Hohe Gesundheitskosten Basel-Stadt schaut Chirurgen genau auf die Finger

Basel-Stadt hat die höchsten Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien der Schweiz. Der Kanton startet darum eine Studie bei Patienten, die sich einer Knie- oder Hüftoperation unterziehen. Man wolle überprüfen, ob wirklich alle Operationen nötig sind.

Chirurge bekommt Instrument gereicht, er hat Handschuhe an, die etwas blutbverschmiert sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ärzte und Patienten müssen verstärkt darüber reden, ob eine Operation tatsächlich nötig ist. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwischen 2009 und 2014 ist die Zahl der Knie-Erstimplantationen schweizweit um 20 Prozent gestiegen. In Basel-Stadt um 24 Prozent.
  • Im Kanton Basel-Stadt betragen die Kosten für Knie- und Hüftoperationen jährlich 42 Millionen Franken.
  • Mit der Studie will der Kanton überprüfen, ob alle diese Operationen gerechtfertigt sind.

«Der Kanton muss tätig werden», sagt Thomas von Allmen, Leiter Spitalversorgung beim Kanton Basel-Stadt. Denn die steigende Zahl von Operationen könne nicht nur mit der Altersstruktur der Bevölkerung erklärt werden. Die Studie soll Fakten bringen zur Frage, ob jede einzelne Operationen nötig ist. Patientinnen und Patienten des Universitätsspitals Basel und des Merian Iselins werden vor und nach der Operation nach ihrem Wohlbefinden und Schmerzen befragt.

Ärzte sind skeptisch

Der Kanton bricht damit ein Tabu und mischt sich in die Verantwortung der Ärzte ein. Sie müssen mit ihren Patientinnen und Patienten abwägen, ob eine Operation angemessen ist. Laut Christoph Holenstein, Präsident der Belegärzte beider Basel und Orthopäde am Merian Iselin Spital, sind es gerade auch die Patienten, die mit immer mehr Ansprüchen die Zahl der Operationen in die Höhe treiben. «Wenn jemand irgendeine Tätigkeit nicht mehr ausüben kann, dann möchte er einen operativen Eingriff.»

Auch Marcel Jakob, Chefarzt für Orthopädie am Basler Universitätsspital sagt, wer mit 55 Jahren nicht mehr schmerzfrei Tennis spielen könne, akzeptiere dies nicht. Er habe dennoch Verständnis dafür, dass der Kanton ein Zeichen setzen wolle, sagt Marcel Jakob. Trotzdem sei es auch ein Zeichen des Misstrauens.

Baselland will auch mitmachen

Mit den Befragungen nach Hüft- und Knieoperationen stosse man nun einen ersten Stein an, sagt Thomas von Allmen vom Basler Gesundheitsdepartement. Gut möglich, dass man solche Studien auch bald für andere Bereiche durchführe. Auch der Kanton Baselland wolle bald mitziehen und an dieser ersten Studie teilnehmen.

Regionaljournal Basel, 06.32 Uhr