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Basel Baselland Ausländische Musiker in Basel nicht mehr willkommen

Nachdem ein Abteilungsleiter des Basler Amtes für Wirtschaft grosszügig Arbeitsbewilligungen erteilte, hält sich das Amt jetzt wieder strikt an das Ausländergesetz. Und jetzt droht über fünfzig ausländischen Musikerinnen und Musikern, dass sie ausreisen müssen.

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Legende: Über 50 Musikerinnen und Musiker sind betroffen. Colourbox

Orí Harmelin ist Lautenspieler. Deshalb zog er auch nach Basel, denn Basel ist weltweit ein Zentrum für alte Musik rund um die Schola Cantorum. Doch jetzt droht dem Musiker, dass er ausreisen muss: «Ich bin immer noch im Schock. Ich war sehr traurig, als ich realisiert, dass ich nicht mehr in Basel bleiben darf», sagt er.

Orí Harmelin stammt aus Israel. Weil er nicht aus einem EU-Land kommt, profitiert er auch nicht von der Personenfreizügigkeit. Um in der Schweiz auftreten zu dürfen, braucht er eine Arbeitsbewilligung.

Er und über 50 andere Berufsmusiker aus so genannten Drittstaaten bekamen in Basel bis jetzt relativ problemlos eine solche Bewilligung. Ausgestellt hatte diese Bewilligungen ein Chefbeamter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Gegen ihn läuft seit einem Jahr eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch. Ihm wird vorgeworfen, er habe vor allem für Grenzgänger Bewilligungen ohne gesetzliche Grundlagen erteilt.

Doch jetzt zeigen Recherchen des «Regionaljournal Basel» von Radio SRF, dass der Chefbeamte nicht nur bei Grenzgängern zu grosszügig war, sondern auch bei ausländischen Musikern aus Ländern ausserhalb der europäischen Union. «Eine Überprüfung hat gezeigt, dass auch Musiker und Musikerinnen nicht gesetzeskonforme Bewilligungen erhalten haben», bestätigt Antonina Stoll, Leiterin des Bereichs Arbeitsbeziehungen beim AWA. Die betroffenen Musikerinnen und Musiker arbeiten oft als Freischaffende für verschiedene Orchester.

Schwierige Situation für viele Musiker

Und jetzt erst merkt man in Basel, was es heisst, wenn sich die Behörden strikt ans Ausländergesetz halten. Zu spüren bekommen das vor allem Schulen für Musiker. Wenn Musiker aus der ganzen Welt zwar hier studieren, aber ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können, verlieren diese Schulen an Attraktivität. Stefan Schmidt, Direktor der Musikakademie: «Es ist eine schwierige Situation für viele. Aus Kanada, USA, Japan und China kommen hervorragende Leute zum Studium, die in Basel ihre Lebensbasis aufbauen durften.»

Auch Philipp Bischof, Leiter der Abteilung Kultur Basel-Stadt befürchtet, dass die Kulturstadt Basel an Bedeutung verlieren könnte. Er plädiert deshalb dafür, die gesetzlichen Bestimmungen so auszulegen, dass sie der Realität von Berufsmusikern auch entsprechen.

Jetzt beantragt das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit beim Bundesamt für Migration für Musiker eine Härtefallregelung und zwar für Musiker, die schon jahrelang in Basel leben. Darunter würden 20 der betroffenen 55 Musiker fallen. Der Lautenspieler Orí Harmelin weiss noch nicht, ob er auch zu den Härtefällen zählt oder nicht. Er wünscht sich aber, dass die Behörden für alle 55 Musikerinnen und Musiker eine Regelung finden. «Wir freischaffenden Musiker sind keine soziale Belastung. Wir zahlen alle unsere Steuern, stören niemanden. Wir leisten unseren Beitrag zum kulturellen Leben in Basel und in der Schweiz.»

(Regionaljournal Basel 17.30 Uhr)

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Ilse Schmitt-Auer, Bad Dürrheim
    Ich drücke Ori die Daumen, dass er in Basel bleiben kann! Er studierte in Trossingen bei Prof. Rolf Lislevand und ist ein begnadeter Musiker! Unglaublich was die Schweizer mal wieder für ein "Theater" veranstalten
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  • Kommentar von Christoph Bösch, Basel
    Es ist ganz einfach eine Katastrophe, wie hier wieder einmal der "Amtsschimmel" durchdrückt. In einem globalisierten Zeitalter werden von Leuten, die sich nie die Mühe nehmen würden, die Realität von MusikerInnen und KünstlerInnen kennenzulernen, borniert Paragraphen befolgt! Ein leitender Beamter, der diese Paragraphen im Sinn der Gesellschaft und der Kultur in unserer Region gehandhabt hat, muss sich vor Gericht verantworten! Das ist Steinzeit!
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  • Kommentar von Martin Sander, Detmold
    In den letzten Jahrzehnten hat das Schulsystem einen immer größeren Teil der Lebenszeit Heranwachsender unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt, auf Kosten der für die Entfaltung musischer Begabungen nötigen Zeit. Im Ergebnis erreicht eine erschreckend geringe Zahl junger Schweizer das für ein Musikstudium erforderliche Eingangs-Niveau. Um ihr kulturelles Niveau zu halten, ist die Schweiz daher auf ausländische Künstler angewiesen. Sie zu vergraulen, wird zu nichts Gutem führen.
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