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Die Jugend rebelliert im Aargau.
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Zeitgeschichte Aargau Wie die wilden 80er Jahre im Aargau ankamen

Es waren wilde Zeiten: Vor knapp 40 Jahren begann in der Stadt Zürich eine Jugendbewegung, die in der Folge auch den Kanton Aargau erfasste. Junge Menschen forderten mehr Freiräume, einen eigenen Platz in der Gesellschaft und eine neue Politik. Während es dabei in grösseren Städten in der Schweiz und im Ausland auch gewalttätige Krawalle gab, arrangierten sich Aargauer Gemeinden relativ rasch und reibungslos mit der neuen Bewegung.

Projekt Zeitgeschichte Aargau

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Eine Gruppe Historikerinnen und Historiker der historischen Gesellschaft Aargau arbeitet aktuell an der Erforschung der jüngeren Aargauer Geschichte zwischen 1950 und 2000. Im Rahmen des Projektes Zeitgeschichte Aargau soll dieser heute noch fehlende Teil der Kantonsgeschichte umfassend beleuchtet und aufgearbeitet werden. Ziele des Projektes, das auch vom Kanton Aargau unterstützt wird, sind einerseits die wissenschaftlichen Grundlagen für die historische Aufarbeitung zu schaffen und andererseits die attraktive Vermittlung der Zeitgeschichte in verschiedenen Formaten. So soll am Ende des Projektes nicht einfach ein Geschichtsbuch über diesen Abschnitt der Aargauer Geschichte vorliegen, sondern verschiedene multimediale und ev. interaktive Inhalte, welche die Geschichte anschaulich vermitteln.

Ein schönes Beispiel für dieses Arrangement der Öffentlichkeit mit der neuen Jugendbewegung findet sich in der Stadt Baden. An der Felsenstrasse wurde 1981 ein leerstehendes Haus besetzt, mit rund einjähriger Verspätung schwappte dieses Phänomen aus der Stadt Zürich nach Baden. Hier richteten sich im Wechsel verschiedene junge Leute ein und verfolgten neue alternative Lebens- und Wohnformen, es wurde musiziert und geschrieben, ein Lebensexperiment der neun Art.

Das besetzte Haus sorgte im bürgerlich-kleinstädtischen Baden natürlich schnell für Aufsehen. Junge Leute, die sich in fremdem Eigentum einnisten, anders aussehen, reden und leben als die grosse Mehrheit, das kam vielerorts nicht gut an. Auch die Stadtbehörden hatten gar keine Freude, weiss Historiker Patrick Zehnder, der sich aktuell mit den 80er Jahren im Aargau beschäftigt.

Weniger Repression, mehr Dialog

«Die Behörden haben dann aber sofort gemerkt, dass man in Baden nicht so reagieren kann wie in Zürich, mit Gewalt und Repression», erklärt der Historiker. Dafür seien die Strukturen in Baden viel zu kleinräumig gewesen, die Polizisten kannten die Besetzer mindestens über Umwege und die Besetzer hatten in der Kleinstadt auch mehr oder weniger direkte Verbindungen zu den politischen Behörden. «Man musste also miteinander reden und konnte nicht einfach dreinschlagen», sagt Zehnder, das galt für beide Seiten und entschärfte wohl viele Konflikte.

Genau in diesem Punkt – dem tieferen Radikalitätsniveau – unterscheidet sich die Aargauer 80er-Jahre-Bewegung gemäss dem Historiker von jener in anderen Städten. Vielleicht gab es auch deshalb in der breiten Bevölkerung etwas mehr Verständnis für die Anliegen der Jungen, sich auch ausserhalb etablierter Strukturen wie dem Turn- oder dem Gesangsverein zu beschäftigen.

Dieser Effekt galt in der Folge auch für die Jugendbewegung in anderen Aargauer Städten. Ob in Aarau, Wohlen, Lenzburg oder Bremgarten, überall gelang es mehr oder minder sich mit der Bewegung zu arrangieren. Der Aargau ging also offener mit der Entwicklung um, als man das vielleicht erwarten würde.

Noch heute spürbare Folgen der 80er Jahre

Die Anliegen der Jungen fanden dann auch relativ rasch Eingang in die offizielle Politik und die Gemeinden begannen die Jugendkultur zu fördern, wie es eine zentrale Forderung der Bewegung war. Es wurden Jugendkulturhäuser geschaffen, wo die Jugendlichen Freiräume fanden und daraus entstanden dann schliesslich auch heute bekannte Jugendlokale wie der Flösserplatz in Aarau, das Picadilly in Brugg oder das Werkk (ehemals Merkker) in Baden.

Zwar läuft die Aufarbeitung der 80er Jahre im Kanton Aargau im Rahmen des Projektes Zeitgeschichte Aargau noch und trotzdem kann Historiker Patrick Zehnder schon jetzt sagen, dass die Bewegung Spuren hinterlassen hat. «Die 80er sind wohl der Anfang der ganzen Kreativindustrie und dem freieren Leben. Hier haben die Jugendlichen sicher auch von der Vorarbeit der 68er Generation profitieren können.»

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