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Aargau Solothurn Wird der Boden im Mittelland zu Schweizer Käse?

Zwei grosse Tunnelprojekte geben in diesen Tagen zu Reden: Das eine ist ein Bahntunnel zwischen Aarau und Zürich, das andere ist ein Tunnel für den Warentransport zwischen Härkingen und Zürich. Tunnelbauexperte Paul Stopper kennt sich mit solchen Projekten aus und er hat eine dezidierte Meinung.

Studio mit zwei Männern
Legende: Tunnelbauingenieur Paul Stopper (r.) im Gespräch mit SRF-Redaktor Mario Gutknecht. Wilma Hahn/SRF

Die Bevölkerung in der Schweiz wächst stetig und damit auch die Ansprüche an die Bahn. Der Pendlerverkehr nimmt stetig zu. Auch werden immer mehr Waren quer durchs Land transportiert. Vor allem im Mittelland stösst man an die Grenzen.

Deshalb will der Bund das Bahnnetz ausbauen. Ein grosses Projekt läuft bereits. Zwischen Aarau und Olten gibt es vier Spuren für die Bahn. Der dazu nötige Eppenbergtunnel befindet sich im Bau.

Cargo Sous Terrain
Legende: In einem Tunnelsystem sollen Waren quer durchs Mittelland transportiert werden. ZVG

«Abenteuerliche Projekte»

Aktuell sorgt ein Vorschlag für neue Impulse in der Diskussion um den Gütertransport: Das Projekt «Cargo Sous Terrain» sieht einen Tunnel nur für den Warentransport vor, der quer durchs Mittelland führt. Tunnelbauingenieur Paul Stopper kann diesem Projekt nicht viel abgewinnen: «Davon halte ich gar nichts», sagt Stopper im Gespräch mit dem Regionaljournal.

«Dieses Projekt wird nie funktionieren, weil es einfach unrealistisch ist», ergänzt der Vater der Zürcher Durchmesserlinie. Er glaube nicht daran, dass Waren, die schon auf dem Lastwagen sind, auf eine unterirdische Bahn verladen würden. Dezidiert äussert er im Gespräch seine Meinung und wird dabei auch deutlich gegenüber den Ideen anderer Experten.

Plan der5 Region zwischen Basel und Zürich mit verschiedenen möglichen Tunnels
Legende: Der Bund prüft Tunnels zwischen Olten und Basel-Landschaft (l.)sowie zwei Varianten zwischen Aarau und Zürich (r.). Bundesamt für Verkehr

«Man sucht die Probleme»

Im Personenverkehr wurde ebenfalls kürzlich ein neuer Vorschlag lanciert, einen rund 30 Kilometer langen Bahntunnel zwischen Rupperswil und Zürich Altstetten. Zwar findet Stopper diese Idee etwas besser als «Cargo Sous Terrain», dennoch sagt er deutlich, dass es seiner Meinung nach in dieser Form nicht gut ist.

«28 Kilometer lange Tunnels sind schwierig», findet Stopper. Und ausserdem sei die Linienführung nicht gut gewählt. «Die Bahnlinie würde wieder durch die Knoten Aarau und Olten, doch genau diese Knoten sollte man entlasten.»

Die Frage, ob es dann sogar einen noch längeren Tunnel bräuchte, verneint Stopper und plädiert für eine andere Linienführung weiter südlich, weil «eine Unterquerung des Reusstals ist sehr schwer, da sucht man nur Probleme.»

Ausweichrouten für Bahn trotzdem besser als Strasse

Man müsse aufpassen, dass man nicht zu viele Tunnel plant, findet der Ingenieur, der auch an der nicht realisierten Porta Alpina mitgeplant hat. Tunnel brauche es grundsätzlich eher in den Bergen, dort, wo halt keine oberirdische Linienführung möglich ist. Aber im Mittelland sei das nicht der Fall.

Allerdings gibt Stopper dann auch zu, dass es im dicht bebauten Siedlungsgürtel zwischen Genf und Romanshorn schwierig sei, neue Bahnlinien an der Oberfläche zu realisieren. Trotzdem: «Möglich ist es, das hat die Linie Matstetten-Rothrist gezeigt, man muss den Korridor einfach nochmal genau anschauen.»

Tunnelprojekte müssten Sinn machen und in sich stimmen, führt er weiter aus. Er betont dann aber auch, dass es zwischen Limmat- und Reusstal sowie zwischen Aarau und Olten zusätzliche Entlastungen braucht und dass sich hier auch Tunnel lohnen könnten: «Auch der Unterhalt von Strassen verschlingt viel Geld», es sei sicher klüger auf der Bahn mehr Ausweichmöglichkeiten zu bieten.

(Bildquelle: Keystone)

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2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    2050 werden wir wohl auch unterirdisch wohnen müssen, da es überirdisch keinen Platz mehr haben wird.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Auch als 76-jährigen "Grufti" hatte (und habe immer noch) stets den Glauben an Fortschritt, gewisse Utopien und technischer Wandel, nie verloren! Nur überlegt man sich im Alter solche Projekte vielleicht etwas gelassener und menschlicher: Wie wäre es, wenn wir endlich von der ewigen Meinung eines dauernden Wirtschaftswachstums wegkämen und das Land nicht vollständig mit Industrie, Dienstleistungs-Infrastrukturen und Wohnbauten zubetonieren? Bald wohnen 10'000'000 Menschen im engen Land Schweiz!
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