Yvonne Feri: «Mir wurde schnell langweilig»

Die Wettinger Gemeinderätin und SP-Nationalrätin will den Linken den zweiten Sitz in der Regierung sichern. Sie punktet mit nationaler Bekanntheit und einer breiten politischen Erfahrung. Doch für den Sprung in die Regierung braucht sie Stimmen bis weit in die Mitte.

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Yvonne Feri

Jahrgang 1966, sportbegeisterte, alleinerziehende Mutter zweier erwachsenen Töchter

  • seit 2011 Nationalrätin
  • seit 2006 Gemeinderätin Wettingen
  • 2012-2016 Präsidentin SP Frauen Schweiz
  • 2001-2005 Einwohnerrätin Wettingen
  • 1998-2008 Grossrätin
  • KV Abschluss (Schweizerischen Bauernverband)
  • 5 Jahre Geschäftsführerin Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband

Yvonne Feris Kandidatur ist keine Verlegenheitslösung für die SP. Die 50-jährige ist eine gestandene Politikerin mit Erfahrung in Exekutive und Legislative. Sie politisiert auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene und sie hat Erfahrung im Bereich des frei werdenden Departements Gesundheit und Soziales.

Politisch und sportlich durchhaltend hat sich Yvonne Feri beruflich oft neu orientiert. Bevor sie 2007 für fünf Jahre die Geschäftsführerin des Züricher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes wurde, hatte sie ihre Stellen meist nach weniger als 3 Jahren gewechselt. Es sei ihr schnell langweilig geworden, meint Feri dazu.

Inzwischen ist ihr Lebenslauf stabiler. Seit 2011 sitzt sie für den Aargau im Nationalrat. In Wettingen ist sie seit 10 Jahren im Gemeinderat. Mit dieser Arbeit in der Exekutive von Wettingen und der Stelle als Geschäftsführerin des Lehrerverbands habe sie auch die nötige Führungserfahrung für den Regierungsrat, so Feri.

Falls sie die Wahl schaffen würde, würde sie wohl das Departement der zurücktretenden Susanne Hochuli erben. Yvonne Feri weiss auch bereits, was sie anders machen würde. Im Asylbereich würde sie mehr mit allen Beteiligten kommunizieren.

«  Ich würde den Dialog mit Behörden, Bevölkerung und dem Grossen Rat suchen. »

Und auch betreffend der stetig steigenden Gesundheitskosten hat Feri klare Vorstellungen. Diese könne der Aargau nicht alleine in den Griff bekommen. Dazu brauche es die Zusammenarbeit mit den anderen Kantonen und dem Bund.

Die Kosten senken könne man zum Beispiel dadurch, dass die Patienten Leistungen nicht mehrmals beziehen. Konkret brauche es keine doppelten Röntgenbilder. Dank der elektronischen Patientenkarte könne dies in Zukunft verhindert werden.

«  Brauchen wir zwei grosse Spitäler? »

Auch das Gesundheits-Angebot mit zwei grossen Kantonsspitälern stellt Feri in Frage. Und die Privatisierung der Kantonsspitäler ist kein Tabu für sie. Töne die man von einer SP-Politikerin nicht unbedingt erwarten würde. Im Smart-Vote ist Feri bei der Wirtschaftspolitik denn auch deutlich liberaler als ihre eigene Partei.

Trotzdem sei sie in der SP richtig. «Ich bin in der SP, und habe dafür meine Gründe». Einer davon ist, dass sie sich stark für die Gleichberechtigung einsetzt. Ein typisch linkes Anliegen. Auch ihr Abstimmungsverhalten im Parlament ist gemäss einer aktuellen Auswertung sehr links. Sie relativiert jedoch und betont die unterschiedlichen Rollen als Exekutiv- und Legislativ-Politikerin. Sie wolle im Regierungsrat Politik für alle machen.

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Wahl auf Anhieb praktisch ausgeschlossen

Die SP hat mit Yvonne Feri fraglos eine geeignete Kandidatin gefunden, um Susanne Hochulis Sitz für die Linken zu verteidigen. Dennoch dürfte sie im ersten Wahlgang chancenlos bleiben. Zu viele Kandidaten bewerben sich um die beiden freiwerdenden Sitze und die Linken konnten sich nicht auf eine einzige Kandidatur einigen. Ob sie in einem zweiten Wahlgang dennoch in die Aargauer Regierung einzieht, dürfte davon abhängen, auf wie viele und welche Kandidaten sich die politischen Lager einigen.

Interview auf der Regierungsbank

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Video ««Mit Obrist und Hofmann wären wir sicher ein gutes Trio.»» abspielen

«Mit Obrist und Hofmann wären wir sicher ein gutes Trio.»

1:29 min, vom 22.9.2016

Sendebezug: Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr