinter der «Ostaargauer Strassenentwicklung».
  • CVP begrüsst Stossrichtung, äussert aber auch Bedenken (Finanzierung, Risiko von mehr Durchgangsverkehr aus Deutschland Richtung Baden).
  • SP, Grüne, Grünliberale lehnen «Oase» grundsätzlich ab mit der Begründung, dass mehr Strassen nur noch mehr Verkehr bringen und die Zersiedlung fördern. Ausserdem haben sie ein Problem mit den Kosten.

Denn der Kanton Aargau steht vor grossen finanziellen Herausforderungen, die Regierung will sparen, was die bürgerlichen Parteien befürworten. Für den Aargauer FDP-Präsidenten Matthias Jauslin stehen die Sparbemühungen aber nicht im Widerspruch zu den Strassenprojekten.

Denn diese werden im Aargau über eine separate Rechnung finanziert, nicht über das normale Budget. Ausserdem erachtet Jauslin die «Oase»-Projekte als sinnvolle, nachhaltige Investitionen in die Aargauer Infrastruktur. «Wir werfen kein Geld aus dem Fenster. Wenn wir nichts unternehmen, haben wir später einen Verkehrskollaps.»

Beim Menschen ansetzen, nicht bei Strassen

Auch diejenigen Parteien, die sich in der Anhörung gegen «Oase» stellen, möchten natürlich etwas unternehmen, damit es nicht zu einem Kollaps kommt. Im Gegensatz zur Aargauer Regierung möchten sie aber nicht beim Strassenbau ansetzen, sondern beim Menschen.

Er soll das Auto stehen lassen und umsteigen auf den öffentlichen Verkehr oder das Velo. Die Grünen bringen auf Anfrage von Radio SRF verschiedene Ideen ins Spiel: Mehr Velowege, Roadpricing, Parkplätze weiter von den Siedlungen weg bauen, so dass Bushaltestellen näher sind, etc.

Damit zeichnet sich ein klassisches Links/Rechts-Lager ab im Hinblick auf die Beratungen im Aargauer Grossen Rat mit der Grundsatzfrage: Neue Strassen – ja oder nein?