Werner Meier: Krisen sind des Solothurners Passion

Werner Meier sorgt dafür, dass der Schweiz auch bei einem Notfall nicht das Essen ausgeht. Und die Medikamente. Und das Erdöl. Seit Anfang Jahr leitet der Deitinger das Bundesamt für Landesversorgung. Allerdings nur im Nebenamt. Hauptberuflich ist er bei der Alpiq. Eine einmalige Job-Kombination.

Von seinem Büro im Dachgeschoss der Alpiq in Olten überblickt Werner Meier die ganze Stadt. Er muss allerdings auch die ganze Schweiz im Blick behalten. Denn Meier ist nicht nur zu 60 Prozent Leiter der Konzern-Sicherheit bei der Alpiq, sondern zu 40 Prozent auch noch Direktor des Bundesamts für Landesversorgung.

Dass ein Bundesamt im Nebenamt geleitet wird, ist einmalig. Doch das Gesetz will es so. Und das Gesetz verlangt auch, dass diese Person aus der Wirtschaft stammen muss. Und so leitet seit Anfang 2016 eben Alpiq-Manager Werner Meier die gesamte Organisation der wirtschaftlichen Landesversorgung mit dem Bundesamt als Stabsorgan (35 Mitarbeiter) und mit der Milizorganisation, die sich aus rund 300 Kaderpersonen aus der Privatwirtschaft zusammensetzt.

«Mann mit zwei Hüten»

Vom Internet-Portal Infosperber wurde Werner Meier wegen seiner Doppelrolle als «Mann mit zwei Hüten» kritisiert. Der Bundesrat habe mit der Ernennung des Alpiq-Managers zum obersten Landesversorger den Bock zum Gärtner gemacht.

«Ich habe nichts zu tun mit dem Stromverkauf bei der Alpiq. Von daher gesehen ist das kein Problem», kontert Meier die Filz-Vorwürfe. Und er betont, es habe grosse Vorteile, wenn Wirtschaftsvertreter gleichzeitig für die Krisenprävention des Bundes verantwortlich seien. Die Kaderleute stellten ihr Fachwissen und ihre Erfahrung in den Dienst der Landesversorgung.

Die Gefahr aus dem Internet

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Zur Person

Zur Person

Werner Meier (60) ist diplomierter Elektroingenieur ETH. Er hat bei Ascom, Atel und Swissgrid gearbeitet. Für die Alpiq hätte er in Gösgen ein zweites AKW bauen sollen, heute ist er Leiter Konzernsicherheit. Seit Januar 2016 ist er zudem Delegierter des Bundes für die Landesversorgung. In seiner Wohngemeinde Deitingen ist Meier FDP-Präsident.

Wenn es um mögliche Gefahren für die Schweiz geht, denkt der oberste Landesversorger nicht in erster Linie an einen dritten Weltkrieg. Eher befürchtet er heute Cyberattacken, welche die Infrastruktur der Schweiz lahmlegen könnten.

Als Leiter der Konzern-Sicherheit bei Alpiq muss Meier unter anderem dafür sorgen, dass die Computer der Kraftwerke nicht gehackt werden können. Und als Direktor des Bundesamts für Landesversorgung warnt er: Ohne Strom oder Internet könnten beispielsweise keine Lebensmittel ausgeliefert werden.

Vieles sei heute voneinander abhängig. «Unsere Gesellschaft wird immer verletztlicher», meint der 60-Jährige.

«Guter Rat: Notvorrat»

Und sollte es doch einmal passieren und ein Notfall eintreffen, hat Werner Meier natürlich vorgesorgt. Zu Hause in Deitingen hat er einen Notvorrat angelegt: 15 Liter Mineralwasser für sich und seine Frau und Esswaren, die leicht zubereitet werden können.

Auch in Zeiten des Überflusses mache es Sinn, vorzusorgen, meint der Deitinger: «Die öffentliche Trinkwasserversorgung kann jederzeit aus irgendwelchen Gründen ausfallen. Dann ist man froh, wenn man etwas zu Hause hat.»