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Private Lehrmittel Wenn Syngenta den Schülern Landwirtschaft erklärt

Von Firmen gesponserte Lehrmittel werden immer populärer. Die grösste Anbieterin ist eine Aargauer Firma.

Neue Lehrmittel an einer Messe.
Legende: Private Lehrmittel werden im Internet angeboten und nicht, wie auf diesem Bild, klassiche Lehrmittel an Messen. Keystone

Das Angebot auf der Homepage von Kiknet ist riesig. Lehrerinnen und Lehrer finden zu vielen Themen kostenlose Arbeitsblätter, Lektionenpläne und Ausflugstipps. Das Angebot reicht vom Kindergarten bis zum Gymnasium. Vom Religionsunterricht bis zur Biologiestunde.

Der grösste Anbieter solcher Lehrmittel, Kiknet, kommt aus Wettingen, dies berichtet der «Beobachter». Kiknet verdient Geld mit gesponserten Lehrmitteln. Firmen, Verbände oder NGOs sponsern ein Thema, von Kiknet beauftragte Lehrer erarbeiten Pläne für Lektionen und Arbeitsblätter. Oftmals ist das Unterrichtsmaterial gut und interessant gestaltet. Der Haken bleibt aber, dass hinter einzelnen Themen Firmen oder Verbände mit Einzelinteressen stehen.

Kinder sind beeinflussbar

Beim Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverband ist man gewarnt. «Firmen oder Verbände drängen vermehrt in die Schulen. Sie wissen, dass Kinder leicht beeinflussbar sind», sagt Zentralsekretärin Franziska Peterhans.

Bei Kiknet gibt es viele unverdächtige Angebote, etwa Material zur «Lunge» von der Lungenliga oder zu «Transplantationen» vom Bundesamt für Gesundheit.

Andere Unterrichtsmaterialien machen zumindest stutzig: Der Agrochemiekonzern Syngenta steht hinter «Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft», die Lobbyorganisation Interpharma hinter «Bio- und Gentechnologie» und die Schweizer Zuckerindustrie zahlt für Material zum Thema «Zucker».

Neues Material entspricht den Regeln

Um der Gefahr von unausgewogenen Lektionen vorzubeugen, hat der Lehrerverband eine Charta ins Leben gerufen. Allerdings hat Kiknet, die grösste Anbieterin privater Lehrmittel, diese nicht unterzeichnet. Man unterstütze aber die Idee, sagt Reto Braun, pädagogischer Leiter von Kiknet.

Produkteplatzierungen kommen zum Teil in unseren Materialien vor.
Autor: Reto BraunPädagogischer Leiter Kiknet

Älteres Unterrichtsmaterial erfülle die Charta nicht, da es vor einigen Jahren noch keine solche Regeln gegeben habe. Die neuen Unterrichtsmaterialien würden aber alle die Charta des Lehrerverbands erfüllen, betont Braun. Wann dies für alle Angebote auf der Homepage von Kiknet gilt, bleibt offen.

Die Charta

Seit Herbst 2016 regelt eine Charta des Lehrerverbandes private Unterrichtsmaterialien. Gemäss dieser dürfen Lehrmittel die Schüler nicht beeinflussen. Verboten sind auch Produkteplatzierungen und Bons für Rabatte. Die Angebote dürfen nicht von politischen oder religiösen Gruppen stammen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Worin unterscheidet sich das Sponsern und Platzieren von Unterrichtsmaterial vom Verteilen des Korans? - Mir scheint da eine schleichende Abhängigkeit von solchen Materialien Einzug zu halten. Gehen durch das Sponsoring die Aufwände für offizielle Lehrmittel zurück, werden inskünftig auch die Budgets dafür nach unten angepasst werden.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    So weit sind wir also in der Schweiz nun auch, sehr, sehr traurig. Und gefährlich. Und der Ruf nach Privatschulen wird auch immer lauter. Ich verstehe nicht, wieso der Bund so etwas nicht unterbinden kann. Doch, ich verstehe es, von rechts und wirtschaftsliberaler Seite kommt ja dauernd, bei jeder Gelegenheit, der Wunsch nach weniger Staat, den Staat also ab zubauen, auf zulösen. Alles dem schnöden Mammon zu liebe. Arme Schweiz, schau mal nach USA und erkenne, wohin dein letzter Weg führt.
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    1. Antwort von René Balli (René Balli)
      Die Wirtschaft hat unsere Demokratie schon längstens unterwandert, die meisten Parlamentarier sind Wirtschaftsvertreter! Erwarten Sie daher keine grossen Reaktionen von Bund und Parlament. Die Agrarkonzerne werden ihre Propaganda genau so erfolgreich verbreiten und die Leute beeinflussen, wie es die Pharmaindustrie im Krankheitswesen tut. Die Sendung Puls ist ein gutes Beispiel. Da soll um Gesundheit gehen aber es werden hauptsächlich Krankheiten, Behandlungen und Produkte erklärt.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    So funktioniert eine Wirtschaftsdiktatur!
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