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Abwasser im Baselbiet Weniger Bachwasser wegen Rückbau von Kläranlagen

Damit den Fischen in den Bächen das Wasser nicht ausgeht, braucht es zusätzliche Massnahmen.

Im Baselbiet sind aktuell noch 22 kleine Kläranlagen in Betrieb. Diese haben in der Schweiz mittlerweile Seltenheitswert. Denn es gebe viele Gründe, die gegen solche kleinen Anlagen sprechen, sagt Pascal Hubmann, zuständiger Leiter des Amts für Industrielle Betriebe des Kantons. Sie seien störungsanfällig, können aber gleichzeitig nicht ständig überwacht werden.

Kleine Kläranalgen sind störungsanfällig und teuer

Der wichtigste Grund aber ist ihre Lage. Diese lokalen Kläranlagen reinigen das Wasser kleiner Dörfer - so etwa die Anlage Tschoppenhof bei der Gemeinde Liedertswil. Das gereinigte Abwasser fliesst in den nahegelegenen Bach. Doch weil der Bach so weit oben im Tal noch sehr klein ist, wird das gereinigte Abwasser nicht verdünnt. Im Gegenteil: es macht den Grossteil des Bachwassers überhaupt aus.

Das sei problematisch, da das Wasser nach der Kläranlage noch nicht einmal Badewasserqualität habe, sagt Hubmann. Es seien immer noch viele Nährstoffe darin enthalten und auch Mikroverunreinigungen, wie etwa Medikamentenrückstände. Deshalb will der Kanton in den nächsten Jahren alle 22 kleinen Kläranlagen schliessen und rückbauen. Am Mittwoch beantragte die Regierung beim Landrat 5,6 Millionen Franken für den Rückbau zweier Anlagen. Hubmann hält dagegen: «Ein Kubikmeter Abwasser zu reinigen ist in einer kleinen Kläranlage zehnmal teurer, als in einer grossen ARA wie zum Beispiel in Birsfelden».

Fische brauchen mehr Wasser

Alle 22 lokalen Kläranlagen zusammen reinigen das Abwasser von insgesamt 12'000 Einwohnern, was nicht einmal vier Prozent der Bevölkerung im Baselbiet entspricht. Diese Wassermengen könnten problemlos abgeleitet und zentral in den sechs grossen Abwasserreinigungsanlagen des Kantons aufbereitet werden, sagt Hubmann. Das Resultat: Die Bäche im Baselbiet werden sauberer. Allerdings führen sie entsprechend weniger Wasser.

Das bereitet Holger Stockhaus von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung Sorgen. Denn zusätzlich zum fehlendem Wasser aus den Kläranlagen müsse man in Zukunft wegen des Klimawandels wohl öfters mit längeren Trockenperioden wie diesen Sommer und Herbst rechnen. Dem Wassermangel müsse der Kanton entgegenwirken, findet Stockhaus. «Es braucht grundsätzlich mehr Wasser im Gewässersystem».

Regenwasser muss versickern können

Helfen würde es, wenn nicht nur das Abwasser sondern auch die Trinkwasserversorgung zentral organisiert wäre. Mit anderen Worten: Statt Grundwasser oben in den Tälern zu pumpen, sollten Gemeinden ihr Trinkwasser von weiter unten im Kanton erhalten. Ausserdem sei es wichtig, dass Regenwasser besser im Boden versickern könne, sagt Stockhaus.

So hindern heute die vielen verbauten Flächen das Regenwasser daran, im Boden zu versickern: Strassen leiten es in die Kanalisation und nicht in die Natur. Laut Stockhaus habe der Kanton das Problem erkannt und arbeite daran die Situation zu verbessern.

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