Basel prescht vor und führt den Lehrplan 21 ein

Als erster Kanton führt Basel den umstrittenen Lehrplan 21 ein. Diesen Lehrplan haben alle Deutschschweizer Kantone gemeinsam ausgearbeitet. Dass Basel jetzt vorprescht, hängt mit der speziellen Situation in Basel zusammen.

Kinder strecken auf im Schulunterricht Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lehrplan 21 Die Deutschweizer Kantone wollen ihr Bildungssystem harmonsieren. Keystone

Während viele Kantone noch zögern, den gemeinsamen Lehrplan 21 einzuführen, prescht Basel-Stadt jetzt vor: Dieser neue Lehrplan, den alle Deutschschweizer Kantone gemeinsame ausgearbeitet haben, gilt in Basel ab nächstem Schuljahr. Und dies obwohl es noch nicht für alle Schulfächer entsprechende Lehrmittel gibt. Lehrmittel brauchen Lehrerinnen und Lehrer um unterrichten zu können.

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann ist trotzdem zuversichtlich, dass die Umstellung auf den neuen Lehrplan klappt. Zumal es eine sechsjährige Übergangsfrist gibt. «Wir haben keine Angst, dass wir die einzigen bleiben. Man wird in allen Kantonen diesen Weg einschlagen», sagt Eymann.

In vielen Kantonen ist der Lehrplan 21 umstritten. In Basel hingegen gibt es auffällig wenig kritische Stimmen. Eine dieser kritischen Stimmen war Danielle Kaufmann, Erziehungsrätin der SP. Sie liess sich inzwischen aber vom neuen Lehrplan überzeugen: «Es ist zwar ein bisschen eine Hau-Ruck-Übung. Aber in Basel ist der Druck etwas grösser, weil wir alles auf den Kopf stellen.»

Tatsächlich bleibt in der Basler Schullandschaft kaum ein Stein auf dem anderen:

  • Die Primarschule wird von 4 auf 6 Jahre verlängert.
  • Die Sekundarschule gab es zuvor in dieser Form nicht in Basel
  • Um das Schulsystem mit den anderen Kantonen zu harmonisieren, baut Basel für hunderte Millionen Franken die Schulhäuser um

Erziehungsdirektor Christoph Eymann sprach denn auch von der wohl grössten Reform, die es im Basler Schulwesen je gegeben habe.

«  Wir stünden vor einem brutalen Scherbenhaufen, wenn wir den Lehrplan 21 nicht einführen würden. »

Danielle Kaufmann
Erziehungsrätin

Damit hat Basel auch Sachzwänge geschaffen. Weil es etwa die Sekundarschule bis jetzt in Basel in dieser Form nicht gab, gibt es auf dieser Stufe auch keinen Lehrplan. Erziehungsrätin Danielle Kaufmann: «Wir stünden vor einem brutalen Scherbenhaufen, wenn wir den Lehrplan 21 nicht einführen würden.»

Offen ist, wie sich der Basler Entscheid auf den Nachbarkanton Baselland auswirkt. Dort hat sich zwar der Bildungsrat auch entschieden, den Lehrplan 21 einzuführen. Auf dem Tisch liegen aber noch zwei Initiativen des Komitees für eine starke Schule und auch der Landrat hat einen Vorstoss zu diesem Thema überwiesen. Offen ist, ob jetzt im Baselbiet der Druck zu Gunsten des Lehrplans 21 zunimmt oder ob sich jetzt erst Recht Widerstand formiert, weil man sich von der Stadt nichts aufzwingen lassen will.

(Regionaljournal 17:30)