Gesundheitswesen Ambulatorium in Liestal: Basel-Stadt wurde nicht informiert

Das Kantonsspital Baselland will näher zu potentiellen Patientinnen und Patienten. Deshalb will das Spital im neu gebauten Bahnhof Liestal ambulante Dienstleistungen anbieten. Dafür wurde mit den SBB extra eine Absichtserklärung unterschrieben. Basel-Stadt wusste davon allerdings nichts.

Zwei Bahnhofsneubauten, die mit einer Pasarelle miteinander verbunden sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den neuen Bahnhofsgebäuden in Liestal will das Kantonsspital ambulante Dienstleistungen anbieten. zvg

Ursprünglich sollte einmal die Baselbieter Baudirektion in einem der geplanten Neubauten am Bahnhof Liestal einziehen. Doch weil sich Kanton und SBB nicht einigen konnten, platze dieser Deal. Jetzt haben die SBB einen neuen Mieter gefunden: Das Kantonsspital Baselland soll Ankermieter, also Hauptmieter, werden. Eine entsprechende Absichtserklärung («Letter of intend») haben das Spital und die SBB jetzt unterzeichnet.

Michael Rolaz, Leiter Strategie beim Kantonsspital Baselland, bestätigt Recherchen des «Regionaljournal Basel» von Radio SRF. Das Kantonsspital wolle im neu gebauten Bahnhof ambulante Dienstleistungen anbieten. Auch wenn noch offen sei, wie gross dieses Zentrum werden soll, sei schon jetzt klar, dass es «etwas Anständiges, etwas Grosses» geben werde, also ein Zentrum, in dem 20, 30 oder sogar 40 Ärztinnen und Ärzten arbeiten werden.

«  Wir wollen in die Nähe der Patienten. »

Michael Rolaz
Leiter Strategie, Kantonsspital Baselland

In diesem Zentrum wolle das Spital ein Grundangebot lancieren, nicht zuletzt auch um die nahegelegene Notfallstation zu entlasten. Gut möglich sei auch, dass es Spezialsprechstunden gebe, denkbar sein etwa Sprechstunden für Orthopädie oder Hals-Nasen-Ohren. «Wir wollen in die Nähe der Patienten und wir wollen ambulante Behandlungen durchführen, die wir heute in der teuren Spitalinfrastruktur anbieten», sagt Rolaz.

Nicht zuletzt geht es aber auch darum, denn attraktiven Standort am Bahnhof Liestal nicht privaten Anbietern im Gesundheitswesen zu überlassen, denn ein solches ambulantes Angebote dient immer auch dazu, Patienten für ein Spital zu akquirieren.

Dass jetzt das Kantonsspital vorprescht und das Angebot ausbauen will, sei kein Widerspruch zur geplanten Zusammenarbeit zwischen dem Basler Unispital und dem Baselbieter Kantonsspital, betont Michael Rolaz. Schliesslich sei ja das Ziel dieser Zusammenarbeit auch, dass man ambulante Fälle nicht in einem teuren Spital behandle, sondern in einer günstigeren Infrastruktur.

Das neue Angebot wird frühestens in fünf Jahren eröffnet. Denn die SBB muss den Bahnhof Liestal zuerst noch neu bauen.

Basel nicht informiert

Das Kantonsspital Baselland schreibt in einer Mitteilung, dass das Vorhaben mit den Partnern der geplanten Spitalgruppe abgestimmt sei. Das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt wurde allerdings erst diesen Mittwochnachmittag informiert, wie das Regionaljournal Basel weiss. Aufgeschreckt durch die Recherche holte Liestal die Information der Basler nach. Die Verhandlungen mit den SBB und die Unterzeichnung einer Absichtserklärung erfolgte also, ohne dass das Basler Gesundheitsdepartement informiert worden wäre.

Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger will sich nicht zu den neuen Plänen in Liestal äussern. Standortentscheide lägen in der Autonomie der jeweiligen Spitäler, heisst es auf Anfrage.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)