Stromleitung Niederwil-Obfelden: Planung neu auch im Bünztal

Von der seit langem geplanten Hochspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden im Kanton Zürich sind neu auch neun Gemeinden im oberen Freiamt betroffen. Bund und Kanton wollen die Planungszone ins Bünztal ausweiten. Man will die Erdverkabelung prüfen.

Ein Starkstrommast in Rothenburg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei der geplanten Hochspannungsleitung zwischen den Kantonen Aargau und Zürich darf nun auch das Bünztal mitreden. Keystone

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Freude

Der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) hatte verlangt, die neue Leitung solle in der Erde verlegt werden, im Idealfall entlang der schon bestehenden Gasleitung im Bünztal. Dass nun das Bünztal zum Planungsperimeter gehört, freut VSLR-Präsiden Hans Kneubühler: «Wir sind zufrieden, dass unserer Forderung stattgegeben wurde.»

Die Hochspannungsleitung von Niederwil bis nach Obfelden im Kanton Zürich soll ersetzt und auf eine Leitung von 380 Kilovolt ausgebaut werden. Das Bundesamt für Energie und der Kanton Aargau wollen das ursprünglich vorgeschlagene Planungsgebiet Reusstal nun um das Bünztal südlich von Waltenschwil erweitern.

Damit kommen der Bund und der Kanton den entsprechenden Begehren während der öffentlichen Auflage für das Planungsgebiet im Sachplan nach. Von der Erweiterung des Planungsgebiets sind neun zusätzliche Gemeinden betroffen, wie das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) am Mittwoch mitteilte.

Erdverkabelung prüfen

Der Grund für die Ausweitung des Planungsgebietes: Der Widerstand gegen die Leitung im Reusstal ist gross. Die Masten würden die Landschaft verschandeln, kritisieren die Bewohner. Und viele haben Angst vor der elektrischen Strahlung.

Karte mit Planungsgebieten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bis jetzt wollte man die Leitung in den Räumen 1 und 2 bauen. Neu wollen Bund und Kanton auch im Süden (4,5,6,7) planen. zvg

Widerstand kommt insbesondere vom Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal. Er fordert eine Verlegung der Leitung in den Boden. Doch diese Erdverkabelung ist im dicht besiedelten und bewaldeten Reusstal fast unmöglich. Im Bünztal wäre eine Erdverkabelung eher denkbar.

Bernhard Fischer von der Abteilung Raumentwicklung des Aargaus sagt: «Um sicherzustellen, dass wir die bestmögliche Variante, inklusive allfällige Erdverlegung, nicht verpassen, ist das Gebiet ausgedehnt worden.»

Der Grosse Rat entscheidet wohl im Herbst

Vom ausgeweiteten Planungsgebiet sind neu die Gemeinden Auw, Beinwil, Boswil, Büttikon, Geltwil, Kallern, Merenschwand, Mühlau und Muri betroffen. Diese Dörfer können sich nun zum neuen Perimeter äussern. Der Grosse Rat wird voraussichtlich im Herbst über die notwendige Anpassung des Richtplans entscheiden.

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Ärger

Pius Wiss ist Präsident der Regionalplanungsgruppe Oberes Freiamt. Zu dieser Region gehören die Gemeinden des Bünztals. Die Idee einer in der Erde verlegten Starkstromleitung im Bünztal kommt bei Wiss schlecht an: «Die Strecke wird viel länger und damit teurer. Man könnte die Leitung auch im Reusstal in den Boden legen, entlang einer Strasse.»

Die bestehende, rund 17 Kilometer lange 220-Kilovolt-Leitung zwischen Niederwil und Obfelden ist ein Flaschenhals im schweizerischen und europäischen Übertragungsnetz. Mit der Verstärkung auf 380 Kilovolt wird die regionale und internationale Versorgungssicherheit erhöht, wie das BVU festhält.

Inbetriebnahme im Jahr 2022

Die Netzgesellschaft Swissgrid hatte im Januar das Sachplanverfahren für die Leitung gestartet. Wenn letztlich der Bundesrat den Planungskorridor festgesetzt haben wird, kann die Netzgesellschaft die konkrete Leitungsführung für das Detailprojekt ausarbeiten. Sie wird ein Plangenehmigungsgesuch einreichen müssen.

Bei einem optimalen Verlauf des Verfahrens ohne Weiterzug an die Gerichte rechnet Swissgrid mit einer Inbetriebnahme der 380-kV-Leitung bis ins Jahr 2022.