Basler Architektur der 60er Jahre ist besser als ihr Ruf

Sie gelten bei vielen Leuten als architektonische Sünden: Die Bauten aus der Hochkonjunktur. Die Basler Denkmalpflege hält aber auch viele Gebäude aus dieser Zeit für schützenswert - sie seien alles andere als Wegwerf-Architektur.

Anfos-Haus in der Basler Aeschenvorstadt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Anfos-Haus in der Basler Aeschenvorstadt. Hilbert Architekten

Für viele Leute ist die Aeschenvorstand in Basel ein architektonischer Tiefpunkt: An der Strasse zwischen Bankverein und Aeschenplatz stehen Hochhäuser aus den 60er-Jahren - beispielsweise das Anfos-Haus oder das Drachencenter. Die Basler Denkmalpflege jedoch sieht es anders: Die Architektur aus jener Zeit sei wertvoll.

Dies gelte beispielsweise auch für das Gebäude an der Ecke Bankverein, wo heute die Buchhandlung Bider und Tanner beheimatet ist. Auf den ersten Blick ist das ein schnörkelloser Block. Die Fassade ist aus weissem Marmor und grauem Granit.
Denkmalpfleger Daniel Schneller sagt: «Die Architektur aus den 50er- und 60er-Jahren hat einen schlechten Ruf, weil damals auch sehr viel Massenarchitektur entstanden ist.» Aber in jener Zeit seien auch architektonische Perlen entstanden.

Ausdruck eines neuen Lebensgefühls

In der Aeschenvorstadt sei radikal neu gebaut worden. «Man war sehr euphorisch und zukunftsgläubig. Und für dieses Lebensgefühl sind die mondänen, eleganten Geschäftshäuser exemplarisch.» Dies seien neuartige Einkaufstempel gewesen.

Diverse Gebäude aus jener Zeit müssen heute renoviert werden. Dies sorgt für Probleme, erklärt Reto Bieri, der als Denkmalpfleger die Hauseigentümer berät. «Wer ein Haus renovieren will, ist mit vielen Fragen konfrontiert. Sind die Gebäuden erdbebensicher? Gibt es Altlasten wie Asbest? Wie ist der Energieverbrauch?» Seine Botschaft lautet jedoch: «Durch eine sorgfältige Begleitung lassen sich die Gebäude renovieren, ohne dass die Kosten explodieren.»

Felix-Platter-Spital hat hohe architektonische Bedeutung

Die Botschaft der Denkmalpflege ist: Wenn sich Basel als Architekturstadt versteht, dann dürfe man die Bauten aus der Hochkonjunktur nicht einfach abreissen. Genau dies geschieht jedoch beim Felix-Platter-Spital. Denkmalpfleger Schneller sagt hierzu: «Dass das Gebäude abgerissen wird, ist ein politischer Entscheid. Das hat der Regierungsrat beschlossen. Aus meiner Sicht hat das Spital eine hohe architektonische Bedeutung.»

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)