Vernetzt für die Vielfalt: Naturschützer spannten zusammen

Vier Jahre lang haben der Solothurner Vogelschutzverband und der Baselbieter Natur- und Vogelschutzverband zusammen gearbeitet. Das Projekt «Vernetzte Vielfalt» habe die Artenvielfalt gerade im Schwarzbubenland gestärkt, so die Bilanz. Tatsächlich: Die Resultate sind ganz konkret.

Leute vor der Trockenmauer, eine Frau referiert Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lebensraum aus über 100 Tonnen Kalkstein: Die neue Trockenmauer in Büren ist eines der abgeschlossenen Projekte. zvg/Matthias Huber

Der Solothurner und der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband gehören zu den «mittelgrossen» Verbänden, erklärt Thomas Lüthi. Er präsidiert den Solothurner Verband. Die Zusammenarbeit der beiden Kantone habe sich aufgedrängt.

«Gerade im Schwarzbubenland arbeiteten unsere Sektionen schon früher zusammen, die Dörfer liegen gegenseitig sehr nahe.» Und: «Die Artenvielfalt macht keinen Halt an der Kantonsgrenze.»

Vor vier Jahren haben die beiden Verbände deshalb das Projekt «Vernetzte Vielfalt» angestossen. Am Samstag haben sie nun an einer Medienkonferenz in Büren (SO) gemeinsam Bilanz gezogen.

Das Resultat:

  • 46 realisierte Naturschutzprojekte im Kanton Solothurn
  • 32 realisierte oder gestartete Naturschutzprojekte im Kanton Baselland

Zwar wurde das definierte Ziel im Kanton Baselland verfehlt: 45 Projekte hätte man eigentlich realisieren wollen. Die Projekte seien dafür «sehr vielfältig» und zum Teil auch sehr aufwändig gewesen, betont Thomas Lüthi im Gespräch mit Radio SRF.

Allen gemeinsam war die Bemühung, die Artenvielfalt in den dicht besiedelten Regionen der beiden Kantone zu erhalten. Dazu gab es Aus- und Weiterbildungsangebote, Aufklärungskampagnen, aber auch ganz konkrete Naturschutzprojekte.

Eine Auswahl an Projekten:

  • Bau von Trockenmauern (Lebensraum für Amphibien)
  • Pflanzung von Feldbäumen (Hochstammbäume) oder seltenen Waldbäumen
  • Erstellung und Sanierung von Weihern und Feuchtgebieten (für Amphibien)
  • Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse, Plattformen für Storche

Thomas Lüthi ist mit dem Resultat zufrieden. Die Zusammenarbeit der beiden Verbände habe sich gelohnt. Klar: Einen Weiher sanieren, das kann eigentlich auch eine einzelne Sektion des Natur- und Vogelschutzverbandes. Viele Projekte wären aber ohne die Zusammenarbeit nicht realisierbar gewesen, betont Lüthi.

Die Vorteile der Zusammenarbeit:

  • Durch das gemeinsame Projekt konnten grössere Geldbeträge eingenommen werden als sonst üblich. Stiftungen, aber auch die Lotteriefonds der beiden Kantone unterstützten die Naturschützer grosszügig. So flossen gemäss Mitteilung allein im Jahr 2013 45'000 Franken in Naturschutzprojekte.
  • Einzelne Aufgaben sind sehr personalintensiv. So wurde im Jahr 2012 der seltene Mittelspecht gezählt. Eine aufwändige Aktion: «Man sieht diesen Vogel kaum. Deshalb haben wir seinen Laut abgespielt und auf Antwort gewartet. So konnten wir die Exemplare zählen», erklärt Thomas Lüthi. Für diese Zähl-Aktion waren über 80 Personen an verschiedenen Orten und mehrere Male im Einsatz. Ein einzelner Kantonalverband hätte das kaum geschafft.

Trotz der positiven Bilanz: Die Zusammenarbeit wird wie geplant nach vier Jahren nun beendet. Thomas Lüthi ist aber überzeugt, dass auch die Verbände in dieser Zeit zusammen gewachsen seien. «Man kennt sich nun viel besser», so Lüthi. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man auch in Zukunft einzelne Projekte gemeinsam angehe.

«  Natürlich haben wir die Artenvielfalt nicht gerettet. »

Thomas Lüthi
Präsident Vogelschutzverband

Doch: Konnten die beiden Verbände die Artenvielfalt im Schwarzbubenland in diesen vier Jahren nachhaltig verändern? «Viele neue Lebensräume sind entstanden und werden von unseren Sektionen auch weiter gepflegt», versichert Thomas Lüthi. Aber: «Natürlich haben wir die Artenvielfalt nicht gerettet. Immerhin haben wir den Menschen aber zeigen können, dass sie bedroht ist.»

Noch immer stünden viele Tier- und Pflanzenarten auf der roten Liste, so Lüthi. «Mit unseren Projekten konnten wir zeigen, dass es auch in dieser dicht besiedelten Region möglich ist, etwas für die Artenvielfalt zu tun.»