Milizsystem Kanton Aargau Wenig Interesse an Zeugnissen für Gemeinderäte

Wer im Aargau im Milizamt Gemeinderätin oder Gemeinderat ist, kann sich für diese Arbeit ein Zeugnis ausstellen lassen. Doch das Interesse an diesem Zertifizierungsprogramm ist bis jetzt gering. Das Programm ist zu wenig bekannt. Doch es gibt noch andere Gründe.

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Bildlegende: In den Aargauer Gemeindehäusern gibt es bisher keine zertifizierten Gemeinderäte. SRF

Die Idee ist eigentlich bestechend: Als Gemeinderat erwirbt man nicht nur Führungserfahrung. Man erwirbt sich in vielen Dossiers auch wichtige Fachkenntnisse. Sucht man dann einmal einen neuen Job, sollen einem diese Kenntnisse den Weg ebnen für einen Karriereschritt.

Die Gemeindeammännervereinigung (GAV) und der Kanton haben dazu ein Pilotprojekt lanciert. Bei der Schweizer Kaderorganisation (SKO) können Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ihre Führungskompetenzen zertifizieren lassen. Dazu müssen sie z. B. eine Dienstbescheinigung einreichen, dazu eine Ethikbeglaubigung und eine Selbstevaluation. Die SKO prüft das Dossier und stellt dann ein Zertifikat aus.

Doch bis jetzt erhielt die SKO noch kein Dossier aus dem Aargau. Die Gründe:

  • Eine Umfrage des Regionaljournals bei diversen Gemeinderäten zeigt, dass das Programm nicht sehr bekannt ist. Viele Gemeinderäte haben noch gar nie davon gehört.
  • Viele Gemeinderäte sind eher älter oder sogar schon pensioniert. Zertifikate machen für sie keinen Sinn, da sie sich nicht mehr für neue Stellen bewerben.
  • Viele Gemeinderäte sind selbstständig erwerbend. Ein Zertifikat macht für sie keinen Sinn.
  • Das Zertifizierungsprogramm ist sinnvoll für eher jüngere Gemeinderäte, die angestellt sind. Voraussetzung für die Zertifizierung ist, dass man schon einige Jahre Erfahrung mitbringt und abgeschlossene Projekte vorweisen kann. Dies ist eine weitere Hürde für die Teilnahme am Programm.

Die Gemeindeammännvereinigung und die SKO haben Mitte Dezember besprochen, wie das Programm vorangebracht werden soll. So soll bei Gemeinderäten eine Umfrage zur Zertifizierung gemacht werden. Das Angebot soll auf den Websiten der SKO und der GAV prominenter aufgeführt sein. Und es wird geprüft, ob weitere Partner an Bord geholt werden sollen, z. B. der Gewerbeverband.