Schule Ennetbaden Umstrittener Versuch: Nur noch halb so viel Hausaufgaben

Die Schule Ennetbaden hat vor zwei Jahren ihr Hausaufgaben-Modell umgekrempelt: Nur noch halb so viele Hausaufgaben, dafür fokussiert aufs Lesen. Die Bilanz fällt positiv aus – doch nicht alle Eltern sind von der Aufgaben-Halbierung überzeugt.

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Eine neue Hausaufgabenkultur in Ennetbaden AG

3:33 min, aus Schweiz aktuell vom 7.7.2017

Hausaufgaben sollen nicht einfach eine Beschäftigungstherapie sein, sondern sinnvoll. Dies hat sich der Ennetbadener Schulleiter Ivo Lamparter auf die Fahne geschrieben. «Die Gleichung, dass viele Aufgaben einen grossen Lerneffekt haben und weniger Aufgaben einen kleinen, die stimmt so nicht», erklärt er gegenüber SRF.

Deshalb bekommen die Ennetbadner Primarschüler seit zwei Jahren deutlich weniger Hausaufgaben. Und wenn sie doch bekommen, dann sind diese stark auf das Lesen fokussiert.

«  Die Akzeptanz unter den Schülern ist gross. »

Claudia Mehle
Primarlehrerin Ennetbaden

Die Lehrer waren ausschlaggebend für den Wechsel. «Es brauchte zwar eine gewisse Umstellung, aber die Akzeptanz unter den Schülern ist gross und sie sehen ein, dass Lesen sehr wichtig ist und in andere Fächer wie etwa die Mathematik einspielt», sagt Primarlehrerin Claudia Mehle.

Einen Nachteil haben die Schüler aus Ennetbaden nicht gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen mit «normalen» Hausaufgaben. Gemäss Schulleitung läuft der Übertritt in die Oberstufe auch zwei Jahre nach der Umstellung problemlos.

Begeisterte Eltern - aber auch kritische Eltern

Im Haushalt der Familie Lehmann gebe es seit der Umstellung weniger Konflikte, sagt Cathryn Lehmann, Mutter von Paula. Sie besucht in Ennetbaden die 6. Klasse. Früher seien sie und Paula häufig aneinandergeraten, etwa beim Lösen von Mathematik-Hausaufgaben.

«  Wir haben weniger Konflikte. »

Cathryn Lehmann
Mutter aus Ennetbaden

Die Mutter habe teilweise einen anderen Lösungsweg vorgeschlagen als die Kinder in der Schule gelernt hatten. Mit der Reduktion der Hausaufgaben habe sich diese Situation entspannt.

Mädchen schreibt am Küchentisch, Mutter hält Papier in der Hand Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben wird schon länger gestritten: Ennetbaden versucht einen Mittelweg. Keystone (Symbolbild)

Bei der Familie von Paulas Schulkollegin Kim ist man von der Umstellung jedoch nicht überzeugt. «Leseförderung ist zwar super, aber das alleine reicht nicht. Wir Eltern wussten früher besser, was gerade im Unterricht läuft und ich empfinde es als schwierig nun immer hinten ran sein zu müssen um zu erfahren, was sonst noch so läuft», sagt Mutter Britt Wetzel.

Aufgrund der positiven Erfahrungen will die Schule Ennetbaden am Modell der Hausaufgaben-Halbierung aber festhalten - trotz einiger kritischer Voten aus dem Umfeld.

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Über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben

3:57 min, aus 10vor10 vom 14.8.2012